„Für die klimaneutrale Klinkermanufaktur kommt nur Wasserstoff in Frage”

Die Janinhoff GmbH & Co. KG - Klinkermanufaktur will als einziges Ziegelwerk in Deutschland ab 2028 ihre Produktion mit Wasserstoff betreiben. Im Interview erläutert Dr. Caroline Foyer-Clitheroe, warum sich das Unternehmen für den Einsatz von Wasserstoff entschieden hat und wie sich das für das Unternehmen rechnet. Außerdem beleuchtet sie den Einfluss des neuen Energieträgers auf die Ziegel und Klinker.

von | 09.01.26

Frau Dr. Caroline Foyer-Clitheroe (zweite von rechts) ist seit Januar 2016 die Geschäftsleitung bei der Janinhoff GmbH & Co. KG - Klinkermanufaktur - und Nachfolgerin 4. Generation.
© Janinhoff GmbH & Co. KG
„Für die klimaneutrale Klinkermanufaktur kommt nur Wasserstoff in Frage”

H₂News: Frau Dr. Foyer-Clitheroe, was waren die entscheidenden Gründe für den Einsatz von grünem Wasserstoff in der Produktion (statt z. B. Elektrifizierung oder Biogas) – und an welchen KPIs messen Sie den Erfolg des Umstiegs?

Dr. Caroline Foyer-Clitheroe: Wir produzieren Ziegel- und Klinker im Premiumbereich und für uns kam nur der Wechsel auf den Energieträger Wasserstoff in Frage. Unsere Verblendklinker werden bei ca. 1100 Grad gebrannt. Durch den Brennvorgang und die unterschiedlichen Tonmischungen erhalten unsere Produkte ihre Farbe. Unsere Klinkermanufaktur ist bekannt für eben diese Farbvielfalt und durch bspw. die Elektrifizierung unseres Ofens würden wir nur einen einheitlichen Brand hinbekommen und keine Buntbrände. Unser Tunnelofen ließe sich zudem auch nicht so einfach entsprechend umrüsten auf Strom. In dem Fall hängen wir einen neuen Ofen bauen lassen müssen oder würden jahrelang stillstehen, um umzurüsten. Das kommt für uns nicht in Frage.

H₂News: Welche konkreten Umbauten am Ofen wurden oder werden nötig?

Dr. Foyer-Clitheroe: Wir haben einen Tunnelofen mit einer Vielzahl an Brennern, die in Reihen gruppiert sind. Diese Brenner sowie die Leitungen, Steuerungsmodule etc. müssen umgerüstet werden. Zusätzlich muss eine Wasserstoff-Übergabestation errichtet werden.

Klinkermanufaktur

Klinkermanufaktur (© Janinhoff GmbH & Co. KG)

H₂News: Wie sichern Sie Produktqualität und Farbkonstanz unter H₂-Betrieb? 

Dr. Foyer-Clitheroe: Die Produktqualität und Farbkonstanz wird dadurch gesichert, dass wir schrittweise die Brennergruppen umstellen und beispielsweise nur im Bereich der Reduktionszone, die besonders relevant ist für die Farbgebung weiterhin Erdgas einsetzen. Daher planen, wir bis 2042 90 Prozent und nicht 100 Prozent Wasserstoff einzusetzen.

H₂News: Wie stellen Sie die Versorgung mit grünem Wasserstoff sicher und welche Redundanzen gibt es bei Lieferengpässen?

Dr. Foyer-Clitheroe: Wir prüfen gerade die unterschiedlichen Versorgungsmöglichkeiten für den Übergangszeitraum von 2028-2030. Ab dem Jahr 2030 ist eine Anbindung an das Verteilnetz geplant. Da wir aber unseren Mengenhochlauf im Jahr 2030 haben werden, müssen wir bis dahin sicherstellen, dass ausreichend Mengen Wasserstoff beispielsweise durch einen Elektrolyseur zur Verfügung stehen. Eine Trailerlösung scheint ab diesem Zeitpunkt nicht mehr sinnhaft und auch nur schwer realisierbar. Für etwaige Lieferengpässe erarbeiten wir gerade Möglichkeiten, wie etwaige Puffer zur Verfügung stehen können.

H₂News: Wie sieht die Wirtschaftlichkeitsrechnung aus und ab welchem H₂-Preisniveau wird der Betrieb dauerhaft tragfähig?

Dr. Foyer-Clitheroe: Wir haben das umfangreiche Gebotsverfahren der Klimaschutzverträge mitgemacht und im Oktober 2024 einen Klimaschutzvertrag mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (jetzt Wirtschaft und Energie) unterschrieben. Durch eine Förderung der OPEX Kosten, welche die Mehrkosten von Erdgas zu Wasserstoff ausgleicht, ist es uns möglich schon frühzeitig auf Wasserstoff zu transformieren. Alle CAPEX Kosten, das heißt die gesamte Infrastruktur dieser Transformation müssen wir selbst finanzieren. Das ist auch ein mutiger Schritt, da wir sehr stark in Vorleistung gehen und darauf hoffen, dass ein Wasserstoffhochlauf kommt. Wir haben eine Preisdeckelung im Rahmen des Klimaschutzvertrages und die müssen wir natürlich auch erreichen, ansonsten wäre dieser Schritt für uns absolut unwirtschaftlich.

H₂News: Welche Meilensteine planen Sie mit welchen Terminen –  und wie minimieren Sie Produktionsrisiken beim Umbau im laufenden Betrieb?

Dr. Foyer-Clitheroe: Unser operativer Beginn ist der 1. Januar 2028. Ab 2030 müssen wir dann 60 Prozent der CO₂ Emissionen im Vergleich zum Referenzsystem und bis 2042 mindestens 90 Prozent einsparen. Sobald wir die ersten Brennergruppen in 2026/2027 installiert haben, werden wir aber bereits mit Testungen anfangen. Wir werden Brennergruppe für Brennergruppe – also schrittweise umstellen, damit versuchen wir die Produktionsrisiken im laufenden Betrieb gering zu halten.

H₂News: Welchen CO₂-Hebel erwarten Sie – und welche Auswirkungen hat das auf die Produktpreise, Lieferzeiten und die Skalierbarkeit Ihres Ansatzes in der Ziegel-/Klinkerbranche?

Dr. Foyer-Clitheroe: Die Lieferzeiten werden durch die Umstellung nicht beeinflusst. Zu den Produktpreisen können wir momentan noch keine Aussage treffen. Der Preis muss sich allerdings so gestalten, dass wir wettbewerbsfähig bleiben. Am Ende haben wir ein nahezu komplett klimaneutrales Produkt. Ziegel sind schon per se der langlebigste Baustoff, somit hält unser Kunde ein vollständig nachhaltiges Produkt in den Händen. Wir gehen eben voran – als einziges Ziegelwerk in Deutschland werden wir dann unsere Produktion komplett umgestellt haben. Wir sind das Leuchtturmprojekt und hoffen, dass auch viele andere Unternehmen die Klimaveränderungen ernst nehmen und sich gerade auch als KMU diesen Schritt trauen.

H₂News: Frau Dr. Foyer-Clitheroe, vielen Dank für das Interview!

 

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