Die deutsche Ziegel-Industrie zählt zu den energieintensiven Branchen: Derzeit wird überwiegend Erdgas eingesetzt, wodurch jährlich rund 1,74 Millionen Tonnen CO₂ entstehen. Janinhoff zeigt, wie der Wandel zu einer klimaneutralen Produktion möglich ist. Bereits 2024 hat das Unternehmen einen Klimaschutzvertrag der Bundesregierung unterzeichnet – mit dem Ziel, die Emissionen bis 2030 um mindestens 60 Prozent und bis 2042 um 90 Prozent zu senken.
Beim Vor-Ort-Termin am 6. November informierten sich Staatssekretärin Silke Krebs und NRW.Energy4Climate-Geschäftsführerin Dr. Katharina Schubert über den Fortschritt des Projekts und die nächsten Schritte.
Umbau der Produktionsanlage erfolgt bei laufendem Betrieb
Silke Krebs, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, betont: „Die Landesregierung arbeitet jeden Tag daran, dass Nordrhein-Westfalen eine widerstandsfähige, zukunftssichere und schließlich klimaneutrale Industrieregion wird. Die Umstellung auf Wasserstoff in der Industrie stärkt Versorgungssicherheit und Resilienz und steht zugleich für Modernisierung und Klimaschutz. Das Ziegel- und Klinkerwerk Janinhoff GmbH & Co. KG aus Münster geht hier mutig voran und setzt Maßstäbe für eine sichere und klimafreundliche Produktion. Als Vorbild leistet es damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und zur Transformation der Industrie in NRW.“
Der Umbau der Produktionsanlage erfolgt bei laufendem Betrieb – ein technisches und organisatorisches Meisterstück. Der Ofen wird verlängert, Effizienzmaßnahmen umgesetzt und die Anbindung an künftige Wasserstoffpipelines vorbereitet. Das Land Nordrhein-Westfalen und NRW.Energy4Climate begleiten das Projekt als wichtige Partner.
Produktion von Ziegel ein positives Beispiel
Auch bei Janinhoff selbst ist der Wandel längst zur Unternehmensphilosophie geworden. Die Familie und Belegschaft stehen geschlossen hinter dem Projekt.
Dr. Caroline Foyer-Clitheroe, Geschäftsführerin der Janinhoff Klinkermanufaktur, erläutert: „Wir haben uns schon früh gefragt, wie eine Ziegelproduktion aussehen kann, wenn wir die Klimaveränderungen ernst nehmen. Unser Umstieg auf grünen Wasserstoff ist dabei kein symbolischer Akt, sondern ein tiefgreifender Wandel für unser gesamtes Unternehmen. Durch den Klimaschutzvertrag und den Ausgleich der Differenzkosten zwischen Erdgas und Wasserstoff, wird es uns zukünftig möglich sein, unser Unternehmen nachhaltig aufzustellen und ein nachhaltiges Fassadenprodukt herzustellen, das sich nicht nur durch seine unstrittige Langlebigkeit auszeichnet, sondern dann auch nahezu CO2 frei hergestellt werden kann. Das ist unser Ziel – das, was uns antreibt. Allerdings braucht es dafür auch viel Mut, denn das unternehmerische Risiko ist nicht zu unterschätzen, insbesondere weil die gesamten Infrastrukturkosten bei uns liegen.“
Die Bedeutung solcher Projekte geht weit über die Ziegelproduktion hinaus. Rund zwei Drittel des Endenergieverbrauchs der deutschen Industrie entfallen auf Wärmeprozesse wie Brennen, Schmelzen oder Schmieden. Diese künftig ohne fossile Energieträger zu gestalten, ist ein entscheidender Hebel auf dem Weg zur Klimaneutralität.
Neben grünem Wasserstoff spielen auch Elektrifizierung und hybride Lösungen eine zentrale Rolle. Durch den Einsatz von erneuerbaren Energien – etwa aus Windkraft oder Photovoltaik – können Unternehmen ihre Prozesse flexibler, widerstandsfähiger und klimafreundlicher gestalten.







