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„Wasserstoff ist im Grunde Erdgas ohne Kohlenstoff und entsprechend vielseitig einsetzbar“

Im Interview erklärt der Vorsitzende der H2 Energy AG Rolf Huber, wie sich die erweiterte Zusammenarbeit mit Forvia ergeben hat, welche Kundengruppen dadurch profitieren und welchen Einfluss sie auf die Skalierbarkeit und den Preis von Wasserstoffangeboten hat. Darüber hinaus erläutert Huber aktuelle Chancen und Herausforderungen in der Wasserstoffmobilität.

von | 13.02.26

Rolf Huber ist seit 2014 Vorsitzender der H2 Energy AG
© H2 Energy AG / Rolf Huber
„Wasserstoff ist im Grunde Erdgas ohne Kohlenstoff und entsprechend vielseitig einsetzbar“

H₂News: Herr Huber, was war die Motivation für die erweiterte Zusammenarbeit zwischen H2 Energy und Forvia?

Rolf Huber: Wir betreiben seit rund sechs Jahren ein nationales Wasserstoff-Ökosystem in der Schweiz. Seit mehreren Jahren sind dort Lkw im Einsatz, in denen wir bisher Glasfasercontainer eingesetzt haben. Diese funktionieren grundsätzlich zuverlässig. Allerdings haben wir erkannt, dass sich die Transportkosten deutlich senken lassen, wenn wir die Dropsize, also den Wasserstoff pro Fahrt, erhöhen. Dadurch sinken die Kosten pro Kilogramm, was jedoch andere Speicherlösungen erfordert.

Auf der Suche nach geeigneten Speichern sind wir auf Forvia zugegangen. Gemeinsam haben wir einen Speicher entwickelt und zertifiziert (H2News berichtete). Anschließend haben wir Wege gesucht, dieses gemeinsam zu kommerzialisieren.

H₂News: Künftig übernimmt Forvia unter anderem auch die Endmontage der MEGC*-Einheiten. Die Einheiten wurden vor Kurzem mit der ADR*1-Zertifizierung ausgezeichnet. Was bedeutet diese Zertifizierung in Bezug auf Sicherheit?

Huber: Die ADR-Zertifizierung bestätigt, dass alle regulatorischen Anforderungen erfüllt sind, um die Transporteinheiten im Straßenverkehr einzusetzen. Sie bildet die Grundlage dafür, dass die Container sicher und rechtskonform verwendet werden können.

* Multiple-Element-Gas-Container
*1 Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route

H₂News: Die Einheiten sind mit Wasserstoff-Verbundzylindern ausgestattet, die von Forvia entwickelt wurden. Diese wurden TPED-zertifiziert – was sagt das über die Qualität der Zylinder aus?

Huber: Die TPED-Zertifizierung umfasst ein komplexes Regelwerk aus Vorschriften und Regularien, die ortsbewegliche Zylinder einhalten und die geprüft werden müssen. Dazu gehören unter anderem Vorgaben zum Berstdruck und zur Rückverfolgbarkeit mit Einbindung einer „Benannten Stelle“. Mit Rückverfolgbarkeit ist gemeint, dass genau bekannt sein muss, aus welchem Produktionsbatch welcher Zylinder stammt.

H₂News: Forvia wird zukünftig auch als Produktionspartner an der Seite von H2 Energy stehen. Wie planen Sie die Aufteilung der Verantwortlichkeiten?

Huber: Manche Prozesse, wie die TPED-Zertifizierung, übersteigen unsere eigenen Möglichkeiten. Deshalb war für uns klar, dass wir einen Partner an unserer Seite benötigen. Unsere Verantwortlichkeiten liegen im technischen Know-how und in der Definition marktrelevanter Spezifikationen. Die detaillierten und komplexen Prozesse wie z.B. die Zertifizierungen der Druckbehälter kann ein Großunternehmen wie Forvia deutlich effizienter abbilden.

H₂News: Welche Kundengruppen profitieren von der erweiterten Zusammenarbeit?

Huber: Grundsätzlich profitieren alle Kunden, die Wasserstoff transportieren möchten. Ein Vorteil besteht somit darin, dass die Kunden ein erprobtes, verlässliches System für den sicheren Wasserstofftransport erhalten.

Ein weiteres zentrales Thema ist folgendes: Wenn ein Unternehmen heute Container kauft und später eine neue Generation verfügbar wird, sollen die bestehenden Container weiterhin integrierbar bleiben. Das erfordert intelligente, normierte Schnittstellen. Unser System ist darauf ausgelegt, unterschiedliche Containertechnologien parallel zu betreiben. Das wirkt sich positiv auf die Messbarkeit, Transparenz und Sicherheit der thermodynamischen Schranken aus. Werden diese Schranken überschritten, müssten entsprechende Container vernichtet werden. Unsere Systeme helfen, genau das zu vermeiden.

H₂News: Welchen Einfluss hat die Kooperation auf die Skalierbarkeit und den Preis von Wasserstoffangeboten?

Huber: Die Skalierbarkeit wird mit Blick auf die Zylindertechnologie deutlich. Glasfaserzylinder sind günstiger, bieten jedoch eine schlechter planbare Lebensdauer. Type-3-Carbonfaserzylinder lassen sich häufiger zyklisieren und sind leichter, was zu höherer Ausnutzung und geringeren Transportkosten führt. Mit 380 bar erreichen wir heute rund 466 Kilogramm Wasserstoff pro 20-Fuß-Container, gegenüber früher etwa 360 Kilogramm. Das wirkt sich erheblich auf die Wirtschaftlichkeit aus. Bei geringer Nutzung sind Glasfaserzylinder ausreichend. Bei steigender Skalierung werden Type-3-Zylinder jedoch mit Blick auf die Kosten klar vorteilhaft.

H₂News: H2 Energy und Forvia kooperieren im Bereich der Wasserstoffmobilität. Welche Rolle spielt diese aktuell?

Huber: Der Markt ist derzeit etwas schwierig. Einerseits sehen wir nach wie vor eine sehr große Berechtigung. Andererseits ist der Markt etwas geschwächt, weil die Strompreise hoch sind, und der Wasserstoff noch nicht optimal ins Energiesystem integriert wird.

Wie sich Wasserstoffmobilität im Markt entwickeln wird, bleibt offen. Aber wir sind überzeugt, dass sie eine wichtige Rolle spielen kann.

H₂News: Die Wasserstoffmobilität wird also auch langfristig eine wichtige Rolle spielen?

Huber: Ja, es gibt eine große Palette unterschiedlicher Speicherlösungen, die wir gemeinsam mit Forvia angehen wollen. Wir werden bereits für 40-Fuß-Container und auch aus anderen Ländern angefragt. Zudem setzen aktuell viele Lkw auf batterieelektrische Antriebe.

H₂News: Zeichnen sich dabei schon Herausforderungen ab?

Huber: Absolut. Wir sehen es grundsätzlich nicht als Problem. Allerdings können dadurch neue Herausforderungen entstehen, weil nicht so viele Ein- und Ausspeisepunkte mit der notwendigen Ladeleistung vorliegen. Und wenn ein Transportunternehmen mit 20 oder 30 Lkw eine Leistung von 20 Megawatt benötigt, womöglich in abgelegenen Regionen, wird das schnell zu einem Problem. Somit ist auch eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeit in Richtung Generatorlösungen denkbar.

H₂News: Welche Chancen und welche Herausforderungen sehen Sie aktuell in der Wasserstoffmobilität?

Huber: Eine Chance ist, dass Wasserstoffmobilität ein Nutzungsverhalten ermöglicht, das dem sehr nahekommt, an das sich die Leute die letzten 100 Jahre gewöhnt haben. Gleichzeitig erlaubt sie wirtschaftliches Wachstum, ohne zusätzliche CO₂-Emissionen zu verursachen. Wasserstoff ist im Grunde Erdgas ohne Kohlenstoff und entsprechend vielseitig einsetzbar.

Als Herausforderung kann ich die Anfangsinvestitionen nennen. Die Förderpolitik allein reicht nicht aus. Wir sprechen hier von einer tiefgreifenden Transformation der gesamten fossilen Wertschöpfungskette. Das ist ein Prozess, der nicht ohne Reibung verläuft. Zudem spielt Ökologie aktuell politisch eine untergeordnete Rolle.
Darüber hinaus kommen, wie bereits erwähnt, die hohen Preise und die ausbaufähige Integration von Wasserstoff in das Energiesystem hinzu.

H₂News: Hat H2 Energy weitere Schritte geplant, um die Wasserstoffinfrastruktur auszubauen?

Huber: Ja. Wir haben einen Wasserstoffgenerator entwickelt, der Dieselgeneratoren ersetzen kann. Unsere Generatoren basieren auf Toyota-Brennstoffzellen, sind schnell einsatzbereit und ermöglichen CO₂-freie Stromerzeugung, sofern der Wasserstoff grün ist.

Ergänzend haben wir einen kleineren Speichercontainer entwickelt, den sogenannten „High Five“. Dieser Container umfasst fünf Zylinder und kann an regulären Tankstellen betankt werden.

Wir verstehen Tankstellen künftig als Energiedistributionsdrehscheiben. In diesem Sinne entwickeln wir unser System Schritt für Schritt weiter. Wir machen uns dabei etwas weniger Sorgen, aber stellen dafür umso mehr Überlegungen an.

H₂News: Herr Huber, vielen Dank für das Interview!

 

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