Generic filters
Exact matches only
FS Logoi

„Wir gehen auf einen echten Markthochlauf zu″

Die 2023 gegründete Infener AG ist erst vor kurzem an die Öffentlichkeit getreten, hat aber schon Wellen geschlagen wie kaum ein zweites H2-Unternehmen der letzten Jahre. In Neumünster plant das Unternehmen aus der Schweiz eine spektakuläre H2-Fabrik, über die die gesamte Medienwelt geschrieben hat. Seitdem sind neue Leuchtturmprojekte wir das in Villingen-Schwenningen hervorgekommen, und im Juni präsentierte das junge Unternehmen seinen Ecore One auf der Münchner Energie-Messe The smarter E Europe. Wer ist dieses Unternehmen, woher kommt es, und wo will es hin?

von | 10.07.24

Tobias Gruber, Head of Products bei der Infener AG
© Infener AG
Tobias Gruber, Head of Products bei der Infener AG

H₂News: Herr Gruber, wer ist Infener?

Tobias Gruber: Infener ist ein Spin-Off der W&P Engineering Group. Dort hatten wir Wasserstoff schon 2018 als das zentrale Thema der Zukunft erkannt und wollten uns mit einer eigenen Firma darauf konzentrieren. Der Ecore One war dabei unsere erste Idee. Im Laufe der Entwicklung merkten wir aber, dass der Wasserstoff-Bedarf größer ist: Viele Industrien wollen gerne auf Wasserstoff umstellen, aber das Angebot ist nicht da. Daher wollten wir nicht nur Technologien entwickeln, sondern das Henne-Ei-Problem als Ganzes lösen. So sind wir dann in die Entwicklung von Wasserstoff-Hubs und Großprojekten eingestiegen, um auch den Bedarf energieintensiver Industrien dezentral decken zu können.

Rendering des 20-MW-Wasserstoff-Hubs in Baden-Württemberg (© Infener AG)

H₂News: Was ist die Idee hinter dem Ecore One?

Gruber: Es ist eine innovative All-in-One-Energielösung: In einem Gerät führen wir verschiedene Technologien zusammen. Die verbauten Komponenten wie Elektrolyseur, Brennstoffzelle, Batterien, Wärmepumpe und Wasserstoff-Druckgasspeicher sind frei erhältlich – unsere Innovation liegt darin, die Einzelgeräte in einem hochattraktiven Container zu verschalten. Dieser kann durch das Hinzufügen weiterer Komponenten – PV-Module, Elektrolyse-Stacks, H2-Speicher usw. – flexibel skaliert werden, um Mehrfamilienhäuser oder ganze Quartiere mit Wärme und Elektrizität versorgen.

H₂News: Welche Kapazitäten sind aktuell verfügbar?

Gruber: In unserem ersten Produktrelease bieten wir eine Bandbreite von 10 bis 30 kW Elektrolyseleistung an, Brennstoffzellen können mit Kapazitäten zwischen 8 und 16 kW verbaut werden. Unsere Batteriespeicher gehen bis knapp 60 kWh. Die Wasserstoffspeicher sind flexibel erweiterbar, da gibt es fast kein Limit.

H₂News: Welche Elektrolysetechnologie nutzen Sie?

Gruber: PEM-Elektrolyseure. Der Grund ist einfach: Es handelt sich um eine Plug-and-Play-Lösung. Man kann seine erneuerbare Energien-Anlage, etwa ein PV-Modul, direkt mit dem Container verbinden und ihn hochfahren. Dafür muss der Elektrolyseur nur flexibel genug sein, und das ist bei der PEM-Elektrolyse gegeben.

H₂News: Ich muss den Ecore One also nur an eine Strom- und eine Wasserquelle anschließen, und er produziert und speichert Strom und Wärme, die ich bei Bedarf nutzen kann?

Gruber: Genau das ist unser Konzept. Unser USP ist ganz klar die saisonale Speicherung. Das Problem bei Batteriespeichern ist, dass sie oft nur Tagesspitzen oder maximal Wochenbedarfe abfangen. Unser System kann die Solarstrom-Überschüsse im Sommer aber so abspeichern, dass man sie im Winter als Elektrizität und auch Wärme abrufen kann. Damit schaffen wir, wenn gewollt, 100-%ige Energieautarkie über das ganze Jahr hinweg.

