Generic filters
Exact matches only
FS Logoi

Studie: Gemeinsame Strompreiszone fördert Wasserstoffhochlauf im Norden

Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE zeigt: Eine gemeinsame Strompreiszone aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Dänemark-West könnte den Wasserstoffhochlauf beschleunigen. Strommarktsimulationen für das Jahr 2030 würden unter anderem aufzeigen, dass die NordicTwinSeaZone (NTSZ) Anreize für Investitionen in flexible Lasten wie Elektrolyseure setzt.

von | 11.06.26

Die gemeinsame Strompreiszone umfasst Hamburg, Schleswig-Holstein und Dänemark-West.
© Pixabay
Studie Gemeinsame Strompreiszone fördert Wasserstoffhochlauf im Norden

Das Fraunhofer IEE hat die Studie im Auftrag der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH (EKSH) durchgeführt.

Szenarienanalyse zeigt Effekte auf Strompreise und Nachfrage

Im Zentrum der Szenarienanalyse stehen die NTSZ sowie eine zweite Zone für das übrige Deutschland (DE2). Analysiert werden Strompreise, Marktwerte erneuerbarer Energien, Abregelungen sowie die Wirtschaftlichkeit von Elektrolyseuren im Szenariojahr 2030.

Die Ergebnisse zeigen, dass die NTSZ zu niedrigeren Strompreisen in der Nordregion führt und gleichzeitig Signale für zusätzliche flexible Nachfrage setzt. Ohne zusätzliche Elektrolysekapazitäten würden zwar die Preise sinken, gleichzeitig gingen jedoch die Marktwerte von Wind- und PV-Anlagen zurück. Damit entstehe ein wirtschaftlicher Anreiz für neue flexible Verbraucher vor Ort.

Felix Frischmuth, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IEE, erklärte: „Wer erneuerbaren Strom dort nutzt, wo er entsteht, reduziert Abregelung, stabilisiert den Markt und erhöht die Versorgungssicherheit – genau hier setzt die NordicTwinSeaZone an.“

3-GW-Elektrolyse-Ausbau zeigt deutliche Effekte

Besonders ausgeprägt seien die Vorteile laut Studie bei zusätzlichem Ausbau von Elektrolysekapazitäten in der Nordzone. Bei einem Zubau von rund 3 GW sinke die Abregelung erneuerbarer Energien, negative Strompreise gingen um rund ein Drittel zurück und die Marktwerte von Wind- und Photovoltaik-Strom stiegen um mehrere zehn Prozent. Zugleich würden sich die Strompreisniveaus und Marktwerte von Wind- und PV zwischen der NTSZ und dem restlichen Deutschland mit zunehmender Elektrolysekapazität annähern.

Elektrolyseure würden dabei von verbesserten Betriebsbedingungen profitieren, insbesondere wenn sie – im Einklang mit den Anforderungen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) – flexibel auf Preissignale reagieren könnten. Eine kostenoptimierte Fahrweise der Elektrolyseure, etwa mit einer Preisobergrenze von 60 Euro pro Megawattstunde beim Strombezug, reduziere dabei die Nutzung teurer Stunden und trage gleichzeitig zur Stabilisierung des Strommarktes bei.

Grüner Wasserstoff zu planbaren Kosten produzierbar

Ein zentrales Ergebnis ist die verbesserte Wirtschaftlichkeit der Wasserstoffproduktion in der NTSZ. Durch die Erfüllung des 90-Prozent-Kriteriums der RED III könnten Elektrolyseure dort wettbewerbsfähig betrieben werden und hohe Volllaststunden erreichen. Das ermögliche die Produktion von grünem Wasserstoff zu planbaren Kosten und unterstütze den Aufbau des deutschen und europäischen Wasserstoffmarktes.

Darüber hinaus leiste die regionale Kopplung von erneuerbarer Stromerzeugung und Wasserstoffnachfrage einen Beitrag zur Systemstabilität und zur Reduktion von Redispatch-Maßnahmen. Gleichzeitig stärke sie die deutsche und europäische Energiesouveränität, indem Importabhängigkeiten von Energieträgeren reduziert und regionale Wertschöpfungsketten aufgebaut würden.

Die Ergebnisse der Studie sollen als Grundlage für die Diskussion künftig differenzierter Strompreiszonenzuschnitte dienen.

 

(Quelle: Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE/2026)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

Lhyfe baut Produktion, Logistik und Kundennetz für grünen Wasserstoff aus
Lhyfe baut Produktion, Logistik und Kundennetz für grünen Wasserstoff aus

Das französische Unternehmen Lhyfe erweitert seine Position im europäischen Wasserstoffmarkt auf mehreren Ebenen. Der Wasserstoffproduzent hat mit dem Industriegasekonzern Messer einen zehnjährigen Liefervertrag abgeschlossen. Außerdem beteiligt sich das deutsche Unternehmen mit 30 Prozent an vier Wasserstoffproduktionsstandorten in Frankreich und Deutschland. Darüber hinaus versorgt Lhyfe aktuell eine mobile Wasserstofftankstelle, die sechs Brennstoffzellenbusse der Weser-Ems-Bus betankt. So können die H₂-Busse betrieben werden, bis die für 2026 geplante stationäre Wasserstofftankstelle in Betrieb genommen wird. Parallel dazu wächst die Transportflotte des französischen Unternehmens auf 84 Wasserstoffcontainer.

mehr lesen
Münsterland: Querung des Dortmund-Ems-Kanals ebnet Weg für Kernnetz-Anbindung
Münsterland: Querung des Dortmund-Ems-Kanals ebnet Weg für Kernnetz-Anbindung

Thyssengas stellt für eine Wasserstoff-Pipeline im Münsterland eine 2009 unterbrochene Kanalquerung unter dem Dortmund-Ems-Kanal wieder her. Bei einer Baustellenbesichtigung haben sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft am 16. Juli über den Fortschritt der Arbeiten informiert. Insgesamt rüstet der Netzbetreiber eine 45 Kilometer lange ehemalige Mineralölleitung auf den Transport von Wasserstoff um.

mehr lesen

H2 Talk

„Wenn ein Wasserstoffbedarf besteht, ergibt sich der Rest von selbst“
„Gewünscht sind sichere, zuverlässige und unkomplizierte Lösungen“
„Wir sehen eine klare Entwicklung hin zu modularen, skalierbaren Wasserstoffsystemen“

Publikationen

Netzmeister 2023

Netzmeister 2023

Erscheinungsjahr: 2023

Für die Instandhaltung der Gas-, Wasser- und Fernwärmerohrnetze, die den mit Abstand größten Teil des Anlagevermögens von Versorgungsunternehmen ausmachen, trägt der Netzmeister die Verantwortung. Um den täglichen Anforderungen gerecht werden zu ...

Zum Produkt

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 2: Gebäude- und Messtechnik

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 2: Gebäude- und Messtechnik

Erscheinungsjahr: 2022

Das Buchreihe „Wasserstoff in der Praxis“ vermittelt Praktikern wichtige Informationen über den Stand der Technik und zukünftige Entwicklungen. Im 2. Band stehen die Themen „Gebäudetechnik“ und „Messtechnik“ im Fokus. Das ...

Zum Produkt

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 1: Infrastruktur

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 1: Infrastruktur

Erscheinungsjahr: 2021

Das Buchreihe „Wasserstoff in der Praxis“ vermittelt Praktikern wichtige Informationen über den Stand der Technik und zukünftige Entwicklungen. Im 1. Band werden die Herausforderungen dargestellt, die Wasserstoff an die Gasinfrastruktur und den ...

Zum Produkt