Fraunhofer ISI entwickelt Wasserstoffstrategie für Lingen

Das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) hat eine Wasserstoffstrategie für Lingen im Emsland entwickelt und empfiehlt der Stadt konkrete Schritte zum Ausbau der Wasserstoffwirtschaft. Dafür hat das Institut die Studie „H2 Innovate: Strategien für die lokale Verankerung von Wasserstoffanwendungen” herausgebracht. Diese basiert auf Datenanalysen und Interviews mit regionalen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

von | 22.09.25

Lingen gilt als die H₂-Hauptstadt Deutschlands
© Denis Sandmann- stock.adobe.com
Fraunhofer ISI entwickelt Wasserstoffstrategie für Lingen
Mit dem Bau von Elektrolyseuren durch das RWE-Gaskraftwerk Emsland und das Energieunternehmen BP hat die Stadt Lingen in den vergangenen Jahren die Grundlage für die industrielle Herstellung von grünem Wasserstoff geschaffen. Die geplante Anbindung an das Strom- und Wasserstoffkernnetz trägt dazu bei, dass Unternehmen schon jetzt grünen Strom und Wasserstoff in der Stadt erzeugen, speichern und weiterverteilen.

Darüber hinaus gibt es das Netzwerk „H2-Region Emsland”, das die Wasserstoffaktivitäten in der Region bündelt. Bislang fehlte jedoch eine regionale Zukunftsstrategie, um Maßnahmen gezielt planen und fördern zu können. Die nun veröffentlichte Studie der Leipziger Forschenden des Fraunhofer ISI soll den Akteuren vor Ort Handlungsempfehlungen für die kommenden Jahre geben.

Die Forschenden schlagen vier Maßnahmen vor, um Lingen im Wasserstoffmarkt zu positionieren:

  1. Die H₂Factory Lingen soll als regionales Testzentrum dienen. Unternehmen können dort ihre Wasserstofftechnologien von der Produktion über die Speicherung bis zur Anwendung unter realen Bedingungen testen.
  2. Bestehende Wirtschaftsnetzwerke sollen gezielt auf den Wasserstoffmarkt ausgerichtet werden. Austauschforen und themenspezifische Unternehmerfrühstücke können regionale Synergien fördern und Partnerschaften anstoßen.
  3. Die Start-up-Förderung im Wasserstoffbereich soll gestärkt werden. Eine Machbarkeitsstudie soll den Bedarf für ein regionales Accelerator-Programm untersuchen. Vorhandene Gründungsstrukturen, Co-Working-Spaces und Inkubatoren können gezielt weiterentwickelt werden.
  4. Errichtung eines Wasserstoffcampus an der Hochschule Osnabrück. Die Studienangebote, Labore und Promotionsprogramme sollen zum regionalen Innovationssystem beitragen und könnten unterstützende Forschungs- und Entwicklungsarbeit leisten.

Elektrolyse-Abwärme und wasserstoffbasierte Antriebstechnologien nutzen

Bei der Elektrolyse entsteht Abwärme, die zur regionalen Wärmeversorgung genutzt werden könnte, erklärt Ann-Kathrin Dieterle, Wissenschaftlerin in der Abteilung Regionale Transformation und Innovationspolitik am Fraunhofer ISI in Leipzig und Hauptautorin der Studie. Perspektivisch könne auch die Rückverstromung durch wasserstofffähige Gasturbinen einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten und diese gerade bei Dunkelflauten erhöhen.

RWE plant gemeinsam mit dem japanischen Unternehmen Kawasaki den Einsatz solcher Anlagen am Gaskraftwerk Emsland. Die Turbinen sollen bei geringer Solar- und Windstromproduktion einspringen. Zusätzlich sollen digitale Lösungen vom IT-Campus Lingen & KI Park e. V. diese Entwicklungen ergänzen, erklärt Dieterle. So könne sich der Standort als Vorreiter smarter Energiesysteme positionieren.

Unternehmen wie Krone, Bücker & Essing und BP forschen bereits zu alternativen Antrieben und synthetischen Kraftstoffen. Der Fokus liegt auf Großfahrzeugen, von Schiffen über LKW bis zu Landmaschinen. Das Forschungsteam empfiehlt, dieses Thema durch Kooperationen mit der Hochschule Osnabrück auszubauen. Die Region bringt Kompetenzen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette mit. Diese Kompetenzen müssen strategisch verknüpft und die Rahmenbedingungen für Innovationsprojekte geschaffen werden.

Wasserstoffcampus geplant

Ein Wasserstoffcampus an der Hochschule Osnabrück – Campus Lingen soll das regionale Innovationssystem stärken. Geplant sind praxisnahe Studienangebote, eine Stiftungsprofessur, Labore und Promotionsprogramme.

Oberbürgermeister Dieter Krone sieht in den Studienergebnissen eine fundierte Grundlage für die strategische Weiterentwicklung. Ziel sei es, Lingen als Standort der Wasserstoffwirtschaft auszubauen. Die Maßnahmen sollen die Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern, Fachkräfte binden und Arbeitsplätze schaffen.

Die Stadt will die Rahmenbedingungen für ansässige Unternehmen verbessern und neue Investitionen anstoßen. Gleichzeitig soll sich die Region als Standort für neue Akteure der Wasserstoffwirtschaft positionieren. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Lingen hat die Studie beauftragt und öffentlich zugänglich gemacht.

 

(Quelle: Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI/2025)

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