H₂News: Der übliche Use Case wäre also der Einsatz im Gebäudesektor?

Gruber:Ja. Wir finden es besonders attraktiv, mehrere Häuser mit einem kleinen PV-Park zu einem Microgrid zusammenzuschließen, in dem der Ecore One dann die Energiespeicherung sowie Strom- und Wärmeversorgung übernimmt. Optimale Ergebnisse erziele Sie bei 400 bis 1500m². Es ist also auch möglich, Betriebe, Bürokomplexe oder Hotels autark mit Energie zu versorgen.

Ecore One

Der Ecore One in der hellen Ausführung (© Infener AG)

H₂News: Welche Resonanz erhalten Sie vom Markt?

Gruber: Eine sehr positive! Neben Unternehmen, zeigen auch Hoteleigentümer im Ausland Interesse. Viele Menschen wollen ihren Urlaub mittlerweile grün gestalten und erkundigen sich auch nach der Energieversorgung vor Ort. Und da macht ein brummender Dieselgenerator womöglich nicht so einen guten Eindruck. Daher wird das Thema immer relevanter, auch für Unternehmen, die ihren CO2-Fußabdruck reduzieren wollen oder müssen. Dafür ist unser Plug-and-Play-System perfekt geeignet, weil es schon heute ESG-Kriterien erfüllt. Der Ecore One erstellt in Zukunft sogar ein automatisches ESG-Reporting für den Betreiber.

H₂News: Werden die Nutzer des Ecore One also energetische Selbstversorger?

Gruber: Fast! Man kann sehr unabhängig werden vom Energiesystem und so eine hohe Resilienz aufbauen. Damit können Firmen für die nächsten 20 Jahre mit ziemlich konstanten Energiekosten rechnen und müssen keine Angst haben, dass ihre Energiekosten durch Krisen oder Ähnliches schlagartig ansteigen. Eine weitere Option ist, seine Elektrolyse aktiv in den Regelenergiemarkt einzubringen. Damit stabilisiert man das Stromnetz und kann dann gerade bei Überschusszeiten günstig Energie einkaufen und Wasserstoff produzieren.

H₂News: Ihre Innovation liegt demnach in der optimierten Integration verfügbarer Hardwarekomponenten.

Gruber: Genau. Es ist sehr wichtig, dass die Hardwarekomponenten schon erprobt und in Serienproduktion sind. Es erfordert sehr viel Engineering Know-how, die Systeme miteinander zu verbinden und zu betreiben. Die Innovation liegt darin, diese verwendeten Technologien effizient miteinander zu verbinden und zu betreiben. Zudem helfen dem System mehrere Eigenentwicklungen von uns, gerade beim smarten Energiemanagementsystem, das die Komponenten miteinander in Einklang bringt.

H₂News: Stehen die Lieferanten Ihrer Hardware-Komponenten denn fest?

Gruber: Wir nutzen für unser System aktuell die optimale Hardware und pflegen langjährige Partnerschaften mit unseren Lieferanten. Prinzipiell sind wir aber technologieoffen – und ich glaube, das muss man heutzutage auch sein. Dafür tut sich einfach zu viel. Es gibt laufend Technologiesprünge, wenn eine neue Innovation da ist oder ein neues Technologie Readyness Level erreicht wurde. Von daher können wir uns bei Bedarf flexibel anpassen.

H₂News: Wie sieht der weitere Plan aus?

Hannig: Unser erster Prototyp ist schon seit über einem Jahr an der Universität in Fulda im Dauereinsatz. Wir sind auch mit anderen Universitäten im Kontakt. Ein ähnliches, allerdings nicht containerisiertes System ist bei einem Partnerunternehmen in Ulm im Einsatz. Darüber hinaus verfolgen wir mit dem Ecore One mehrere Projekte gleichzeitig. Wir haben die Prototypenphase abgeschlossen und haben die Serienproduktion auf der The Smarter E Messe eingeläutet. Wir gehen da in den nächsten Monaten und Jahren auf einen echten Markthochlauf zu. Die Interessenten sind vorhanden. Übrigens ist schon die nächstgrößere Variante in der Entwicklung, der Ecore One XL.

