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„Explosionsschutz ist eine Schlüsseltechnologie für die Wasserstoffwirtschaft“

Pepperl+Fuchs ist seit 80 Jahren im Bereich Explosionsschutz tätig – und damit auch in der Wasserstoffwirtschaft aktiv, ohne dass dies bisher im Fokus stand. Im Gespräch mit H₂News erklärt Vertriebsmitarbeiter Thomas Schnepf, wie das Unternehmen mit Automatisierungslösungen und Explosionsschutz-Komponenten in der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette tätig ist – von der erneuerbaren Stromerzeugung über Elektrolyseure bis zu Tankstellen und Pipelines. Dabei wird deutlich: Das Unternehmen baut keine Wasserstoff-Spezialprodukte, sondern liefert branchenübergreifende Lösungen, die sich nahtlos in H₂-Anwendungen integrieren lassen.

von | 27.03.26

Thomas Schnepf ist seit September 2017 Vertriebsmitarbeiter bei Pepperl+Fuchs
© Pepperl+Fuchs
„Explosionsschutz ist eine Schlüsseltechnologie für die Wasserstoffwirtschaft“

H₂News: Herr Schnepf, Pepperl+Fuchs ist vielen aus der Automatisierungstechnik bekannt. Welche Produkte aus Ihrem Portfolio sind auch für Wasserstoffanwendungen relevant?

Thomas Schnepf: Eine wichtige Rolle spielen unsere Interface-Geräte für explosionsgefährdete Bereiche, beispielsweise die eigensicheren Barrieren. Sie ermöglichen den sicheren Anschluss von Sensoren und Aktoren im Feld. Dabei wird die Energie so begrenzt, dass selbst bei einem Fehler – etwa bei einem Kurzschluss – kein zündfähiger Funke entstehen kann.

H₂News: Ist Wasserstoff ein neues Thema für Sie oder sind Sie schon länger im Wasserstoffbereich aktiv?

Schnepf: Wasserstoff ist für uns kein neues Thema. Durch unsere langjährige Erfahrung im Explosionsschutz arbeiten wir seit vielen Jahren mit Anwendungen, in denen entzündliche Gase, auch Wasserstoff, eine Rolle spielen. Viele unserer Lösungen – etwa Interface-Module, explosionsgeschützte Gehäuse oder Bediengeräte – werden bereits seit langem in entsprechenden Industrien eingesetzt und lassen sich auch in Wasserstoffanlagen nutzen.

H₂News: Wie sieht es bei Anwendungen mit Wasserstoffderivaten wie Ammoniak oder Methanol aus?

Schnepf: Diese Stoffe sind in der chemischen Industrie seit Jahrzehnten etabliert. Entsprechend gibt es dort bewährte Explosionsschutzkonzepte. Unsere Produkte werden in solchen Umgebungen schon lange eingesetzt.

H₂News: Ist die Nachfrage aus der Wasserstoffwirtschaft spürbar angestiegen?

Schnepf: Ja, das ist deutlich spürbar. Neue Anwendungen wie Wasserstofftankstellen, Elektrolyseanlagen oder Analysesysteme führen zu zusätzlicher Nachfrage. Der politische und industrielle Fokus auf grünen Wasserstoff sorgt derzeit weltweit für zahlreiche Projekte.

H₂News: Sie haben 50.000 Produkte im Portfolio. Welche davon sind besonders für Wasserstoffanwendungen wie Elektrolyseure, Brennstoffzellen oder Methanisierungsanlagen geeignet?

Ex-Tablet

Ex-Tablet (© Pepperl+Fuchs)

Schnepf: Unsere Produkte sind grundsätzlich branchenübergreifend ausgelegt. Komponenten, die für explosionsgefährdete Bereiche zugelassen sind, können in vielen Industrien eingesetzt werden – auch in der Wasserstoffwirtschaft. Nehmen Sie unser Ex-Tablet: Sie können damit in der Wasserstoffwelt Befüllungen überwachen, aber genauso in einer Chemieanlage Prüfprotokolle erstellen. Das Tablet ist nicht speziell für Wasserstoff konzipiert, sondern für ein explosionsfähiges Gemisch. Und diesen universellen Einsatz verfolgen wir bei allen unserer Produkte.

H₂News: Also bieten Sie keine wasserstoffspezifischen Produkte an?

Schnepf: Genau. Unser Ansatz ist nicht, spezielle Produkte nur für Wasserstoff zu entwickeln. Vielmehr stellen wir Lösungen bereit, die in allen Anwendungen mit explosionsfähigen Atmosphären eingesetzt werden können. Dadurch bleiben unsere Systeme sehr flexibel.

H₂News: Haben Ihre Produkte direkte Berührungspunkte mit dem Medium selbst?

Schnepf: In der Regel nicht. Unsere Geräte kommen normalerweise nicht direkt mit dem Prozessmedium in Kontakt. Sie befinden sich gewissermaßen eine Ebene neben dem Prozess und sorgen dafür, dass Signale von Feldgeräten sicher erfasst und übertragen werden – künftig bevorzugt über Ethernet APL.

H₂News: Was hat es mit dem Ethernet APL auf sich?

