Grundlage der Studie ist das weiterentwickelte Simulationsmodell HyTrom+. Es kombiniert Geodaten, physikalische Stoffeigenschaften und wirtschaftliche Kennzahlen zu einem durchgängigen Kostenmodell. Das Modell berechnet Pipeline-Routen anhand realer Landnutzungsdaten, Höhendifferenzen, Bevölkerungsdichte und bestehender Infrastruktur. Daraus ermittelt es die kostengünstigste Gesamtstrecke.
HyTrom+ bildet flüssige Derivate wie Methanol, Fischer-Tropsch-Rohöl oder Kerosin im Pipeline-Transport ab. Zusätzlich vergleicht es diese mit dem Transport der gasförmigen Rohstoffe Wasserstoff und CO₂.
Fallstudie vergleicht Kosten für einen Alpenkorridor
Als Fallbeispiel dient die rund 700 Kilometer lange Route von Triest in Italien nach Karlsruhe. Auf dieser Strecke kostet der Transport von gasförmigem Wasserstoff 3,90 Euro pro Megawattstunde in einer umgerüsteten Pipeline und 11,40 Euro in einer neu gebauten Leitung. Flüssige Derivate kommen dagegen auf einen Preis von 0,40 Euro beziehungsweise 1,90 Euro pro Megawattstunde.
Der Alpenkorridor dient in der Studie als Stresstest. Das Argument: Wenn flüssige Derivate selbst in schwierigem Gelände wirtschaftlich transportierbar sind, gilt das für flachere Regionen erst recht. Die Ergebnisse sollen sich auf andere Importachsen übertragen lassen.
„Unser Modell kann belastbare Entscheidungsgrundlagen für Politik und Pipeline-Betreiber schaffen“, sagt Natalia Pieton von Fraunhofer IEG, Erstautorin der Studie. „Es lässt sich nun leichter klären, welche Energieträger und Importwege technisch sinnvoll und wirtschaftlich robust sind.“
Wann lohnt die Umrüstung fossiler Pipelines?
HyTrom+ macht transparent, wann sich die Nachnutzung bestehender Öl- und Gasleitungen für flüssige Energieträger rechnet und wo neue Leitungen wirtschaftlicher sind. Die Wiederverwendung vorhandener Infrastruktur senkt die Investitionskosten deutlich.
Gasförmigen Wasserstoff per Pipeline zu transportieren, ist laut der Studie nur dort sinnvoll, wo er als direkter Rohstoff benötigt wird. In Sektoren wie Raffinerie, Chemie und Schwerverkehr können flüssige Derivate die günstigere Ausgangsbasis der Wertschöpfung bilden. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass damit Wertschöpfung in Länder mit günstigem erneuerbarem Strom ausgelagert werden könnte.
Als nächsten Schritt sehen die Forscher eine umfassende Analyse der Lieferkosten, die sowohl Transport- als auch Produktionskosten einschließt.
Modell entstand in internationaler Zusammenarbeit
Fraunhofer IEG entwickelte HyTrom+ auf Basis des Vorgängermodells HyTrom des Fraunhofer ISI. Beteiligt waren das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die ETH Zürich, die Technische Universität Dänemark (DTU) sowie Fraunhofer CINES. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz förderte die Forschung im Projekt MOHN.
Die Ergebnisse erschienen im Fachmagazin Energy Strategy Reviews.
Zur Studie
(Quelle: Fraunhofer IEG/2026)










