Fraunhofer UMSICHT gewinnt Wasserstoff aus methanolhaltigem Abwasser

Das Fraunhofer UMSICHT untersucht Wasserquellen für die regionale Produktion von grünem Wasserstoff. Durch die in vielen Regionen kritische Wassersituation birgt das Thema großes Konfliktpotenzial. Als alternative Quelle hat das Institut die Methanolproduktion identifiziert.

von | 22.09.23

2020 wurden 110 Mio. t Methanol produziert - das hierbei gewonnene Abwasser kann auch für die Wasserstoffproduktion verwendet werden
© peterschreiber.media - stock.adobe.com
Abwasser

22. September 2023 | Das Fraunhofer UMSICHT untersucht Wasserquellen für die regionale Produktion von grünem Wasserstoff. Durch die in vielen Regionen kritische Wassersituation birgt das Thema großes Konfliktpotenzial. Als alternative Quelle hat das Institut die Methanolproduktion identifiziert.

Für die Herstellung von Wasserstoff sind erhebliche Mengen an Wasser erforderlich. Gerade in Zeiten des Klimawandels und immer längerer Trockenphasen kann die Wasserversorgung aber zum Konfliktthema werden. Hier setzen Forschende des Fraunhofer UMSICHT mit dem Projekt „WHy“ (Wastewater to Hydrogen – Methanol) an. Laut einer aktuellen Pressemitteilung untersuchen sie hier die nachhaltige Bereitstellung von Wasser zur Wasserstoffherstellung.

Im Verbundprojekt Carbon2Chem® entwickeln die Forschenden mit Partnern aus Industrie und Wirtschaft ein Verfahren zur Umwandlung von Hüttengasen aus der Stahlproduktion zu Basischemikalien. Eine davon ist Methanol, das unter Verwendung von CO2 aus Hüttengas und Wasserstoff synthetisiert wird.

Die weltweit produzierte Menge lag laut einer Studie aus dem Jahre 2020 bei 110 Mio. t. Bei der Aufbereitung des durch die Synthese gewonnenen Methanols bleibt Abwasser mit Methanolresten im Sumpf der Destillation zurück.

Methanolhaltiges Abwasser als Wasserquelle

Dieses Abwasser eignet sich nach Überzeugung der Forschenden für die Elektrolyse zur Wasserstoffgewinnung. Der Vorteil: Es steht dabei nicht in Konkurrenz zur Trinkwassergewinnung und Bewässerung. „Zudem kann der gewonnene Wasserstoff für die Methanolproduktion wiederverwendet werden. Wir schließen auf diese Weise den Kreis“, so Dr.-Ing. Ilka Gehrke, Leiterin der Abteilung Umwelt und Ressourcennutzung am Fraunhofer UMSICHT.

Anders als bei der klassischen Wasserelektrolyse wird Wasser bei der sogenannten Methanol-assistierten-Wasserelektrolyse (MAWE) nicht allein zu H₂ und O₂ gespalten. Stattdessen reagieren Wasser und Methanol hier zu CO₂ und H₂. Die theoretische Gesamtzellspannung sei dabei deutlich geringer.

Ilka Gehrke erklrärt: „Das heißt, die MAWE verbraucht potenziell weniger Energie als eine klassische Wasserelektrolyse. Sie ist damit wirtschaftlicher.“  Die ersten Versuchsreihen im Labormaßstab sind laut Fraumhofer UMSICHT erfolgreich verlaufen. Demnach stehe als nächstes die weitere Optimierung der Methanol-assistierten-Wasserelektrolyse samt praktischer Umsetzung an.

(Quelle: Fraunhofer Umsicht/2023)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

„Wir wollen e-Fuels vom teuren Nischenprodukt zu einer wettbewerbsfähigen Lösung entwickeln“
„Wir wollen e-Fuels vom teuren Nischenprodukt zu einer wettbewerbsfähigen Lösung entwickeln“

Seit Jahresbeginn läuft die Berliner Pilotanlage der Spark e-Fuels GmbH zur Herstellung von Synthesegas erfolgreich. Am 9. September öffnete das Start-up sie erstmals für Vertreter aus Politik, Medien und Öffentlichkeit. Im Interview spricht Mitgründerin Dr. Julia Bauer darüber, welche Erkenntnisse das Team bei der Planung und Skalierung der Anlage gewonnen hat, wie die eigene Technologie die Produktionskosten von synthetischen Kraftstoffen (e-Fuels) um rund 40 Prozent senken soll und welche Rolle das Unternehmen in zehn Jahren beim Hochlauf der Kraftstoffe spielen will.

mehr lesen
Wasserstoff ergänzt batterieelektrische Antriebe in Häfen
Wasserstoff ergänzt batterieelektrische Antriebe in Häfen

Seit September 2025 testen die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und Konecranes am Container Terminal Tollerort einen wasserstoffbetriebenen Straddle Carrier im laufenden Terminalbetrieb. Anlass für den Einsatz sind Reichweiten- und Netzgrenzen, an die batterieelektrische Umschlaggeräte in Teilen des Hafenbetriebs stoßen. Nun hat der Testlauf erste positive Ergebnisse geliefert.

mehr lesen
Neue Tankstelle versorgt Wasserstoff-Lkw-Flotte im Hafen Rotterdam
Neue Tankstelle versorgt Wasserstoff-Lkw-Flotte im Hafen Rotterdam

Air Products hat im Hafen von Rotterdam eine Wasserstofftankstelle in Betrieb genommen. Über sie werden wasserstoffbetriebene Lkw von Schenk Tanktransport versorgt, die Kunden mit Industriegasen beliefern. Die Lösung soll Unternehmen helfen, transportbedingte Emissionen bei der Auslieferung von Industriegasen zu senken. Zusätzlichen Schub erhält der Umstieg durch die niederländische Lkw-Maut Vrachtwagenheffing, die seit dem 1. Juli emissionsfreie Transporte begünstigt.

mehr lesen

H2 Talk

„Wir wollen e-Fuels vom teuren Nischenprodukt zu einer wettbewerbsfähigen Lösung entwickeln“
„Der Mittelstand ist das Kraftwerk unserer Wirtschaft"
„Versorgungssicherheit und Klimaschutz sind keine Gegensätze“

Publikationen

Power-to-Gas

Power-to-Gas

Erscheinungsjahr: 2020

Das Fachbuch fasst aktuelles Wissen zu Power-to-Gas zusammen und bereitet es für Ingenieure der Energie- und Gasversorgung auf. Es wird die gesamte Wertschöpfungskette vom bereitgestellten Strom über die Erzeugung von Wasserstoff und die Integration ...

Zum Produkt

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Autor: Raphael Niepelt, Rolf Brendel

Grüner Wasserstoff ist ein Schlüsselelement für die Transformation und Defossilierung des Energiesystems. Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie hat sich die Politik klar zu grünem Wasserstoff bekannt, wobei der Bedarf vor allem über Importe aus ...

Zum Produkt