Die Studie über die Hemmnisse des Wasserstoffhochlaufs wurde von Mitarbeitenden des Competence Center für Energiewende (CC4E) der HAW Hamburg durchgeführt. Sie ist der erste Teil der im Winter 2025 gestarteten NRL-Studienreihe „Energiesystem im Umbruch: Akteur:innen der Transformation im Dialog“.
Die Untersuchung basiert auf den NRL Transformation Labs 2024 in Hamburg. Die zwei Veranstaltungen fokussierten sich auf Erzeugung und industrielle Nutzung von grünem Wasserstoff. Im Rahmen der Events diskutierten die Teilnehmenden die Treiber und Hemmnisse für Sektorenkopplungstechnologien. Weitere Studien zu industrieller Abwärme, kommunaler Wärmeplanung, Wasserstoff in der Straßenmobilität und gesellschaftlicher Teilhabe sollen folgen.
Regulatorik und Wirtschaftlichkeit als Haupthemmnisse
Die Stakeholder kritisieren unklare Vorgaben bei der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien (RED II und RED III). Diese regulatorischen Hürden blockieren Investitionsentscheidungen. Fehlende Geschäftsmodelle und mangelnde Wirtschaftlichkeit verstärken das Problem. Die Wirtschaftlichkeit lässt sich nicht erreichen, da Planbarkeit und gesicherte Verfügbarkeit fehlen.
Die Szenarioanalyse zeigt nur ein wünschenswertes Szenario für einen erfolgreichen Markthochlauf. Alle anderen Entwicklungspfade führen nicht zum Ziel, heißt es laut der Studie. „Die Energiewende ist mehr als eine technologische Transformation“, sagt Prof. Dr. Simon Güntner, wissenschaftlicher Leiter der Studie. Die Perspektiven unterschiedlicher Akteure müssten frühzeitig in Transformationsprozesse einfließen.
Henne-Ei-Problem bei Infrastruktur und Investitionen
Der Ausbau der Infrastruktur und unternehmerische Aktivitäten stehen vor einem Henne-Ei-Problem: Die Unternehmen investieren nicht ohne eine gesicherte Infrastruktur und die Infrastruktur wird ohne konkrete Nachfrage nicht ausgebaut. Förderungen könnten laut der Untersuchung Abhilfe schaffen, benötigen jedoch verbesserte Förder- und Genehmigungsverfahren. Hinzukommt, dass der wachsende Fachkräftemangel diese Verfahren negativ beeinflusst.
Die Planbarkeit und Verfügbarkeit von Wasserstoff hängen von der Infrastruktur, den Genehmigungsverfahren und der Regulatorik ab. Eine stabile Regulatorik wäre essenziell, doch Nachjustierungen werden durch mangelnde praktische Umsetzung unerlässlich. Die Transformation Labs sollen diesen Hemmniskreislauf greifbar machen und helfen, den Wasserstoffhochlauf als Gesamtsystem mit den voneinander abhängigen Faktoren zu verstehen.
Sechs Handlungsempfehlungen für den Hochlauf
Die Autoren der Studie haben sechs Handlungsempfehlungen formuliert:
- Unsicherheiten durch Förderung reduzieren
- Planungssicherheit und Anpassungsfähigkeit in Balance halten
- Genehmigungen beschleunigen
- Wirtschaftlichkeit absichern
- Infrastruktur ausbaue
- Akzeptanz schaffen
Infrastruktur und Akzeptanz als kritische Faktoren
Unternehmen benötigen stabile regulatorische Vorgaben und planbare Förderinstrumente wie Kreditabsicherungen, Power Purchase Agreements (PPAs) und Carbon Contracts for Difference (CCfD). Dafür müssen die Politik und Verwaltung stabile Rahmenbedingungen schaffen und gleichzeitig regulatorische Hürden abbauen.
Einheitliche Vorgaben, Grundlagenuntersuchungen und ein besserer Wissensaustausch zwischen Behörden könnten die Genehmigungsverfahren beschleunigen. Die Senkung von Betriebskosten durch günstigeren Grünstrom sei dabei ein zentraler Hebel. Viele Stakeholder sehen Übergangsmechanismen wie eine Strompreisbrücke als notwendig an.
Für die Wasserstoffverfügbarkeit spielen Importe und die Verteilbarkeit von regional erzeugtem Wasserstoff eine entscheidende Rolle. Die chemische Industrie ist besonders auf diese Faktoren angewiesen. Importterminals, Speicher und Transportnetze müssen frühzeitig ausgebaut werden. Außerdem ist eine zeitliche Verzahnung mit industriellen Transformationsprozessen erforderlich.
Darüber hinaus ist auch die Akzeptanz der Bevölkerung für den Wasserstoffhochlauf entscheidend. Transparente Kommunikation über notwendige Veränderungen und stärkere Bürger- sowie Kommunalbeteiligung können diesen gesellschaftlichen Rückhalt stärken.
Fazit
Der Markthochlauf kann laut der Studie nur durch ein koordiniertes Zusammenspiel von Regulatorik, Förderung, Infrastruktur und Kommunikation gelingen. Einzelmaßnahmen reichen nicht aus.











