Österreich baut neues Forschungslabor für Flüssigwasserstoff auf

Das Hydrogen Center Austria (HyCentA) hat den Bau eines neuen Labors für Flüssigwasserstoff in Enns bekanntgegeben. Rund 6,6 Millionen Euro sind in die Infrastruktur geflossen, der überwiegende Teil davon stammt aus der Bundesförderung. Ab dem ersten Quartal 2027 sollen dort Materialien, Komponenten und Systeme für Industrie, Luftfahrt, Raumfahrt sowie den Straßen-, Schienen- und Schiffsverkehr unter realitätsnahen Bedingungen getestet werden.

von | 16.09.26

Am künftigen Standort in Enns stellten Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik und Forschungsförderung das neue Labor für Flüssigwasserstoff vor.
© Hycenta Research GmbH
Österreich baut neues Forschungslabor für Flüssigwasserstoff auf

HyCentA errichtet am neuen Standort in Enns eine Forschungs- und Testinfrastruktur für Flüssigwasserstoff und kryogene Technologien. Das Liquid Hydrogen Lab (LHL) soll im ersten Quartal 2027 in Betrieb gehen. Baubescheid und Betriebsanlagengenehmigung liegen bereits vor.

Mit dem Projekt baut HyCentA seine bestehenden Forschungs-, Entwicklungs- und Prüfkompetenzen aus. Die insgesamt rund 6,6 Millionen Euro stammen aus der Bundesförderung: 5 Millionen Euro davon stammen aus dem FFG-Programm „Energieforschung 2024 FTI-Fokusinitiativen“ des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI). Weitere 1,6 Millionen Euro tragen TEST-FUCHS Aerospace Systems GmbH und HyCentA selbst bei.

Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik und Forschungsförderung stellten das Vorhaben bei einem Presseevent am künftigen Standort in Enns vor. Daran nahmen unter anderem Vertreter:innen der TU Graz, der Upper Austrian Research GmbH, des Landes Oberösterreich, der FFG beziehungsweise des BMIMI sowie der HyCentA-Geschäftsführung teil.

Tests bei minus 253 Grad Celsius

Flüssigwasserstoff wird bei Temperaturen von rund minus 253 Grad Celsius gespeichert. Das stellt hohe Anforderungen an Werkstoffe, Komponenten und Gesamtsysteme. Das neue Labor ermöglicht Materialuntersuchungen bei kryogenen Temperaturen sowie Komponenten- und Systemtests, etwa an Speichern, Pumpen, Ventilen, Sensorik, Transfer- und Betankungssystemen sowie wasserstoffbasierten Antriebstechnologien.

Mehrere Testplätze und eine freie Testfläche ermöglichen zudem die Untersuchung größerer Systeme und Komponenten. Herzstück der Infrastruktur ist ein stationärer Flüssigwasserstofftank mit einer Kapazität von rund 4.400 Kilogramm LH₂. Aus ihm lassen sich Massenströme von mehr als 5.000 Kilogramm pro Stunde bereitstellen.

Konditionierbehälter bildet reale Bedingungen ab

Ergänzend steht ein Konditionierbehälter für Versuche bei Drücken bis 36 bar zur Verfügung. Damit lassen sich LH₂-Massenströme und Betriebsbedingungen für maritime Anwendungen, die Luftfahrt und den Straßenverkehr abbilden.

Eine virtuelle Entwicklungsumgebung ergänzt die experimentelle Infrastruktur. Sie umfasst hochauflösende 3D-CFD-Simulationen, Digital Twins und virtuelle Produktentwicklung. Physische Versuche und digitale Methoden lassen sich dadurch eng miteinander verbinden.

Der Standort in Enns erweitert die bestehenden Forschungs-, Entwicklungs- und Prüfkompetenzen von HyCentA in Graz. Das LHL bietet Unternehmen und wissenschaftlichen Partner:innen eine Infrastruktur, in der sie Materialien, Komponenten und komplette Systeme unter industriellen Bedingungen entwickeln, untersuchen und validieren können. Die Verbindung mit den bestehenden Forschungsaktivitäten in Graz schafft zusätzliche Synergien. HyCentA deckt bereits die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette ab: von der Erzeugung von grünem Wasserstoff über Speicherung und Verteilung bis zur Anwendung.

Zum Start sind drei Mitarbeiter:innen am neuen Standort tätig. Erste Forschungsprojekte auf nationaler und europäischer Ebene sind bereits gesichert.

„Durch die Kombination aus experimenteller Testinfrastruktur, Prüfmöglichkeiten für größere Systeme und digitaler Entwicklungsumgebung entsteht mit dem Liquid Hydrogen Lab eine in Europa einzigartige Plattform für Forschung, Entwicklung und industrielle Innovation im Bereich Flüssigwasserstoff. Damit leistet die neue Infrastruktur einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung emissionsfreier Technologien für die Industrie und Mobilität von morgen“, sagte Gisele Amancio, CEO & Business Director von HyCentA.

(Quelle: HyCentA/2026)

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