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Wasserstoffbank: EU öffnet dritte Auktion für CO2-armen Wasserstoff

Die Europäische Kommission hat die Bedingungen für ihre dritte Auktionsrunde der Wasserstoffbank veröffentlicht. Erstmals werden auch Projekte für CO₂-armen Wasserstoff zugelassen. Mit einem Budget von 1,1 Milliarden Euro sollen bis Ende 2025 erstmals auch Projekte gefördert werden, die nicht ausschließlich auf erneuerbare Energien setzen. Damit markiert die Ausschreibung einen Politikwechsel weg von der strikten Fokussierung auf erneuerbaren RFNBO-Wasserstoff.

von | 19.08.25

Bei der dritten Auktion wird erstmal auch CO₂-armer Wasserstoff aus Kernenergie gefördert
© Symbiot- stock.adobe.com
EU Wasserstoffbank
Die Europäische Kommission erweitert das Förderprogramm ihrer Wasserstoffbank um CO₂-armen Wasserstoff. Die neuen Ausschreibungskriterien öffnen den Weg für Elektrolyse-Projekte, die mit Kernenergie betrieben werden. Die Kommission will damit signalisieren, dass nuklear betriebene Elektrolyse neben erneuerbaren Energien als gangbarer Weg für die Dekarbonisierung gilt. Projekte müssen weiterhin die EU-Kriterien für CO₂-armen Wasserstoff erfüllen und eine Emissionsreduktion von mindestens 70 Prozent gegenüber fossilen Referenzwerten nachweisen.

Die Entscheidung folgt der Ankündigung des Clean Industrial Deal vom Februar 2025. Die Kommission versucht damit, strenge Erneuerbare-Energie-Ziele mit praktikablen CO₂-armen Alternativen in Einklang zu bringen.

Für die dritte Auktion will die EU ein Budget von knapp einer Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Die Förderung erfolgt als feste Prämie in Euro pro Kilogramm produzierten und zertifizierten Wasserstoffs. Spanien, Litauen und Österreich kündigten bereits zusätzliche nationale Mittel von über 700 Millionen Euro an.

Budget gliedert sich in drei Förderlinien

Das Budget von 1,1 Milliarden Euro teilt sich in drei Förderlinien auf. Die ersten ca. 400 Millionen Euro sind für die Produktion von RFNBO- und CO₂-armem elektrolytischem Wasserstoff nach Richtlinie (EU) 2024/1788 und dem delegierten Rechtsakt (C(2025) 4674 final) vorgesehen. Blauer Wasserstoff bleibt dabei ausgeschlossen, stattdessen fokussiert die Förderung auf Elektrolyse mit nicht-erneuerbaren aber emissionsarmen Quellen wie Kernenergie.

Weitere 400 Millionen Euro will die EU ausschließlich für RFNBO-Wasserstoff reservieren. Der dritte Topf mit rund 200 Millionen Euro ist speziell für RFNBO- oder CO₂-armen elektrolytischen Wasserstoff für maritime Kraftstoffversorgung gedacht. Durch den „Auction-as-a-Service”-Mechanismus können EU-Mitgliedstaaten die maritime Förderung um bis zu 100 Millionen Euro aufstocken.

Der Entwurf vom 30. Juli steht bis 14. September zur öffentlichen Konsultation.

Ersten beiden Auktionen vergeben 1,7 Milliarden Euro

Die zweite Auktion der Wasserstoffbank vergab im Februar 2025 insgesamt 992 Millionen Euro an 15 Projekte. Diese Projekte sollen über 10 Jahre hinweg knapp 2,2 Millionen Tonnen erneuerbaren Wasserstoff in 5 Ländern produzieren und dabei mehr als 15 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen vermeiden. Die ausgewählten Projekte müssen ihre Förderverträge mit der Europäischen Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt (CINEA) bis September/Oktober 2025 unterzeichnen.

Von insgesamt 61 eingereichten Geboten bewertete die CINEA alle Anträge nach festgelegten Qualifikationskriterien. Die Gewinnerprojekte müssen innerhalb von zweieinhalb Jahren nach Vertragsunterzeichnung die Finanzierung abschließen und binnen 5 Jahren mit der Wasserstoffproduktion beginnen.

Die erste Wasserstoffbank-Auktion von 2023/2024 vergab bereits 720 Millionen Euro an 7 Projekte. Diese haben das Potenzial, in ihren ersten zehn Betriebsjahren 1,52 Millionen Tonnen erneuerbaren Wasserstoff zu produzieren und dabei mehr als 10 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen zu vermeiden.

Förderprojekte ziehen sich zurück

Mehrere Gewinner der ersten Wasserstoff-Bank-Auktionen haben ihre Fördermittel zurückgezogen. Insgesamt lehnten drei Großprojekte mit einer Gesamtkapazität von über einem Gigawatt die Gelder aus den EU-Auktionen ab:
  1. Das spanische Unternehmen Benbros Energy zog sein 60-Megawatt-Projekt zurück. Damit verzichtet das Unternehmen auf etwa 100 Millionen Euro Förderung. Der Rückzug erfolgte vor der geplanten Vertragsunterzeichnung im Oktober 2024.
  2. Auch das Unternehmen Deutsche Regas hat bekanntgegeben, die zugesagten 112 Millionen Euro Förderung für ein Elektrolyseurprojekt nicht in Anspruch zu nehmen. Grund dafür seien die Unsicherheiten bei der Umsetzung der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) in deutsches Recht, was laut Unternehmensangaben eine zu große Rechtsunsicherheit für einen Förderabruf verursache.
  3. Außerdem verzichtet auch das größte geförderte Projekt von Vattenfall und Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) auf seine Förderung in Höhe von 246 Millionen Euro. Das ursprünglich auf ein Gigawatt ausgelegte Zeevonk-Wasserstoffprojekt in den Niederlanden wurde auf 500 Megawatt halbiert und verzögert sich. Die Verzögerung der Dutch Regional Cluster (DRC) Pipeline bis 2032 mache das Projekt wirtschaftlich nicht mehr realisierbar.

Die Ausfälle verdeutlichen die Herausforderungen bei der Realisierung von Wasserstoff-Großprojekten. Verzögerungen bei der Infrastruktur, veränderte Marktbedingungen und Finanzierungsschwierigkeiten führen dazu, dass nicht alle geförderten Projekte tatsächlich umgesetzt werden. Die Europäische Kommission plant, die freigewordenen Mittel an Reserveprojekte und künftige Ausschreibungen umzuleiten.

(Quelle: Hydrogen Europe/ European Commission/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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