EU-Länder könnten deutschen H2-Bedarf sichern: EWI analysiert Importregionen

Eine aktuelle Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln gGmbH (EWI) untersucht die deutschen Handelspartner für den Import von grünem Wasserstoff und Ammoniak. Im Fokus steht der Vergleich der Produktions- und Transportkosten mit dem EWI Future Energy Score (EFES), der die länderspezifischen Faktoren der H2-Produktion abbildet. Die Untersuchung zeigt unter anderem, dass Importe aus EU-Ländern einen hohen Score bei vergleichsweise niedrigen Lieferkosten aufweisen.

von | 27.05.26

Die Analyse zum Import von grünem Wasserstoff und Ammoniak wurde im April 2026 veröffentlicht.
© Adobe Stock / sornram
EU-Länder könnten deutschen H2-Bedarf sichern EWI analysiert Importländer

Im Rahmen der Analyse „Supply Security of Green Hydrogen and Ammonia Imports to Germany“ bewertet das EWI den Import von grünem Wasserstoff und Ammoniak aus ausgewählten Ländern weltweit, mit denen Deutschland bereits Wasserstoff-Partnerschaften unterhält. Die Untersuchung sei mit finanzieller Unterstützung durch die „Förderinitiative Wasserstoff und Moleküle“ erfolgt. Die Initiative gehört der Gesellschaft zur Förderung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln e.V. an.

EFES im Mittelpunkt der Untersuchung

In der Analyse werden die Produktions- und Transportkosten für Wasserstoff und Ammoniak im Jahr 2030 basierend auf dem EWI Global PtX Cost Tool mit dem EFES der Länder verglichen. Der EFES ist ein länderspezifischer Score, der auf Grundlage der vier Subindikatoren Wirtschaft, Politik, Soziales und Energie berechnet wird. Ein höherer Score bedeutet bessere Voraussetzungen des entsprechenden Landes für Investitionen und daraus resultierende Wasserstoffexporte.

Während die Beschaffungskosten die wirtschaftliche Effizienz bestimmen würden, sei laut EWI die politische, soziale und wirtschaftliche Stabilität des Exportlandes entscheidend für die Versorgungssicherheit.

Wasserstoff: Spanien und Finnland als Importpartner

Zwar könne die heimische Wasserstoffproduktion eine Option zur Deckung deutscher Bedarfe sein, da sie einen hohen Score mit niedrigen Kosten verbinde. Ihr Potenzial sei jedoch begrenzt: So sieht die Nationale Wasserstoffstrategie einen Importanteil von bis zu 70 Prozent im Jahr 2030 vor.

Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass Importe aus EU-Staaten wie Spanien und Finnland mit vergleichsweise niedrigen Kosten sowie einem hohen Score verknüpft seien. Dennoch bleibe ihr Versorgungspotenzial für Deutschland begrenzt, da ein Teil ihrer Produktion voraussichtlich zur Deckung der dortigen Nachfrage benötigt werde. Importe aus Marokko oder der Türkei könnten teilweise kostengünstiger sein, jedoch aufgrund eines niedrigeren Scores mehr Risiken bei den Importen bergen.

Weite Transportwege bei Ammoniak möglich

Die Importkosten von Ammoniak hingegen würden stärker von den Produktionskosten beeinflusst werden. Denn: Die spezifischen Transportkosten seien geringer als bei Wasserstoff. Damit könnten bei guten Produktionspotenzialen auch lange Transportwege in Kauf genommen werden. Länder wie Australien und Kanada könnten somit Importoptionen werden.

Allerdings sei bei grünem Ammoniak die Entstehung eines weltweiten Marktes möglich. Dadurch könnte Deutschland im internationalen Wettbewerb um Ammoniakimporte stehen.

Fazit

Dr.-Ing. Ann-Kathrin Klaas, Head of Research Area am EWI, hat die Analyse gemeinsam mit Kolleginnen durchgeführt. Sie kommt zu dem Schluss, dass Deutschland seinen Bedarf zum Start des Markthochlaufs durch preiswerten Wasserstoff aus der heimischen Produktion oder durch Importe aus Ländern mit hohem Score decken könne.

Wächst der Bedarf an, würden diese Produktionspotenziale jedoch nicht ausreichen. Dann könne es laut Klaas sinnvoll sein, im Sinne der Versorgungssicherheit erhöhte Importkosten auf sich zu nehmen.

 

(Quelle: Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln gGmbH (EWI)/2026)

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