H₂News: Wie sieht der weitere Plan aus?

Gruber:Ja, der FlashOne soll dezentrale Strom Dieselgeneratoren ersetzen. Die können dann – so ist der Plan – auch mit Wasserstoff aus unseres Wasserstoff-Hubs versorgt werden. Das ist aber momentan noch in der Entwicklung.

H₂News: Sowohl der Ecore One als auch Ihre Wasserstoff-Hubs zeichnen sich durch ihr markantes Design aus und stechen dadurch stark hervor. Womöglich ist auch das ein Faktor, den Stadtplaner attraktiv finden.

Gruber: Ja, absolut. Uns ist es wichtig, das ganze Thema Wasserstoff attraktiv zu gestalten – vor allem auch in der Außenwahrnehmung. Wir wollen, dass das Design den Charakter einer attraktiven Zukunftstechnologie unterstreicht. Gerade mit dem von Hadi Teherani Architects entworfenen Design des H2 Hubs in Neumünster stellen wir fest, welche Anziehungskraft das entfalten kann. Wir wollen in Neumünster auch ein Besucherzentrum integrieren, von dem aus man sich die Produktion vor Ort anschauen kann – Wasserstoff hautnah. Das war uns auch beim Ecore One wichtig, dass auch designaffine Nutzer das System mit Freude vor die Tür stellen. Heute sind die Anlagen ja oft einfache Industrie-Container, bei denen das Design kaum eine Rolle spielt.

Wasserstoff-Hub in Neumünster

Rendering des Wasserstoff-Hubs in Neumünster (© Infener AG)

H₂News: In Ihren Wasserstoff-Hubs wollen Sie auch über das Thema H2 informieren. Was ist das Konzept?

Gruber: Mit den Wasserstoff-Hubs verfolgen wir einen holistischen Ansatz: Dazu gehört, auch für die Nebenprodukte wie Sauerstoff und Wärme Anwendungen zu finden und dafür immer regionale Stakeholder miteinzubinden. Wir wollen, dass die Projekte vor Ort verankert sind, mit lokalen Partnern, und es eine wirkliche Akzeptanz der Bürger:innen vor Ort gibt. Hinzu kommt, dass die Hubs dezentral konzipiert sind. Das heißt, wir suchen uns die Energieversorger vor Ort und binden sie direkt in unsere Anlage ein, indem wir vor allem Überkapazitäten nutzen und so zugleich für eine Entlastung des Netzes sorgen.

H₂News: Legen Ihnen die Genehmigungsverfahren hier nicht Steine in den Weg?

Gruber: Die Genehmigungsverfahren sind in Deutschland sehr länderspezifisch. Das macht es schon kompliziert. Für einen Hochlauf wäre es hilfreich, wenn man die Prozesse deutschlandweit optimieren und durch Bürokratieabbau beschleunigen könnte. Die Resonanz der Kommunen auf unser Angebot ist aber hervorragend. Der Wille, eine lokale Wasserstoffproduktion aufzubauen, ist in der Regel sehr groß – größer als die bürokratischen Hürden. Sehr oft ist es sogar so, dass Vertreter von Kommunen auf uns zukommen und sagen, dass sie auch gerne so einen Hub hätten wie den, den wir in Neumünster planen. Es sind mittlerweile so viele Anfragen, dass wir sie kaum abarbeiten können. Es ist schön zu sehen, was wir da angestoßen haben. Für uns steht fest, dass Wasserstoff der energetische Backbone von Deutschland und Europa wird.

