„Gewünscht sind sichere, zuverlässige und unkomplizierte Lösungen“

Der Wasserstoffmarkt wächst, und mit ihm der Bedarf an zuverlässiger Gasanalyse. Die Archigas GmbH entwickelt Analysatoren, die Gasgemische in Echtzeit und ohne aufwendige Gasaufbereitung messen. Im Interview erklärt Key-Account Manager Elmedin Saliu, wie die Technologie funktioniert, welche Branchen sie bereits einsetzen und in welchen Regionen die Nachfrage besonders stark ist.

von | 19.06.26

Elmedin Saliu ist seit November 2025 Key-Account Manager bei Archigas.
© Archigas GmbH / Elmedin Saliu
„Gewünscht sind sichere, zuverlässige und unkomplizierte Lösungen“

H₂News: Die Firma Archigas stellt Gasanalysatoren her, die unter anderem in der Wasserstoffelektrolyse verwendet werden. Können Sie die Funktionsweise dieser Analysatoren kurz erläutern?

Elmedin Saliu: Mit unseren Gasanalysatoren lassen sich Gasgemische in ihrer Reinheit bzw. Konzentration bestimmen. Das Messprinzip basiert auf der thermischen Leitfähigkeit, denn jedes Gas leitet Wärme unterschiedlich gut. Wasserstoff hat dabei eine besonders hohe thermische Leitfähigkeit, wodurch wir Konzentrationsänderungen sehr schnell und präzise erkennen können. Der große Vorteil ist, dass wir kontinuierlich in Echtzeit messen können, also ohne aufwendige Gasaufbereitung.

Dazu zeichnet sich die Sensortechnologie von Archigas durch eine besonders schnelle Reaktionsgeschwindigkeit von nur 30 Millisekunden, einem Messbereich von einigen ppm bis 100 Vol.%, Druckkompatibilität bis 200 bar und mehr sowie hohe Messstabilität und sogar – je nach Anwendung – Feuchtigkeitsresistenz aus.

H₂News: In welchen Anwendungsbereichen kommen die Gasanalysatoren gegenwärtig zum Einsatz?

Saliu: Meist ist es noch die Elektrolyse, doch wir entdecken gefühlt täglich neue Anwendungen wie zum Beispiel in den Bereichen Biogasanlagen, Ammoniak, Halbleiter, aber auch Erdgasanwendungen und vielen anderen. Die Zahl der Einsatzbereiche wächst immer weiter.

H₂News: Seit November 2025 sind Sie Key-Account-Manager bei Archigas und damit viel im Austausch mit Kunden und Partnern im In- und Ausland. Wie nehmen Sie aktuell die Nachfrage nach Technologien zur Wasserstoff-Gasanalyse wahr?

Saliu: Die Nachfrage ist stetig steigend, was unter anderem dem jungen Markt geschuldet ist. Da wir eng im Austausch mit unseren Kunden stehen, begleiten wir dieses Wachstum des Marktes konsequent auf technischer Seite, sprich der H2-Gasanalyse.

H₂News: In welchen Ländern oder Regionen beobachten Sie derzeit besonders großes Interesse an der H2-Gasanalyse?

Saliu: Wie gesagt, grundsätzlich sehen wir gute Entwicklungen – sowohl national als auch weltweit. Wenn man einige Regionen besonders hervorheben möchte, sind es wohl China, die skandinavischen Länder, die USA, aber auch Deutschland.

H₂News: Welche Faktoren treiben diese Nachfrage an?

Saliu: Ganz allgemein wird die Nachfrage im Wasserstoffbereich vor allem durch den weltweiten Wandel hin zu einer klimafreundlichen und nachhaltigen Energieversorgung getrieben. Viele Unternehmen und Länder sehen Wasserstoff als einen wichtigen Bestandteil ihrer zukünftigen Energieinfrastruktur, auch weil man sich breiter aufstellen möchte.

Gleichzeitig möchte heute niemand den Anschluss verpassen. Denn gerade jetzt haben Unternehmen die Chance, sich frühzeitig als Vorreiter im Wasserstoffmarkt zu positionieren und wichtige Erfahrungen sowie Marktanteile zu sammeln bzw. zu sichern.

Zusätzlich sorgen politische Förderprogramme, steigender Druck zur CO₂-Reduktion und der erwähnte Wunsch nach mehr Energieunabhängigkeit dafür, dass Investitionen in Wasserstofftechnologien deutlich zunehmen. Dadurch wächst auch der Bedarf an zuverlässigen Lösungen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Und die Gasanalyse ist hier nun mal unverzichtbar.

H₂News: Welche Aspekte hemmen die Nachfrage?

Saliu: Die Nachfrage wird aktuell vor allem noch durch regulatorische Unsicherheiten und politische Rahmenbedingungen gebremst. Der Wasserstoffmarkt ist stark politisch geprägt, doch sind Unternehmen meist auf klare, langfristige Strategien und verlässliche Förderstrukturen angewiesen.

Gerade in Europa braucht es aus meiner Sicht mehr Einheitlichkeit, einfachere Prozesse und schnellere Entscheidungen. Kurz: Viele sind grundsätzlich bereit zu investieren, wünschen sich aber mehr Planungssicherheit und weniger bürokratische Hürden.