Schnepf: Üblicherweise haben Feldgeräte eine ganz eigene Kommunikationsart, oft das 4-20 mA-Signal. Das heißt, ein Druckgeber zeigt den Druck nicht digital an, sondern gibt ein analoges Signal aus – hoher Druck sind 20 mA, niedriger Druck 4 mA. Dieses Signal läuft über Barrieren in eine Steuerung und wird erst im Leitsystem digitalisiert. Mit dem Ethernet APL-Protokoll nehmen die Feldgeräte bereits die Digitalisierung vor. Unser Ethernet APL-Switch sammelt diese digitalen Signale und gibt sie an das Leitsystem weiter. Das ist die durchgängige Kommunikation – internetbasierend vom Feldgerät über unseren Switch zum Leitsystem. Das wird die Zukunft sein.

H₂News: Die verschiedenen Daten einer Wasserstoffanlage – Drücke, Temperaturen, Durchflussgeschwindigkeiten – werden also vereinheitlicht?

Schnepf: Richtig. Es entsteht eine einheitliche Datensprache. Alle Messwerte werden im gleichen Ethernet-Format übertragen. Unser Switch sammelt diese Signale auf und leitet sie gebündelt ans Leitsystem weiter.

H₂News: Wasserstoff wird ja oft unter sehr hohem Druck gespeichert, teilweise bis 700 bar. Funktioniert das System auch bei solchen Druckstufen?

Schnepf: Das hängt in erster Linie von den eingesetzten Feldgeräten ab. Diese müssen für entsprechende Druckbereiche ausgelegt sein. Unsere Aufgabe besteht darin, die Signale dieser Geräte sicher aufzunehmen und zuverlässig an das Leitsystem weiterzuleiten.

H₂News: Welche Vorteile bieten Ethernet APL-Lösungen konkret?

Schnepf: Der größte Vorteil ist die Geschwindigkeit – die Datenübertragung ist mehrere hundertfach schneller als bei herkömmlichen Systemen. Dadurch erhalte ich viel mehr Informationen aus dem Feld, über den Zustand von Sensoren und Aktoren, und kann vorbeugende Instandhaltung deutlich besser durchführen. Die schnelleren Signale ermöglichen es auch, wesentlich schneller auf Temperatur- oder Druckwechsel zu reagieren. Gegebenenfalls können Betreiber damit ihre Grenzwerte besser ausreizen. Hinzu kommt die durchgängige digitale Kommunikation vom Feldgerät bis zum Leitsystem.

H₂News: Welche weiteren Vorteile gibt es?

Schnepf: Digitale Systeme vereinfachen auch die Integration unterschiedlicher Geräte und Hersteller. Komponenten lassen sich flexibler austauschen und schneller in Betrieb nehmen. Gleichzeitig reduziert sich der Aufwand für Verdrahtung und Fehlersuche.

H₂News: Vereinfacht das auch die Wartung?

Schnepf: Absolut. Durch die zusätzliche Diagnostik können Betreiber viele Zustände ihrer Komponenten direkt über das Leitsystem überwachen. Das erleichtert sowohl die Inbetriebnahme als auch die laufende Instandhaltung.

H₂News: Könnte man sagen, dass Ethernet APL so etwas wie „die Sprache des Wasserstoffhochlaufs“ ist?

Schnepf: Ethernet APL wurde ursprünglich unabhängig vom Wasserstoffthema entwickelt, um die Digitalisierung der Feldebene voranzubringen. Dennoch kann diese Technologie auch für Wasserstoffanlagen ein wichtiger Baustein sein, weil sie eine durchgängige digitale Kommunikation ermöglicht.

H₂News: Konnten Sie die Wasserstofftauglichkeit Ihrer Produkte bereits in Projekten unter Beweis stellen?

Schnepf: Ja. Unsere Lösungen kommen beispielsweise in Wasserstofftankstellen zum Einsatz – etwa in Form von Barrieren oder Explosionsschutz-Gehäusen für Steuerungs- und Schnittstellenkomponenten. Gerade in kompakten Technikräumen solcher Anlagen spielt der Explosionsschutz eine wichtige Rolle.

Schaltschrank

Schaltschrank (© Pepperl+Fuchs)

H₂News: Gibt es ein konkretes Leuchtturmprojekt, das Sie nennen können?

Schnepf: Konkret werden unsere Produkte in einem Infrastrukturprojekt der Wasserstoffwirtschaft eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein neu zu errichtendes sowie umgewidmetes Pipelinenetz in NRW das zukünftig grünen Wasserstoff transportiert.

H₂News: Kommen Ihre Produkte auch in Elektrolyse-Anlagen zum Einsatz?

Schnepf: Das hängt stark vom jeweiligen Anlagenkonzept ab. Durch geeignete Konstruktion, Belüftung und Sicherheitsmaßnahmen kann in vielen Bereichen eine explosionsfähige Atmosphäre vermieden werden. Trotzdem entscheiden sich Betreiber häufig dafür, Komponenten mit Ex-Zulassung einzusetzen.

H₂News: Viele Menschen assoziieren Wasserstoff mit spektakulären Explosionen. Ist diese Gefahr real oder übertrieben?

Schnepf: Wasserstoff ist ein leicht entzündliches Gas und kann mit Luft ein zündfähiges Gemisch bilden. Gleichzeitig zeigt die jahrzehntelange industrielle Nutzung, dass sich das Gas mit geeigneten technischen Maßnahmen sehr gut beherrschen lässt. Aus unserer Sicht gilt daher: Explosionsschutz ist eine Schlüsseltechnologie für die Wasserstoffwirtschaft.

H₂News: Thomas Schnepf, vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke in die Wasserstoffaktivitäten von Pepperl+Fuchs!

 

Mehr zur Sensorik und zum Explosionsschutz von Pepperl+Fuchs

 

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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