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Studie: Import grüner Vorprodukte soll Deutschland wettbewerbsfähig halten

Hohe Energiekosten in Deutschland bedeuten im internationalen Wettbewerb einen Standortnachteil. In einem neuen Report haben Forschende des Kopernikus-Projekts Ariadne analysiert, wie die energieintensive Grundstoffindustrie in Deutschland klimaneutral werden und dabei wettbewerbsfähig bleiben kann. Ihr Fazit: Der Import von grünen Vorprodukten und ein Fokus auf die hohe Wertschöpfung in der industriellen Weiterverarbeitung. 

von | 19.12.24

Höhere Energiekosten werden Anreize für eine Verlagerung von energieintensiven Produktionsschritten ins Ausland setzen (der sogenannte „Renewables Pull“)
© sornthanashatr - stock.adobe.com

Der neue Report des Kopernikus-Projekts Ariadne zeigt: Der Import von grünen Vorprodukten könnte der Schlüssel zur klimaneutralen Transformation der deutschen Grundstoffindustrie sein. Die Forschenden empfehlen, energieintensive Produktionsschritte ins Ausland zu verlagern und sich auf die Weiterverarbeitung zu konzentrieren.

Hohe Energiekosten gefährden Industriestandort Deutschland

Die wirtschaftliche Stagnation und steigende Energiekosten setzen den Industriestandort Deutschland unter Druck. Der Wegfall des russischen Erdgases verschärft die Situation zusätzlich. Der vom Bundesforschungsministerium geförderte Ariadne-Report untersucht Lösungswege für eine klimaneutrale und wettbewerbsfähige Grundstoffindustrie.

Die Forschenden warnen vor dem Versuch, Wettbewerbsnachteile durch dauerhafte Subventionen auszugleichen. „Ein subventioniertes ‚Weiter so‘ droht in einer Sackgasse zu enden”, sagt Philipp Verpoort vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Der vollständige Ersatz fossiler durch grüne Energieträger in Deutschland sei aufgrund physikalischer und ökonomischer Grenzen unrealistisch.

Neue Strategie: Fokus auf Weiterverarbeitung statt Grundproduktion

Der Report schlägt einen Strategiewechsel vor: Statt Eisenerz könnte die Stahlindustrie künftig grünes Roheisen importieren. Die Chemieindustrie könnte auf den Import von grünem Ammoniak und Methanol setzen. Dann würde lediglich der energieintensivste Schritt ins Ausland verlagert werden.

„Ein Großteil der Wertschöpfung wird zukünftig in der Weiterverarbeitung liegen, was auch zur Sicherung heutiger Arbeitsplätze beiträgt”, erklärt Luisa Sievers vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung.

Die Verlagerung energieintensiver Produktionsschritte ins Ausland würde den deutschen Wasserstoffbedarf reduzieren. Dennoch bleibe Wasserstoff ein wichtiger Energieträger für bestimmte Industriesektoren, sodass der Wasserstoffhochlauf weiterhin gefördert werden müsse. Die Forschenden empfehlen, den anvisierten Hochlauf auf realistische Mengen zu reduzieren und plausible Zielbilder aufzubauen. Sonst erhöhe sich das Risiko, dass der Wasserstoffhochlauf insgesamt scheitert. Da der grüne Energieträger auf absehbare Zeit ein knappes und teures Gut bleibe, seien auch bei steigenden CO₂-Preisen hohe finanzielle Förderungen notwendig. Diese Förderung auf erste große Ankerkunden wie die Stahlproduktion zu fokussieren, helfe dem Hochlauf und den Investitionsentscheidungen in der Industrie.

Die Verfassenden des Ariadne-Reports empfehlen die Entwicklung einer Gesamtstrategie, die sowohl europäisch eingebettet, als auch über verschiedene Politikfelder hinweg koordiniert ist. Die politischen Ziele sollten klar definiert sein, um Konflikte zu begreifen und eine bewusste Entscheidung möglich zu machen. Ein kontrollierter Strukturwandel könnte den Verlust von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung weitgehend verhindern und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie stärken.

Zum vollständigen Ariadne-Report
(Quelle: Ariadne Kopernikus Projekte/ Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH/2024)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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