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„Wir sehen eine klare Entwicklung hin zu modularen, skalierbaren Wasserstoffsystemen“

Wie lässt sich Wasserstoff effizient, sicher und skalierbar einsetzen? Pressure Control Solutions (PCS) setzt genau hier an – mit hochpräzisen Technologien für die Druckregelung in anspruchsvollen Anwendungen entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Im Interview spricht Sales Manager DACH Matthias Bogar über technische Herausforderungen, den Schutz von Membranen und die wachsende Bedeutung modularer Systeme.

von | 12.06.26

Matthias Bogar ist seit März 2019 Sales Manager Germany bei PCS.
© Pressure Control Solutions / Matthias Bogar
„Wir sehen eine klare Entwicklung hin zu modularen, skalierbaren Wasserstoffsystemen“

H₂News: Herr Bogar, wer genau ist Pressure Control Solutions (PCS) und woran arbeiten Sie?

Matthias Bogar: PCS ist Spezialist für hochpräzise Druckregelungstechnologien. Wir entwickeln und fertigen fortschrittliche Druckregelungslösungen für anspruchsvolle Prozessanwendungen, mit einem starken Fokus auf den Wasserstoffsektor. Unsere Mission ist es, die Grenzen konventioneller Druckregelung zu überwinden.

Für Wasserstoffanwendungen heißt das: sichere, effiziente und skalierbare Systeme durch hochpräzises und zuverlässiges Druckmanagement zu realisieren.

H₂News: Warum liegt Ihr Schwerpunkt auf dem Wasserstoffsektor – genauer gesagt auf grünem Wasserstoff?

Bogar: Wir haben früh erkannt, dass grüner Wasserstoff eine zentrale Rolle in der Energiewende spielen wird. 2019 haben wir begonnen, unsere Technologien an die Anforderungen von Elektrolyseuren und Brennstoffzellen anzupassen. Dieser Schritt war nicht durch Trends motiviert, sondern durch konkrete Fragestellungen unserer Kunden – insbesondere in Bezug auf Druckstabilität, Membranschutz und Gasreinheit.

Wasserstoffsysteme arbeiten in einem anspruchsvollen Betriebsbereich aus hohem Druck, hoher Dynamik und engen Toleranzen – ein Umfeld, in dem konventionelle Regelungslösungen oft an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Genau in dieser Lücke liegt unsere Kernkompetenz.

H₂News: Welche Vorteile bieten Ihre domgesteuerten Vordruckregler im Vergleich zu herkömmlichen Ventillösungen für Elektrolyseuranwendungen?

Bogar: Unsere domgesteuerten Vordruckregler bieten eine hohe Regelstabilität und Reaktionsgeschwindigkeit. Im Gegensatz zu konventionellen mechanischen Ventilen, die häufig unter Hysterese und trägem Regelverhalten leiden, halten sie den Druck auch bei schnellen Systemänderungen zuverlässig konstant. Das ist entscheidend, um empfindliche Komponenten wie Elektrolyseur-Membranen im Stack zu schützen und gleichzeitig eine stabile und effiziente Gastrennung sicherzustellen.

Hinzu kommt, dass die Produktionsgase oft komplex zusammengesetzt sind – beispielsweise aus heißem Wasserdampf, Sauerstoff und Wasserstoff. Bei alkalischen Systemen können zusätzlich KOH-Aerosole oder Kondensat in den Gasstrom gelangen. Unsere domgesteuerten Vordruckregler sind gezielt für diese Bedingungen ausgelegt. Die robuste Konstruktion sowie die Auswahl geeigneter Werkstoffe wie Edelstahl, Hastelloy oder Monel ermöglichen einen zuverlässigen Betrieb selbst in chemisch und thermisch hoch anspruchsvollen Umgebungen.

H₂News: Laut Ihrer Website erreichen Ihre Regler bei 50 bar eine Regelgenauigkeit von <0,1 % bei Druckdifferenzen von nur 10–100 mbar. Können Sie erläutern, wie das möglich ist?

Bogar: Die domgesteuerten Druckregler arbeiten mit einer direkt abdichtenden Membran. Diese nahezu reibungsfreie Konstruktion ermöglicht eine stabile Regelung – unabhängig von Laständerungen sowie während des Anfahrens und bei Sicherheitsabschaltungen. Selbst starke Schwankungen der Gasproduktionsrate lassen sich ohne Überschwingen oder Oszillation ausregeln, sodass die Differenzdrücke im Stack stabil bleiben.

In Kombination mit der EQ-DA-Serie kann ein geschlossener Regelkreis mit bis zu drei externen Sensoren realisiert werden – bei einer Abtastrate von bis zu 2,5 Messungen pro Millisekunde. Diese Daten werden in Echtzeit durch unsere proprietären Regelalgorithmen verarbeitet und ermöglichen schnelle sowie hochpräzise Anpassungen.

EQ-DA Pro Controller

Der EQ-DA Pro Controller. © Pressure Control Solutions

H₂News: Wie schützt dies Elektrolyseur-Membranen?

Bogar: In alkalischen Elektrolyseursystemen können Stack-Membranen sehr empfindlich auf Ungleichgewichte im transmembranen Differenzdruck reagieren. Ein zu hoher Differenzdruck kann zu Gasverunreinigungen und in der Folge zu Degradation oder sogar zu Schädigungen der Membran führen.

