Energieministerin Thekla Walker hat am 17. Dezember 2025 in Stuttgart die ersten acht Zuwendungsverträge des Landesförderprogramms Elektrolyseure (ELY) übergeben. Die Veranstaltung „Zukunft der H₂-Produktion in Baden-Württemberg“ fand im Haus der Wirtschaft statt.
Das Förderprogramm hat ein Gesamtvolumen von über 100 Millionen Euro. Dies ist die bislang größte Einzelinvestition Baden-Württembergs in die regionale Wasserstofferzeugung. Im ersten Förderaufruf fließen 50,7 Millionen Euro in acht Projekte.
Die geförderten Elektrolyseure erhöhen die Elektrolyseleistung in Baden-Württemberg um mehr als das Doppelte. Die neue Kapazität von 55 Megawatt startet ab 2028.
Förderung reagiert auf verzögerten Netzausbau
Das Land reagiert mit dem ELY-Programm auf den zeitverzögerten Aufbau des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes. Die Bundesnetzagentur hat den Antrag der Fernleitungsnetzbetreiber am 22. Oktober 2024 genehmigt. Das Kernnetz deckt nicht alle Regionen in Baden-Württemberg ab.
Die Umsetzung benötige noch Zeit. Der weitere Ausbau müsse über den Netzentwicklungsplan Gas und Wasserstoff erfolgen. Deshalb möchte das Land Baden-Württemberg Erzeugungskapazitäten vor Ort schaffen.
Ministerin Walker betont die Bedeutung lokaler Infrastruktur: Unternehmen brauchen auf dem Weg in eine dekarbonisierte Zukunft verlässliche Versorgung und Planungssicherheit. Die Fördermittel schaffen Wertschöpfung und Unabhängigkeit in den Regionen.
Breites Spektrum von Stadtwerken bis Industrie
Die geförderten Projekte umfassen kommunale Stadtwerke und industrielle Anwender. Die elektrische Leistung der einzelnen Anlagen liegt zwischen 1 und 15 MW. Der Wasserstoff findet Einsatzmöglichkeiten in der Industrie und der Mobilität.
Der Wasserstoff wird energetisch oder stofflich genutzt. Die bei der Elektrolyse entstehende Abwärme kann zur Wärmeversorgung eingesetzt werden. Der Mix aus öffentlichen und privaten Antragstellern zeigt die sektorübergreifende Anwendung.
Eine landesweite Bedarfserhebung aus dem Jahr 2023 zeigt einen höheren und schneller steigenden Bedarf, als bisherige Studien angenommen haben. Grüner Wasserstoff wird zur vierten Säule der Energiewende nach Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und Elektrifizierung.
Deutsche ReGas baut 15-MW-Elektrolyseur in Bruchsal
Unter den geförderten Vorhaben befindet sich auch das Projekt „H₂-Hub Bruchsal„. Dafür erhält die Deutsche ReGas rund 10 Millionen Euro. Der 15-MW-Elektrolyseur soll ab 2028 zwischen 1.200 und 2.250 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr produzieren. Abnehmer sind Unternehmen und Kommunen in der Region Bruchsal.
Das Unternehmen verfolgt einen modularen Ansatz. Der Wasserstoff wird unabhängig von bestehender Wasserstofftransportinfrastruktur vor Ort produziert. Das Karlsruher Institut für Technologie hat den Vergabeprozess durchgeführt.
Ingo Wagner, geschäftsführender Gesellschafter von Deutsche ReGas, bezeichnete das Projekt als Teil der dezentralen Wasserstoffstrategie des Unternehmens. Deutsche ReGas betreibt bereits das Energie-Terminal „Deutsche Ostsee“ in Mukran und ein LNG-Terminal in Lubmin.
Zweiter Förderaufruf für 2026 geplant
Die Landesregierung wird 2026 einen weiteren Förderaufruf im Förderprogramm Elektrolyseure starten. Das ELY-Programm fördert gezielt die Neuerrichtung und Erweiterung lokaler Elektrolyseure mit dem Ziel, regionale H2-Hubs aufzubauen.
Die Elektrolyseure sollen im Einklang mit dem regionalen Ausbau des Stromnetzes und dem Ausbau von Erneuerbaren-Energien-Anlagen errichtet werden. Der parallele Auf- und Ausbau ist zentral für die Energiewende und das Erreichen der Klimaschutzziele in Baden-Württemberg.
Das Förderprogramm ist zentraler Baustein der Fortschreibung der Wasserstoff-Roadmap des Landes. Die Vertragsübergabe markiert den offiziellen Startschuss für den Ausbau einer dezentralen, nachhaltigen Wasserstoffinfrastruktur in Baden-Württemberg.









