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Wasserstoff aus Milchpulver: FH Münster nutzt Reststoffe zur H2-Produktion

Im Projekt „SolidScore“ produziert ein Forschungsteam der FH Münster Wasserstoff aus Bio-Abfall. In einem eigens konstruierten Reaktor vergärt so beispielsweise Milchpulver zu „biologischem“ Wasserstoff, Methan und organischen Säuren. Dabei machen sie sich den Prozess der sogenannten dunklen Fermentation zunutze. 

von | 19.03.25

Ein Reaktor mit sechs Abschnitten fermentiert Feststoffe zu Wasserstoff und Methan:
(Foto: FH Münster/Thuy Kieu Duong)
Münster

Laut Meldung der FH Münster vom 17. März nutzt das Team um Prof. Dr. Elmar Brügging, Juliana Rolf, Sören Kamphus und Marion Schomaker den Prozess der dunklen Fermentation, um Feststoffe „insbesondere“ in Wasserstoff umzuwandeln. Die H2-Produktion erfolgt dabei mithilfe spezieller Bakterien, die in Abwesenheit von Sauerstoff und Licht Wasserstoff erzeugen. Die entsprechende Versuchsanlage hat das Team am Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt auf dem Technologie-Campus Steinfurt jüngst in Betrieb genommen. Nach Angaben der Forschenden ist sie „rund um die Uhr“ im EInsatz.

Die ersten Ergebnisse seien vielversprechend: Aus den Milchpulverresten, die die PlanET Biogastechnik GmbH als Projektpartner dem Team zur Verfügung gestellt hat, habe die Anlage bereits  100 Liter Gas gewonnen – darunter 20 Liter Wasserstoff. In den sechs Abschnitten – sogenannten Kompartments – des Reaktors vergärt das Substrat, zwei davon produzieren Wasserstoff, vier weitere Methan. Die organischen Säuren fallen als Nebenprodukte an.

„Gerade testen wir mit Milchpulver, jedoch sind auch Raps-, Futter- und Lebensmittelreste generell denkbar für die Produktion und werden im Rahmen des Projektes ebenfalls getestet“, so Projektingenieurin Rolf. „Voraussetzung für die Stoffe ist, dass sie fest und trocken sein müssen.“

Kombination mit Abwasser-Verwertung denkbar

Die Versuchsanlagen laufen bislang in einem experimentellen Maßstab. Während die FH Münster das Verfahren erforscht, untersucht die Kölner EMCEL GmbH die dabei entstehenden Emissionen. Ein weiterer Projektpartner, die PlanET Biogastechnik GmbH, prüft die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens. Eine weitere Frage istt, inwiefern der Prozess optimiert werden muss, damit Unternehmen damit ihre Produktionsreste wiederverwerten und dabei gleichzeitig Energie gewinnen können.

„In einem anderen Forschungsprojekt konnte eine Molkerei, mit der wir damals zusammengearbeitet haben, durch ihre Abwasserbehandlung sieben Prozent ihres Erdgasverbrauchs einsparen. Das klingt vielleicht nicht nach viel, doch es ist ein signifikanter Schritt, um die Energiewende in einem Unternehmen voranzutreiben“, erklärt Rolf.

Münster

Die sogenannte „Welle“ schiebt das Substrat durch die sechs verschiedenen Reaktoren. Zwei von ihnen bilden Wasserstoff, die übrigen vier bilden Methan. (Foto: FH Münster/Thuy Kieu Duong)

Im 2024 beendeten Vorgängerprojekt „HyTech“ hatte das Team der FH Münster zuvor zuckerhaltige Industrieabwässer zu Wasserstoff und Methan vergoren. Laut den Forschenden wäre es denkbar, nach Abschluss von „SolidScore“ die Fermentation von Abwasser und Feststoffen zu kombinieren. „Dann könnten wir flexibel und insbesondere saisonal reagieren“, so Rolf.

FH Münster „gespannt auf weitere Ergebnisse“

Die dunkle Fermentation allein könne zwar nicht für eine flächendeckende Produktion von biologischem Wasserstoff sorgen, so Projektleiter Brügging. Allerdings sei es sinnvoll, mehrere Methoden zu erforschen und „Das Verfahren verfügt über ein großes Potenzial, jedoch steckt darin auch weiterhin viel Forschungsarbeit. Mit der Inbetriebnahme der Anlage haben wir einen großen Meilenstein im Projekt erreicht. Wir sind gespannt auf die weiteren Ergebnisse.“

SolidScore wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Eine aktuelle Projektbroschüre der FH Münster finden Sie hier.

(Quelle: FH Münster/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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