H₂News: Herr Gruber, vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Informationen zu Infener

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Ammoniak-Cracking: Wunder-Katalysator erzeugt Wasserstoff und Düngemittel
Ammoniak-Cracking: Wunder-Katalysator erzeugt Wasserstoff und Düngemittel

Doppelter Wasserstoff-Ertrag und Düngemittelproduktion: Ein Forschungsteam der Universitätsallianz Ruhr hat einen Katalysator gefunden, der das Ammoniak-Cracking revolutionieren könnte. Er soll Ammoniak in Wasserstoff und Nitrit umwandeln, das sich leicht zu Düngemittel weiterverarbeiten lässt. Dabei nutzen die Forschenden nach eigenen Angaben eine Technologie, die noch nie für diesen Zweck verwendet wurde.

mehr lesen
Neue Partnerschaft für SOEC-Stacks im Megawatt-Bereich
Neue Partnerschaft für SOEC-Stacks im Megawatt-Bereich

Mit bis zu 90 % bietet die SOEC einen deutlich höheren Wirkungsgrad als andere Elektrolyse-Technologien. Im Vergleich zu PEM und AEL steckt sie aber noch in den Kinderschuhen. Das will der österreichische Technologiekonzern AVL nun ändern: Gemeinsam mit dem estnischen Unternehmen Elcogen entwickelt er SOEC-Stacks im Megawatt-Bereich.

mehr lesen
Gasproduzent gründet H2-Joint Venture mit Automobilriesen aus Japan
Gasproduzent gründet H2-Joint Venture mit Automobilriesen aus Japan

Industriegashersteller Messer und Toyota Tsusho Europe haben ein Joint Venture gegründet. Die SympH₂ony GmbH will Unternehmen und Kommunen Lösungen für die Umstellung auf Wasserstoffmobilität anbieten. Die Idee: Toyota stellt Brennstoffzellenfahrzeuge zur Verfügung, die mit grünem Wasserstoff von Messer betrieben werden. Auch die Betankung und weitere Services wollen die Partner abdecken.

mehr lesen
„Wir wollen ein H2-Netz von den Niederlanden über Deutschland bis nach Dänemark schaffen“
„Wir wollen ein H2-Netz von den Niederlanden über Deutschland bis nach Dänemark schaffen“

Gasunie ist eines der größten Gastransportunternehmen Europas. In den letzten Jahren hat der niederländische Netzbetreiber nicht nur große Netzabschnitte auf Wasserstoff umgestellt, sondern auch eine schwere Versorgungskrise bewältigt. Über beides konnten wir mit Dr. Michael Kleemiß sprechen. Lesen Sie hier, wie der Manager für Großprojekte bei Gasunie Deutschland den Stopp der russischen Gaslieferungen im Frühjahr 2022 erlebte, und wie die Lösung der Krise mit dem H2-Hochlauf zusammenhängt.

mehr lesen

H2 Talk

Kleemiß
VOSS
Stefanie Kopchick, General Manager, Clean Energy Venture at The Chemours Company

Publikationen

Netzmeister 2023

Netzmeister 2023

Erscheinungsjahr: 2023

Für die Instandhaltung der Gas-, Wasser- und Fernwärmerohrnetze, die den mit Abstand größten Teil des Anlagevermögens von Versorgungsunternehmen ausmachen, trägt der Netzmeister die Verantwortung. Um den täglichen Anforderungen gerecht werden ...

Zum Produkt

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 2: Gebäude- und Messtechnik

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 2: Gebäude- und Messtechnik

Erscheinungsjahr: 2022

Das Buchreihe „Wasserstoff in der Praxis“ vermittelt Praktikern wichtige Informationen über den Stand der Technik und zukünftige Entwicklungen. Im 2. Band stehen die Themen “Gebäudetechnik” und “Messtechnik” im Fokus. ...

Zum Produkt

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 1: Infrastruktur

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 1: Infrastruktur

Erscheinungsjahr: 2021

Das Buchreihe „Wasserstoff in der Praxis“ vermittelt Praktikern wichtige Informationen über den Stand der Technik und zukünftige Entwicklungen. Im 1. Band werden die Herausforderungen dargestellt, die Wasserstoff an die Gasinfrastruktur und ...

Zum Produkt

Datenschutz
h2-news.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
h2-news.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: