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„Safety und Security sind grundlegend für den Wasserstoffmarkt“

Die Pilz GmbH & Co. KG ist ein Unternehmen im Bereich der Automatisierungstechnik. Es bietet Automatisierungslösungen für reibungslose Abläufe an Maschinen und Anlagen an, die mit Wasserstoff arbeiten. Mehr über Safety und Security im Wasserstoffmarkt erzählt Thomas Braasch, Sales Engineer bei Pilz, im Interview.

von | 17.10.24

Thomas Braasch, Sales Engineer bei Pilz
© Pilz GmbH & Co. KG
Thomas Braasch, Sales Engineer bei Pilz

H₂News: Herr Braasch, was macht Pilz?

Thomas Braasch: Wir sind Experten für sichere Automation. Automatisierungslösungen von Pilz sorgen für reibungslose Abläufe an Maschinen und Anlagen auf der ganzen Welt. Unser Anspruch ist es, Maschinen und Anlagen effizient und sicher zu automatisieren, gleichzeitig schützen wir den Menschen im Produktionsumfeld.

H₂News: Welche Rolle spielt Wasserstoff für die Energieversorgung der Zukunft?

Braasch: Wasserstoff spielt eine ausschlaggebende Rolle für die Energiewende und Klimaneutralität. Der Energieträger kommt beispielsweise in der Industrie bei der Stahlerzeugung, in der Glasindustrie, bei der Mobilität als Treibstoff von Transportfahrzeugen oder bei der Rückverstromung zum Einsatz. Gleichzeitig birgt Wasserstoff einige Sicherheitsrisiken, da es sich um ein hochentzündliches, farb- und geruchloses Gas handelt.

Pilz

Industrieerprobte Lösungen von Pilz erlauben die sichere Überwachung und Steuerung von Prozessen entlang der gesamten Wertschöpfungskette (© Pilz GmbH & Co. KG)

H₂News: Was sind die größten Herausforderungen für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft?

Braasch: Damit der Wasserstoff-Markthochlauf gelingen kann, sind stabile und langfristige Marktbedingungen notwendig. Bislang fehlt es vor allem am regulatorischen Rahmen für den Ausbau der Transport- und Verteilinfrastruktur. Im Bereich der Normenarbeit ist eher ein Start-up-Charakter zu verzeichnen. Hier muss – so wie früher bei der Maschinensicherheit – noch Pionierarbeit geleistet werden.

H₂News: Welche Wasserstoffprojekte finden Sie persönlich besonders spannend?

Braasch: Ich finde alle Projekte, an denen wir im Bereich Wasserstoff arbeiten, spannend. Denn es gibt immer wieder neue Herausforderungen, die es zu lösen gilt. Aktuell ist die Thematik sehr dynamisch und ich freue mich, meinen Beitrag zu leisten.

H₂News: Welche Lösungen bieten Sie für die Wasserstoffindustrie an?

Braasch: In der Wasserstoffindustrie werden Sicherheitsaufgaben bislang häufig über die passenden Eigenschaften des während der Produktion verwendeten Materials umgesetzt und über entsprechend dimensionierte mechanische Lösungen. Bewährte Systeme der Automatisierungstechnik ergänzen diese klassischen Sicherheitsfunktionen. Denn sie helfen, Sicherheit immer als eine integrierte Funktion von Maschinen, Anlagen und den Zusammenhängen im Prozess zu betrachten. So können Automatisierungslösungen beispielsweise die dynamische Druck- und Temperaturüberwachung oder die sichere Einhaltung von Belastungsgrenzen nachgeschalteter Strukturen übernehmen.

H₂News: Warum ist Industrial Security ein Thema?

Braasch: Mit der zunehmenden digitalen Vernetzung von Anlagen und Systemen in der Wasserstoffproduktion, der Speicherung und Wasserstoffanwendung in der Industrie muss Industrial Security unbedingt bedacht werden. Im Mittelpunkt: der Schutz von Anlagendaten und die Frage, welche Personen Zugriff auf einen Prozess erhalten. Dürfen nur entsprechend autorisierte, weil qualifizierte Personen an einer Anlage arbeiten, sind Fehlbedienung oder Manipulation geringer. Ab 2027 ist die Maschinenverordnung verbindlich, Industrial Security verpflichtend. Pilz unterstützt mit technischen Lösungen sowie einem ganzheitlichen Dienstleistungsangebot.

H₂News: Welche spezifischen Herausforderungen stellen sich beim Umgang mit Wasserstoff hinsichtlich Anlagen-Safety und -Security?

Braasch: Wie bereits gesagt, birgt Wasserstoff einige Sicherheitsrisiken. Unfälle bei der Produktion, dem Transport oder der Nutzung können erhebliche Folgen für Mensch, Anlage und Umwelt haben. Eingesetzte Sicherheits- bzw. Steuerungssysteme erkennen zuverlässig Gaslecks durch die Auswertung von Gaswarngeräten. Sie überwachen sicher Temperatur, Druck, Füllstand, Spannung und Strom. Und im Ernstfall leiten die Systeme einen Not-Halt ein. Solche Systeme können Störungen innerhalb von Millisekunden erkennen und schnell vordefinierte Sicherheitsmaßnahmen einleiten.

Wasserstoff-Betankungssystem Pilz

Die Sicherheitslösungen von Pilz übernehmen neben der Wasserstoffleck-, Flammen- und Raucherkennung sowie der Temperatur- und Drucküberwachung auch das Zutritts- und Zugriffsmanagement an Wasserstofftankstellen.
(© iStock.com/Scharfsinn86, Pilz GmbH & Co. KG)

H₂News: Für welche Use Cases Ihrer Technologie im Wasserstoffsegment (Wasserstofftankstellen, Elektrolyseure, Brenner etc.) verzeichnen Sie aktuell die größte Nachfrage?

Braasch: Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf die Safety bei Betankungsvorgängen und auf die Elektrolyseure. Hier haben wir bereits einige Applikationen realisiert. Des Weiteren liegt ein wesentlicher Schwerpunkt auf dem Aspekt Security: Fragestellungen sind dabei, welche Zugriffe auf die Anlagen nötig sind und welche verhindert werden müssen, um beispielsweise Manipulation zu vermeiden.

H₂News: Wie gehen Sie bei einem Projekt im H2-Bereich typischerweise vor? Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Braasch: Am Anfang steht immer die Betrachtung der genauen Anforderung, denn auf dieser Basis lassen sich gute Lösungen erarbeiten. Als Beispiel kann ich das Zutritts- und Zugriffsmanagement nennen. Hier galt es im ersten Schritt zu verstehen, wie diese Anlagen betrieben und gewartet werden und welche Personen dafür einen Zugriff benötigen. Auf dieser Basis haben wir in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden eine Lösung mit unserem Zugangsberechtigungssystem PITreader erarbeitet, die Safety und Security einschließt.

H₂News: Herr Braasch, vielen Dank für das Gespräch!

 

Zur Homepage von Pilz

 

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