Erster Wasserstoff aus Lingen fließt über Pipeline zum Chemiepark Marl

Die Elektrolyseanlage von RWE in Lingen hat im Rahmen des Projekts GET H2 Nukleus erste Mengen erneuerbaren Wasserstoffs produziert. Über ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz der Betreiber Nowega, OGE und SYNEQT ist der Wasserstoff zum Chemiepark von Evonik in Marl transportiert worden. Damit nimmt eine der ersten integrierten Wasserstoff-Wertschöpfungsketten Europas ihren Betrieb auf.

von | 04.08.26

Mit dem Start des Wasserstofftransports nach Marl wird aus einzelnen Bausteinen ein funktionierendes System: Erzeugung, Transport und Abnahme greifen erstmals im Realbetrieb ineinander.
© RWE Generation SE
Erster Wasserstoff aus Lingen fließt über Pipeline zum Chemiepark Marl

Am RWE-Standort errichten ITM Power und Linde Engineering zwei Elektrolyseure mit je 100 MW Leistung, die auf PEM-Technologie basieren. Nikolaus Valerius, CEO der RWE Generation SE, betont, dass die Inbetriebnahme der Anlagen zügig voranschreitet. Bereits in den kommenden Monaten will RWE die Anlagen auf den kommerziellen Betrieb vorbereiten. Bis Ende 2026 soll die Anlage mit einer Gesamtleistung von 200 MW laut dem Energiekonzern vollständig in Betrieb gehen. Ab 2027 soll diese dann auf 300 MW erweitert werden.

Der in Lingen produzierte Wasserstoff erfüllt die EU-Anforderungen für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO). Abnehmer erhalten dafür Nachhaltigkeitsnachweise und können den Wasserstoff auf ihre Dekarbonisierungsziele anrechnen.

Dass dieser zertifizierte Wasserstoff nun tatsächlich in Marl ankommt, wertet Valerius als Beleg für die Funktionsfähigkeit des gesamten Systems: „Das Zusammenspiel von Elektrolyse, Transportinfrastruktur und Abnahme funktioniert.“

Pipeline transportiert Wasserstoff nach Marl

Auf dem Weg dorthin durchläuft der Wasserstoff ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz, das die Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und OGE gemeinsam mit der Evonik-Tochter SYNEQT betreiben.

Für OGE-Chef Thomas Hüwener markiert der Netzstart einen wichtigen Schritt: „Mit dem GET H2 Nukleus gehen unsere ersten Wasserstoffleitungen in den Netzbetrieb.“

Zugleich erprobt das Projekt zentrale Marktprozesse wie Netzzugang, Kapazitätsbuchung und Bilanzierung unter realen Bedingungen. Nowega-Geschäftsführer Frank Heunemann verweist darauf, dass sich die frühzeitige Projektentwicklung mit den ersten Transportkunden ausgezahlt habe. Erste Erfahrungen dafür hatten die Partner bereits im Forschungsprojekt GET H2 TransHyDE gesammelt, die sie nun im laufenden Systembetrieb weiter ausbauen.

Kernnetz nimmt erste Abschnitte in Betrieb

Die Leitungen zählen zu den ersten fertiggestellten Abschnitten des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes. Bund sowie die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen fördern Teile des GET H2 Nukleus im Rahmen des IPCEI-Programms Hy2Infra (Important Projects of Common European Interest).

Am Chemiepark Marl selbst eröffnet der Netzanschluss nach Einschätzung von SYNEQT-Geschäftsführer Thomas Basten neue Perspektiven für die Weiterentwicklung des Standorts: „Hier in Marl angekommen, lässt sich der Wasserstoff direkt für den Bedarf der Industrie nutzen.“

Get H2 Nukleus nimmt Fahrt auf

Ausschnitt des Projekts Get H2 Nukleus (© RWE Generation SE)

Mit dem erneuerbaren Wasserstoff will Evonik den im Chemiepark verwendeten fossilen Wasserstoff schrittweise ersetzen. Die Verfügbarkeit stärke zugleich die Attraktivität des Standortes für neue Ansiedlungen.

Kernnetz wächst um Speicher und Leitungen

An das GET H2 Nukleus knüpfen bereits mehrere Leitungsprojekte an. Ende 2025 haben OGE und Nowega eine rund zehn Kilometer lange Neubauleitung von Heek nach Epe fertiggestellt, die den dortigen Wasserstoffspeicher anbindet. RWE Gas Storage West befüllt diesen Kavernenspeicher ab Ende 2026 als ersten kommerziellen Wasserstoffspeicher Europas; die Inbetriebnahme ist für Mitte 2027 geplant.

Um weitere Industriekunden anzuschließen, stellen OGE und Nowega bis 2027 zusätzlich eine bestehende Leitung von Legden nach Dorsten auf Wasserstoffbetrieb um und errichten eine neue Leitung von Dorsten nach Marl. Bereits in Betrieb ist außerdem eine Leitung von SYNEQT, die den Chemiepark Marl mit der Raffinerie in Gelsenkirchen-Scholven verbindet.

(Quelle: ITM Power/ RWE/2026)

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