Der Klimahafen liegt im Stadthafen Gelsenkirchen. Die Unternehmen, die sich dort zusammengeschlossen haben, benötigen gemeinsam rund 600 GWh Energie pro Jahr. Das entspreche etwa 75 Prozent des Energieverbrauchs aller Einwohner Gelsenkirchens. Unter realen Bedingungen sollen am Standort klimaneutrale Ansätze entstehen, die auch auf andere Unternehmen und Industriestandorte übertragbar sind.
Beim Besuch von Wüst stand die Unternehmensgruppe Zinq Technologie GmbH im Mittelpunkt: Mehr als 600 Tonnen Zink werden dort rund um die Uhr bei rund 450 Grad Celsius schmelzflüssig gehalten; bislang mit Erdgas. Ziel des Unternehmens ist es, das Erdgas schrittweise durch kohlenstoffarme Energieträger zu ersetzen.
Wasserstoff soll künftig für Prozesswärme eingesetzt werden
Ein zentrales Konzept dazu ist im Klimahafen Smart-Power-to-Heat (SP2H): Industrielle Prozesswärme soll flexibel mit verschiedenen Energieträgern erzeugt werden. Dafür sollen Strom, Gas und perspektivisch Wasserstoff im Rahmen der Energieträgerkopplung kombiniert werden. Steht viel erneuerbarer Strom zur Verfügung, werde er für die Wärmeerzeugung genutzt und thermisch gespeichert. Bei Stromknappheit würde auf Gas und künftig Wasserstoff umgeschaltet, ohne, dass die Produktion unterbrochen wird. Damit soll Prozesswärme für den Strommarkt durch das Bereitstellen von industrieller Flexibilität systemdienlich werden.
Zwei von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Studien haben das Potenzial dieses Ansatzes bestätigt. Für die Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme seien demnach hybride Systeme aus Strom und molekularen Energieträgern ein zentraler Baustein. Eine aktuelle, darauf aufbauende Untersuchung zeigt zudem, dass die nutzbare Kapazität bestehender Industrieanlagen, die auf SP2H umgestellt werden könnten, dem Gegenwert von mehr als 100 Milliarden Euro an Neuinvestitionen in Batteriespeicher entspricht.
Klimahafen baut Wasserstoffnutzung aus
Erste Schritte in Richtung Wasserstoff sind im Klimahafen bereits gemacht. So wird wasserstoffreiches Energiegas aus einer nahegelegenen Kokerei bereits bei Trimet Aluminium SE im Aluminiumrecycling und zudem bei Arsol Aromatics GmbH & Co. KG in der chemischen Weiterverarbeitung eingesetzt. Zinq selbst verfügt nach eigenen Angaben über Anlagentechnik für Energiegas mit einem Wasserstoffanteil von bis zu 60 Prozent.
Parallel laufen weitere Projekte: Im Vorhaben H2Raum wollen Zinq, ProPuls GmbH sowie die Westfälische Hochschule den Einsatz von Wasserstoff in der Oberflächentechnik erproben. Im Oktober 2025 erhielt VoltH2 Operating Germany GmbH die Genehmigung für eine vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte 20-MW-Elektrolyseanlage im Rahmen des HyPerformer-Programms. Ab 2029 soll das H2 Solution Lab eine Forschungs-, Erprobungs- sowie Demonstrationsinfrastruktur für Wasserstofftechnologien insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen bereitstellen.
Wüst zog am Ende seines Besuchs Bilanz: „Klimaschutz und starke Industrie sind keine Gegensätze. Der Klimahafen zeigt, wie das funktionieren kann: Unternehmen arbeiten gemeinsam an neuen Lösungen bei der Energieversorgung und Nutzung von Prozesswärme und machen aus technologischem Fortschritt industrielle Realität.“








