Hydrogen Industry Quota: EWI Study Highlights Conflict in RED III Implementation

Die RED-III-Industriequote soll bis 2030 den Einsatz von grünem Wasserstoff in der Industrie auf 42 Prozent erhöhen. Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) hat in einer Studie die Kostenwirkungen dieser Quote untersucht. Die Studie zeigt anhand der Wertschöpfungsketten Ammoniak und Stahl, wie sich Mehrkosten auf Düngemittel, Agrarprodukte und Autos auswirken und warum der regulatorische Ansatzpunkt über Wettbewerbsfähigkeit und Transformationstempo entscheidet.

von | 09.07.26

Die Studie rechnet mit Gestehungskosten von rund 204 Euro pro MWh für grünen Wasserstoff, gegenüber 100 Euro pro MWh für grauen Wasserstoff.
Generated by AI
Industriequote für Wasserstoff: EWI-Studie zeigt Konflikt bei RED-III-Umsetzung

Die EU-Richtlinie RED III verpflichtet die Mitgliedstaaten zu einer Industriequote für grünen Wasserstoff. Bis 2030 sollen 42 Prozent der industriellen Wasserstoffnachfrage durch RFNBO-konformen, grünen Wasserstoff gedeckt werden. Bis 2035 steigt die Quote auf 60 Prozent. Die Verpflichtung gilt auf Ebene der Mitgliedstaaten. Für die praktische Umsetzung braucht es zusätzliche nationale Instrumente, da die Zahlungsbereitschaft für grünen Wasserstoff in der Industrie aktuell unter den Bereitstellungskosten liegt.

Das EWI hat im Auftrag der Förderinitiative Wasserstoff und Moleküle untersucht, welche Kostenwirkungen die Industriequote entlang von Wertschöpfungsketten entfaltet. Die Studie „Umsetzung der RED III in der deutschen Industrie“ analysiert dafür zwei Beispiele: die Ammoniakproduktion mit Weiterverwendung in Düngemitteln sowie die wasserstoffbasierte Stahlproduktion mit Weiterverwendung in der Automobilindustrie. Verfasst haben die Analyse Ann-Kathrin Klaas, Michaele Diehl und Jan Hendrik Kopp.

Von den aktuell in Deutschland eingesetzten rund 37 TWh grauem Wasserstoff fallen nur etwa 17 TWh unter die Industriequote. Bei einer Quote von 42 Prozent ergibt sich für 2030 ein Bedarf von rund 7 TWh grünem Wasserstoff. Dieser Bedarf kann steigen, wenn zusätzliche Branchen erstmals Wasserstoff einsetzen.

Grüner Stickstoffdünger verteuert Weizen und Raps

Die Ammoniakproduktion basiert in Deutschland überwiegend auf grauem Wasserstoff. Sie wäre damit direkt von der Industriequote betroffen. 2024 produzierte Deutschland rund 2 Millionen Tonnen Ammoniak, dafür waren etwa 14,6 TWh Wasserstoff nötig.

Die Studie des EWI überträgt die Mehrkosten einer grünen Ammoniakroute über den Dünger Kalkammonsalpeter auf drei Agrarprodukte: Winterweizen, Kartoffeln und Rapsöl. Je Produkteinheit fallen die Mehrkosten moderat aus: 1,9 Cent pro Kilogramm Winterweizen, 0,3 Cent pro Kilogramm Kartoffeln, 8,5 Cent pro Liter Rapsöl.

Auf der landwirtschaftlichen Erzeugerstufe wirken diese Aufschläge deutlich stärker. Der vereinfachte Deckungsbeitrag (Erlös abzüglich variabler Kosten) sinkt bei Winterweizen um rund 24 Prozent, bei Rapsöl um rund 12 Prozent. Bei Kartoffeln fällt der Rückgang mit rund 1 Prozent gering aus, da der Stickstoffbedarf hier niedrig liegt. Auf Basis der Erntemengen 2025 ergibt sich ein Wasserstoffbedarf von 4,75 TWh für Winterweizen, 1,42 TWh für den Rapsölpfad und 0,40 TWh für Kartoffeln.

Grüner Stahl erhöht Autokosten kaum

Anders liegt der Fall bei Stahl. Hier besteht aktuell keine Wasserstoffnachfrage. Wasserstoff könnte künftig zum Einsatz kommen, wenn Stahlwerke von der Hochofenroute auf Direktreduktionsanlagen umstellen.

Die Studie vergleicht die konventionelle Hochofenroute mit der wasserstoffbasierten Direktreduktion und überträgt die Mehrkosten auf die Automobilproduktion. Bei vollständiger Weitergabe entstehen zusätzliche Produktionskosten von rund 130 Euro je Fahrzeug. Das entspricht unter 0,5 Prozent des durchschnittlichen Neuwagenpreises von etwa 43.530 Euro. 2025 produzierte Deutschland 4,1 Millionen Autos. Wäre der gesamte Primärstahlbedarf dieser Fahrzeuge mit grünem Stahl gedeckt worden, wären dafür rund 4 TWh Wasserstoff nötig gewesen.

