Anfang des Monats ist bereits die erste 100-MW-Stufe mit PEM-Elektrolyseuren von ITM Power in Betrieb gegangen. Dabei hat die Anlage erstmals grünen Wasserstoff an den Chemiekonzern Evonik geliefert. Der in Lingen erzeugte Wasserstoff gelangt über eine 120 Kilometer lange Pipeline zu Industriekunden in der Region. Die Leitung wird von deutschen Fernleitungsnetzbetreibern betrieben. Zu den Abnehmern zählt unter anderem die Evonik-Anlage in Marl.
Das Gesamtprojekt wird mit 619 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln gefördert. In diesem Jahr sollen 200 MW Kapazität ans Netz gehen, bis 2027 soll der Ausbau auf 300 MW folgen. Im Vollausbau erreicht die Anlage eine Jahreskapazität von 49.000 Tonnen Wasserstoff. Die Inbetriebnahme hatte Ende 2025 begonnen, nachdem die finale Investitionsentscheidung im Jahr zuvor gefallen war.
Ab 2030 will RWE zusätzlich 30.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr an die Raffinerie von TotalEnergies in Leuna liefern. Die Grundlage dafür bildet ein Abnahmevertrag mit einer Laufzeit von 15 Jahren.
Baustart für Testanlage in Schwarzheide
Sunfire hat zudem den Bau einer Pilotanlage für Hochtemperaturelektrolyse (SOEC) im Industriepark Lausitz in Schwarzheide begonnen. Den entsprechenden Plan hatte das Unternehmen im Mai bekannt gegeben. Mit dem Spatenstich startet die Langzeitvalidierung der Technologie unter industriellen Bedingungen. Es handelt sich um den letzten Schritt vor dem großmaßstäblichen Einsatz der Technik. Bei erfolgreicher Validierung könnte die Technologie die Produktionskosten von Wasserstoff senken.
„Die SOEC-Technologie hat das Potenzial, zu einer Schlüsseltechnologie für die Dekarbonisierung der Industrie zu werden. Mit unserer Testanlage in Schwarzheide gehen wir den nächsten Schritt zur Kommerzialisierung“, sagte Sunfire-CEO Nils Aldag.
SOEC-Elektrolyse nutzt Abwärme aus industriellen Prozessen und arbeitet dadurch mit höherem Wirkungsgrad als herkömmliche Elektrolyseverfahren. In Tests hat Sunfire einen Wirkungsgrad von bis zu 89 Prozent (LHV, Wechselstrom) erreicht.
Die in Schwarzheide eingesetzte SOEC-Technologie wurde im Rahmen des Leitprojekts H2Giga, Teilprojekt HTEL Module, weiterentwickelt. Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Die Testanlage soll die technologische Reife für den großmaßstäblichen Einsatz im Rahmen des IPCEI-Programms (Important Projects of Common European Interest) unterstützen. Die Entwicklung und Industrialisierung der SOEC-Elektrolyseure wird zudem über ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank mitfinanziert.










