Der Lehrstuhl „Production Engineering of E-Mobility Components“ (PEM) der RWTH Aachen hat im Januar 2026 das Forschungsprojekt „SeLv“ nach mehr als fünf Jahren abgeschlossen. Die Abkürzung „SeLv“ steht für „Schwere Lastkraftwagen für die emissionsfreie Logistik im Schwerlastverkehr mittels Elektrifizierungsbaukasten und wirtschaftlichem Produktionssystem“. Zum Projektende präsentierte das Forschungsteam einen dritten Prototypen-Lkw sowie den zweiten mit offizieller Straßenzulassung.
Das Vorhaben wurde im Rahmen der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung mit insgesamt knapp 17 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr gefördert. Ziel war die Entwicklung eines adaptierbaren, modularen Antriebsstrang-Baukastens für schwere Nutzfahrzeuge.
Komponentenverfügbarkeit als Hürde
„Eine große Hürde während der Entwicklung bestand darin, dass sich viele Komponenten zur Elektrifizierung in der Klasse der schweren Nutzfahrzeuge erst im prototypischen Stadium befanden und deshalb nicht auf dem Markt verfügbar waren“, erklärt der PEM-Mitarbeiter Michael Betz.
Auf Grundlage dessen hat das Forschungsteam Technologien entwickelt, mit denen sich die System- und Entwicklungskomplexität innerhalb des Fahrzeug-Sektors reduzieren lassen sollen.
Brennstoffzelle und Hochvolt-Antriebsbatterie
Das Konzept kombiniere eine wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle mit einer Hochvolt-Antriebsbatterie. Das modulare System soll sowohl die Umrüstung bestehender Diesel-Lkw auf Elektro-Trucks ermöglichen. Zudem soll es bei Erstausrüstern, Fahrzeug-Umrüstern und dem Baumaschinen-Sektor eingesetzt werden.
Nach Angaben des PEM-Leiters Prof. Dr.-Ing. Achim Kampker können Interessenten in den „SeLv“-Lkw verschiedene Batterie-, Wasserstoff- und Thermomanagement-Technologien oder Software-Applikationen integrieren.
Spitzenleistung von 640 PS
Je nach Dimensionierung der Wasserstofftanks erreiche der Elektro-Lkw eine Reichweite von 750 bis mehr als 1.000 Kilometer. Die Spitzenleistung liege bei knapp 640 PS, die Dauerleistung bei rund 544 PS.
Ein integriertes Navigationssystem berechne Routen auf Basis der vorhandenen Wasserstoff- und Batterielade-Infrastruktur. Ein Energiemanagement sorge außerdem für eine gemäß dem Fahrprofil verteilte Batterie- und Brennstoffzellenleistung.