Das EWI warnt zugleich vor einem Effekt: Da Wasserstoff in der Stahlproduktion bislang nicht eingesetzt wird, könnte die Industriequote den Umstieg auf wasserstoffbasierte Verfahren verzögern. Steigt die Wirtschaftlichkeit der neuen Route durch die Quote, halten Unternehmen möglicherweise länger an fossilen Prozessen fest.

Regulatorischer Ansatzpunkt entscheidet über Wirkung

Die Studie identifiziert einen Zielkonflikt bei der Ausgestaltung der Industriequote. Setzt die Quote an der ersten Wertschöpfungsstufe an, dort, wo Wasserstoff eingesetzt wird, lässt sie sich einfach regulieren: wenige Akteure, standardisierte Produkte, messbarer Wasserstoffeinsatz. Die Mehrkosten treffen dann zunächst vorgelagerte Unternehmen, die oft im internationalen Wettbewerb stehen und diese Kosten nicht immer weitergeben können.

„Dann könnten Primär-, Zwischen- oder Endprodukte vermehrt importiert werden, vor allem wenn es in diesen Branchen im Ausland keine vergleichbaren Vorgaben gibt„, sagte Ann-Kathrin Klaas, Head of Research Area am EWI. Setzt die Quote dagegen an einer späteren, marktnäheren Stufe an, steigen die Chancen zur Kostenweitergabe. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Nachweis und regulatorische Umsetzung.

In Deutschland liegt bislang kein konkreter Gesetzentwurf zur Umsetzung der Industriequote vor. Italien, Rumänien, Litauen und die Slowakei haben die Quote bereits in nationales Recht überführt, die Niederlande haben einen Gesetzentwurf vorgelegt. Diese Staaten setzen jeweils auf eine aggregierte Quote für die Gesamtindustrie.

Zur vollständige Analyse

 

(Quelle: EWI/2026)

Image source, unless indicated in the image above:

Subscribe to the newsletter now

Fuel for your knowledge, delivered to your inbox every week.

Sign up here

H2 Projects in Your Region

More than 300 hydrogen projects in Germany and Europe

Click here for the interactive map

„Die technische Machbarkeit ist nachgewiesen, die größte Herausforderung liegt im Markthochlauf“
„Die technische Machbarkeit ist nachgewiesen, die größte Herausforderung liegt im Markthochlauf“

Vom Abgassystem zur Brennstoffzelle: Purem by Eberspächer bringt seine Erfahrung aus der Akustik- und Abgasreinigungstechnik gezielt in den Wasserstoffbereich ein. Im Interview erklärt Patrick Schaller, Product Director für Wasserstoffanwendungen und -komponenten, wie der De-Hydrator die Dampfbildung an Brennstoffzellenfahrzeugen reduziert und wie der Hydrogen Recirculation Blower (HRB) durch Rezirkulation von Wasserstoff die Effizienz steigert. Beide Technologien haben bereits erste Praxistests bestanden. Ende Oktober präsentiert Purem by Eberspächer beide Lösungen live auf der Hydrogen Technology World Expo in Hamburg.

Read more
Thyssenkrupp Nucera zentralisiert Montage von Elektrolysezellen
Thyssenkrupp Nucera zentralisiert Montage von Elektrolysezellen

Das Anlagenbauunternehmen Thyssenkrupp Nucera AG & Co. KGaA errichtet nach eigenen Angaben erstmals ein Montagezentrum für Elektrolysezellen in Europa. Der sogenannte „Assembly Hub“ liegt im portugiesischen Vila Nova de Gaia und soll 2028 den Betrieb aufnehmen. Beliefert werden sollen vor allem europäische Elektrolyseprojekte, darunter das Vorhaben „Onuba“.

Read more
BMW-Werk in Leipzig erhält Anschluss an Wasserstoff-Kernnetz
BMW-Werk in Leipzig erhält Anschluss an Wasserstoff-Kernnetz

Das BMW Group Werk Leipzig soll ab dem ersten Halbjahr 2028 direkt über eine Pipeline mit Wasserstoff versorgt werden. Dafür hat Ende September der symbolische Baustart einer rund zwei Kilometer langen Leitung stattgefunden. Die Pipeline soll an das nationale Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen werden. Nach Angaben der BMW AG ist das Werk in Leipzig das erste Automobilwerk weltweit, das direkt per Pipeline mit Wasserstoff versorgt wird.

Read more

H2 Talk

„Die technische Machbarkeit ist nachgewiesen, die größte Herausforderung liegt im Markthochlauf“
„Wir wollen e-Fuels vom teuren Nischenprodukt zu einer wettbewerbsfähigen Lösung entwickeln“
„Der Mittelstand ist das Kraftwerk unserer Wirtschaft"

Publications