Die schnelle Reaktionszeit und die hohe Regelauflösung des EQ-DA stellen sicher, dass der Druck über die Membran hinweg stabil bleibt – selbst während des Anfahrens, Abschaltens oder bei Lastschwankungen. Dadurch wird die mechanische Belastung minimiert und die Lebensdauer der Membranen nachhaltig verlängert.

H₂News: Welche weiteren Produkte bieten Sie neben Elektrolyseurlösungen für die Wasserstoffindustrie an?

Bogar: Wir bieten darüber hinaus eine breite Palette weiterer Lösungen für die Wasserstoffindustrie an. Dazu gehören Anwendungen wie die Druckregelung in Brennstoffzellen-Prüfständen, die Reaktordruckregelung in LOHC-Prozessen sowie Lösungen für Kraftstoffinjektor-Prüfstände. Darüber hinaus adressieren wir anspruchsvolle Anwendungen wie die kryogene Druckregelung und die Druckregelung in Ammoniak-Cracking-Prozessen. Ergänzend kommen Lösungen zur Durchflussregelung von DI-Wasser sowie zur Dampfregelung in Gasbefeuchtern zum Einsatz. Auch im Bereich der Temperaturregelung verfügen wir über Erfahrung – beispielsweise in der Fischer-Tropsch-Synthese zur Herstellung von E-Fuel-Produkten.

H₂News: Welche wasserstoffspezifischen Zertifizierungen und Sicherheitsnormen erfüllen Ihre Produkte?

Bogar: Im Bereich Qualitätsmanagement bildet ISO 9001:2015 die Grundlage für unsere Wasserstoffanwendungen. Für mechanische Auslegung und Drucksysteme erfüllen unsere Lösungen die Anforderungen der ASME B31.3 – einschließlich Auslegung, Prüfung und hydrostatischer Validierung.

Darüber hinaus sind unsere Produkte gemäß ATEX 2014/34/EU als einfache Geräte für den Einsatz in explosionsgefährdeten Wasserstoffbereichen geeignet – vorausgesetzt, sie werden fachgerecht installiert. Im Hinblick auf die europäische Konformität fallen unsere Lösungen unter die Druckgeräterichtlinie (PED) und damit in den Anwendungsbereich für Wasserstoff als Fluid der Gruppe 1.

Bei den eingesetzten Werkstoffen setzen wir auf Materialien wie 316/316L, CF3M (1.4409), Hastelloy, Monel, Titan und Zirkonium, die sich durch ihre bewährte Beständigkeit in Wasserstoffumgebungen auszeichnen. Ergänzend bieten wir Sauerstoffreinigung an, die in bestimmten Wasserstoff- und Sauerstoffsystemen erforderlich ist.

H₂News: Welche F&E-Investitionen tätigt PCS für Elektrolyseurtechnologien der nächsten Generation?

Bogar: Wir investieren gezielt in die Weiterentwicklung unserer Software, insbesondere in adaptive Regelalgorithmen, die mehrere Systemgrößen – wie Temperatur, Durchflussrate und Druckdifferenzen – in eine integrierte Regelstrategie einbeziehen. Diese Ansätze ermöglichen es, das Regelverhalten dynamisch an sich verändernde Betriebsbedingungen anzupassen und komplexe Systeminteraktionen gezielt zu berücksichtigen. Dadurch wird der EQ-DA für Elektrolyseur-Stacks der nächsten Generation noch vielseitiger und robuster einsetzbar.

H₂News: Wie hat sich die Nachfrage nach Wasserstofflösungen in den letzten Jahren entwickelt und was erwarten Sie für die Zukunft?

Bogar: Die Nachfrage nach Wasserstofflösungen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, insbesondere in Europa und Asien. Dabei beobachten wir ein zunehmendes Interesse sowohl von etablierten Energieunternehmen als auch von technologiegetriebenen Start-ups.

Für die Zukunft erwarten wir eine klare Entwicklung hin zu modularen und skalierbaren Systemarchitekturen. Diese erfordern zunehmend intelligente und eng integrierte Regelungslösungen, die über klassische Ansätze hinausgehen. Genau auf diese Anforderungen ist der EQ-DA ausgelegt.

H₂News: Wo sehen Sie die größten technischen Herausforderungen bei der Druckregelung für die Wasserstoffindustrie?

Bogar: Eine der größten Herausforderungen in der Druckregelung für Wasserstoffanwendungen ist die Aufrechterhaltung einer hochpräzisen Regelung unter Hochdruck- und hochdynamischen Bedingungen – insbesondere in Systemen mit zyklischem Betrieb oder großen Lastbereichen, wie sie beispielsweise bei stark schwankender Energieverfügbarkeit im Kontext von Dunkelflauten auftreten. Hinzu kommt die langfristige Zuverlässigkeit in chemisch und mechanisch anspruchsvollen Umgebungen, die hohe Anforderungen an Werkstoffe und Systemdesign stellt.

Unser Fokus liegt darauf, diese Herausforderungen gezielt zu adressieren – und damit die Grundlage für stabile, effiziente und skalierbare Wasserstoffsysteme zu schaffen, durch Weiterentwicklungen in der Sensortechnik, der Regelungslogik sowie in der Werkstoffauswahl und -auslegung.

H₂News: Herr Bogar, vielen Dank für das Interview!

 

Hier finden Sie weitere Informationen über PCS

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