H2News: Herr Dr. Jostschulte, welche Rolle spielt Wasserstoff bei Dilo?
Dr. Klaus Jostschulte: Unser Kerngeschäft liegt traditionell im Bereich von Isoliergasen. Das sind häufig fluorierte Gase, die zunehmend unter regulatorischer Beobachtung stehen, insbesondere aufgrund ihrer Klimawirkung. Das war für uns ein wichtiger Auslöser, unser Geschäftsmodell weiterzuentwickeln.
Wir haben uns dann gefragt: In welchem Bereich können wir unsere Kompetenzen noch einsetzen? Wir können Gase handeln und messen, wir können Dichtheit mit hoher Genauigkeit herstellen und überprüfen. Genau diese Fähigkeiten sind auch im Wasserstoffbereich gefragt. Deshalb lag es nahe, uns intensiver mit Wasserstoff zu beschäftigen.
H2News: Wann haben Sie begonnen, sich mit dem Thema zu befassen?
Dr. Jostschulte: Erste Überlegungen gab es im Jahr 2019, also noch bevor der große Wasserstoff-Hype richtig begann. Damals waren wir noch am Anfang und wollten uns zunächst orientieren.
Vor etwa zwei Jahren haben wir dann begonnen, gezielt mit Wasserstoff-Start-ups zusammenzuarbeiten. Start-ups haben häufig sehr gute Ideen, stoßen aber bei bestimmten technischen oder praktischen Fragestellungen an ihre Grenzen. Genau dort können wir unsere Erfahrungen im Gasbereich einbringen. Außerdem können wir das Equipment bereitstellen, das benötigt wird.
H2News: Mit welchen Start-ups arbeitet Dilo zusammen?
Dr. Jostschulte: Zwei der Start-ups sind beispielsweise im Bereich der wasserstoffbasierten Mobilität tätig, allerdings nicht mit Brennstoffzellen, sondern mit H2-Verbrennungsmotoren. Das sind der H2-Mobilitätsanbieter Keyou GmbH und der Wasserstoffmotorenentwickler HTM Hydro Technology Motors GmbH.
Darüber hinaus unterstützen wir auch weitere Start-ups beratend, etwa im Rahmen von Coachings.
H2News: Welche konkreten Produkte sind aus den beiden erwähnten Kooperationen entstanden?
Dr. Jostschulte: Ein Beispiel ist ein System, das wir gemeinsam mit Keyou entwickelt haben. Dabei geht es um eine sichere Möglichkeit, Wasserstoff aus Fahrzeugen zu entfernen, bevor Wartungsarbeiten durchgeführt werden.

Das H2-Servicegerät sorgt unter anderem für die sichere Entfernung von Wasserstoff aus Fahrzeugen. © Dilo Armaturen und Anlagen GmbH
Wenn ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug in die Werkstatt kommt, können die Mechaniker nicht einfach anfangen zu arbeiten, solange sich noch Wasserstoff im System befindet. Deshalb wird das Fahrzeug an unser Gerät angeschlossen und der Wasserstoff zunächst kontrolliert abgeführt.
Anschließend wird das System mehrfach mit Stickstoff gespült. Nach mehreren Spülzyklen ist der Wasserstoffanteil so weit reduziert, dass das Fahrzeug sicher bearbeitet werden kann.
H2News: Dilo hat ja auch Erfahrungen in der Dichtheitsprüfung, kommt diese in der Technologie auch zur Anwendung?
Dr. Jostschulte: Ja, absolut. Nach den Wartungsarbeiten, insbesondere wenn an Komponenten des Wasserstoffkreislaufs gearbeitet wurde, muss überprüft werden, ob das System dicht ist. Unser Gerät kann zunächst grobe Undichtigkeiten erkennen und anschließend mit Tracergas auch feinere Lecks aufspüren. Erst wenn alles dicht ist, wird das Fahrzeug wieder für den Betrieb mit Wasserstoff freigegeben.
H2News: Wer sind die Kunden für ein solches Gerät?
Dr. Jostschulte: Im Moment sprechen wir vor allem mit Fahrzeugherstellern. Aber die Anwendung ist nicht auf den Mobilitätssektor beschränkt. Überall dort, wo Systeme mit Wasserstoff betrieben werden und gewartet werden müssen, ist das Gerät sinnvoll.
H2News: Sie haben noch die Zusammenarbeit mit HTM erwähnt.
Dr. Jostschulte: Richtig. Aus dieser Kooperation entstand eine Notfallbetankungs-Technologie für Wasserstofffahrzeuge.
Ein Beispiel ist der Flughafen Hamburg. Dort werden derzeit Fahrzeuge wie Gepäckschlepper auf Wasserstoff umgerüstet. Dazu wurde auch eine Wasserstofftankstelle errichtet. Da stellt sich die Frage: Was passiert, wenn die Tankstelle einmal ausfällt, etwa wegen Wartungsarbeiten oder eines defekten Kompressors? Muss dann der Flugbetrieb eingestellt werden?
Früher stand in solchen Fällen ein Benzinkanister bereit. Bei Wasserstoff funktioniert das nicht. Deshalb haben wir eine kompakte Betankungstechnologie entwickelt, die Speicher, Kompressor und Dispenser kombiniert. Damit können Fahrzeuge im Notfall weiterhin betankt werden.
H2News: Arbeitet Dilo derzeit noch an weiteren Technologien?
Dr. Jostschulte: Gemeinsam mit HTM entwickeln wir aktuell auch Wasserstoffgeneratoren. Die Generatoren können zum Beispiel im Fall eines Netzausfalls für die Ersatzstromversorgung verwendet werden.
H2News: Wie groß ist das Wasserstoffgeschäft bei Dilo also momentan?
Dr. Jostschulte: Im Moment liegt der Anteil noch im einstelligen Prozentbereich unseres Umsatzes. Gleichzeitig wächst die Nachfrage sehr stark, insbesondere durch den Ausbau der Stromnetze.
Das gibt uns den Vorteil, dass wir im Wasserstoffbereich nicht unter Druck stehen. Wir können Produkte in Ruhe entwickeln und zur Marktreife bringen.
H2News: Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung des deutschen Wasserstoffmarktes?
Dr. Jostschulte: In der öffentlichen Diskussion scheint das Thema teilweise wieder etwas an Aufmerksamkeit zu verlieren. In unseren Gesprächen mit Industriepartnern beobachten wir jedoch das Gegenteil: Das Interesse wächst und die Industrie beschäftigt sich intensiv mit möglichen Anwendungen.
Der Markt entwickelt sich also durchaus weiter, vielleicht weniger laut in der öffentlichen Debatte, aber sehr konkret in der Praxis. Vor allem international sehen wir ein enormes Wachstumspotenzial.
H2News: Welche Rolle spielen internationale Märkte für Dilo?
Dr. Jostschulte: Eine sehr große. Wir sind weltweit aktiv und verkaufen unsere Produkte über Partner in knapp 90 Ländern.
Besonders interessant sind auch Märkte aus einigen Regionen des Nahen Ostens. Dort fällt grauer Wasserstoff teilweise als Nebenprodukt an und ist sehr günstig verfügbar. In solchen Märkten entstehen neue Use Cases: von der Hauptversorgung bis zum Ersatz für die Dieselstromversorgung.
H2News: Herr Dr. Jostschulte, vielen Dank für das Interview!
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