Grüner Wasserstoff dürfte auch mittelfristig ein teurer Energieträger bleiben. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Preisstudie, die die regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft WiN Emscher-Lippe GmbH Mitte Juli vorgelegt hat. Das Ergebnis:Die von DMT Energy Engineers durchgeführte Untersuchung prognostiziert für 2032 Preise zwischen 4,8 und 13,2 Euro pro Kilogramm – je nach Herkunft und Transportweg.
„Die Emscher-Lippe Region verfügt über eine vielfältige Wirtschaftsstruktur mit zahlreichen KMU, in der technologische Fortschritte und eine leistungsfähige Infrastruktur die Produktionskosten für grünen Wasserstoff senken könnten“, erklärte Marlene Becker, Projektleiterin bei DMT Energy Engineers. Dennoch blieben die Gesamtkosten hoch.
Lokale Produktion kostet mehr als erhofft
Beispielsweise kostet der Wasserstoff einer 10-MW-Elektrolyse im Emscher-Lippe-Raum 2032 6,1 bis 7,6 Euro pro Kilogramm. Erst bei größeren Anlagen wie einer 100-MW-alkalischen Elektrolyse sinken die Kosten auf 4,8 bis 6,3 Euro pro Kilo. Das liegt immer noch deutlich über den Preisen von fossilem Wasserstoff mit derzeit 3,2 bis 5,7 Euro.

Blick über die Schulter des Publikums während der Vorstellung der Studienergebnisse Ende Juli (Quelle: Pia Aleithe/WiN Emscher-Lippe GmbH)
Die Studie analysiert sieben verschiedene Versorgungspfade – von lokaler Elektrolyse über Pipeline-Importe aus Nordafrika bis zu Ammoniak-Transporten per Seeschiff. Ammoniak-Importe über deutsche Seehäfen erweisen sich dabei mit bis zu 13,2 Euro pro Kilogramm als die teuerste Option.
Ein Kostentreiber sind die Netzentgelte für das geplante Wasserstoffkernnetz: Je nach Auslastung variieren sie zwischen 0,11 Euro/Kilogramm bei optimaler Nutzung und 1,67 Euro pro Kilogramm bei geringer Auslastung. Hinzu kommen lokale Transportkosten von durchschnittlich 0,75 Euro pro Kilo sowie Speicher- und Vertriebskosten.
Unternehmen warten ab, Bedarfe steigen
Eine parallel in der Emscher-Lippe-Region durchgeführte Unternehmensumfrage zeigte eine Diskrepanz zwischen Planung und Wahrscheinlichkeit. Firmen erwarten demnach grünen Wasserstoff zwischen 4,6 und 9,0 Euro pro Kilo. Laut den Studienergebnissen dürften viele Versorgungspfade jedoch deutlich darüber liegen werden.
„Die Unsicherheit über künftige Wasserstoffpreise ist ein reales Hemmnis für Investitionen und Projektentscheidungen“, bestätigt Dr. Babette Nieder, Geschäftsführerin der WiN Emscher-Lippe GmbH. Besonders Unternehmen der chemischen Industrie und KMU benötigten verlässliche Planungssicherheit, die angesichts der Preisrealität jedoch schwer zu geben ist.
Die Kostensituation verschärft sich durch den massiven Bedarfsanstieg: Bis 2032 erwartet die Region einen Wasserstoffbedarf von 200.000 Tonnen jährlich – das Fünfeinhalbfache des heutigen Verbrauchs. Da die geplante regionale Erzeugung nur 83.000 Tonnen erreichen wird, müssen 60 Prozent über teure Importe gedeckt werden.
Die vollständigen Studienergebnisse wurden auf der Website der H2EL Wasserstoffkoordination veröffentlicht.