Ein weiterer entscheidender Punkt sind die Kosten. Die Herstellung von Wasserstoff muss langfristig deutlich günstiger und gleichzeitig zuverlässig skalierbar werden. Erst wenn Wasserstoff wirtschaftlich konkurrenzfähig und stabil verfügbar ist, wird sich die Technologie noch schneller im breiten Markt durchsetzen.

H₂News: Welche Branchen beschäftigen sich derzeit mit der Analyse von Wasserstoff?

Saliu: Nun, es gibt fast keine Industriebranche, die sich nicht damit beschäftigt. Wir haben bereits Anfragen aus den verschiedensten Bereichen erhalten, die Bandbreite reicht vom klassischen Elektrolyseur bis zu ganz anderen Feldern wie Gießereien oder Schwertransport, Schifffahrt und Flugzeugbranche, um nur einige zu nennen. Das Thema ist omnipräsent, allein die Umsetzung erfolgt unterschiedlich schnell.

H₂News: Welche Anforderungen stellen unterschiedliche Branchen an Technologien zur Wasserstoff-Gasanalyse?

Saliu: Branchenübergreifend kann man sagen: Interessenten wünschen eine zuverlässige, sichere Lösung, die einfach zu bedienen ist. Ja, der Wille zur Umstellung oder zur Implementierung von Wasserstoff ist allenthalben vorhanden, doch sollen die Prozesse nicht kompliziert sein. Das gilt auch für die H2-Gasanalyse. Genau dies leisten unsere Lösungen auf Basis von High-End-Technologie, die für den Endnutzer dazu äußerst einfach zu implementieren ist. Mit der kontinuierlichen Echtzeitüberwachung können sich die Anwender unserer Geräte jederzeit vergewissern, dass ihre Prozesse sauber und sicher laufen. Das ist der Anspruch von Archigas und irgendwie auch selbstverständlich.

H₂News: In welchen konkreten Einsatzbereichen wird die H2-Gasanalyse aktuell besonders stark nachgefragt?

Saliu: Überall da, wo genannte Sicherheit oberste Priorität hat. Besonders erwähnenswert ist natürlich die Überprüfung der unteren und oberen Explosionsgrenze. Viele Kunden haben zu Recht großen Respekt davor, und hier leisten wir nicht nur mit unseren Produkten selbst, sondern auch mit individueller Beratung bis hin zur Implementierung Unterstützung.

H₂News: Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei Gesprächen mit Kunden derzeit besonders häufig, und welche Veränderungen wünschen diese sich?

Saliu: Da der Wasserstoffmarkt insgesamt recht jung ist, bemerken wir, dass vielen Unternehmen noch die Erfahrung mit H2 fehlt. Das liegt in der Natur der Sache. Viele bringen Know-how mit, das zumindest teilweise auf Wasserstoff übertragbar ist, aber eben nicht immer in jedem Detail.

Gasanalytik wird oft noch mit großen Herausforderungen assoziiert. Das liegt unter anderem daran, dass marktübliche Standardlösungen bislang meist in Kombination mit einer aufwändigen Gasaufbereitung stehen. Feuchte im Prozess ist auch ein wichtiges wiederkehrendes Thema. Um genau solche und andere Herausforderungen zu lösen, sind wir von Archigas mit unserer innovativen und in summa einzigartigen Sensortechnologie zur Messung von Wasserstoff an den Markt gegangen und – wenn ich das so sagen darf – mit offenen Armen empfangen worden. Das freut uns natürlich.

H₂News: Wie profitieren Kunden durch die Gasanalysatoren von Archigas?

Saliu: Im ersten Schritt sind wir für unsere Kunden immer beratend tätig. Wir schauen uns individuell jeden Prozess an und bieten eine maßgeschneiderte Lösung auf Basis unserer Technologie. Hierbei ist es wichtig, ein grundlegendes Verständnis für Gasanalytik zu vermitteln und dem Interessenten eben nicht einfach „irgendetwas“ anbieten. Archigas bietet Lösungen, die direkt im Prozess – also ohne Gasaufbereitung – kontinuierlich und in Echtzeit messen. So können sich unsere Kunden vergewissern, dass ihre Anlagen zu jederzeit sicher laufen und dass, wenn eine Anreicherung an H2 im Prozess stattfindet, dieser sofort unterbrochen wird.

Die Eckdaten der Gasanalysatoren wie besonders schnelle Reaktionsgeschwindigkeit, breiter Messbereich, hohe Druckkompatibilität und andere Merkmale hatte ich ja schon eingangs erwähnt.

H₂News: Welchen Trend erwarten Sie in den kommenden Jahren bei der Nachfrage nach Technologien zur Wasserstoff-Gasanalyse – sowohl international als auch in Deutschland?

Saliu: Nun, bei Elektrolyseuren ist schon jetzt erkennbar: Ein sehr schnelles System, das im besten Fall direkt im Zwei-Phasengemisch installiert werden kann – das ist gewünscht. Branchenübergreifend lässt sich feststellen, dass Kunden grundsätzlich ein sicheres, einfaches Analysesystem benötigen, das die Umstellung auf H2 insgesamt erleichtert. Gasaufbereitungen und aufwendige Messproben sollen also der Vergangenheit angehören. Die Zukunft – wie in jedem Bereich – geht vielmehr in Richtung Real-Data-Monitoring und Automatisierung. Hier sind wir dem Wasserstoffmarkt bereits einen Schritt voraus und bieten entsprechende Lösungen an. Sie sehen, Archigas ist bereit.

H₂News: Vielen Dank für das Interview, Herr Saliu!

 

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