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Wasserstoff-Cluster Bergkamen: Bayer, E.on, Iqony und Westenergie unterzeichnen MoU

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Autor: Magnus Schwarz

Das Iqony-Gaskraftwerk in Bergkamen verfügt bereits über eine Infrastruktur zur Anlieferung und Speicherung von Ammoniak. Nun soll hier auch ein Cracker entstehen
© Iqony
Wasserstoff-Cluster Iqony Eon Bergkamen

08. Januar 2024 | Bayer, E.ON, Iqony und Netzbetreiber Westenergie planen ein Wasserstoff-Cluster im nordrhein-westfälischen Bergkamen. Darüber haben die Unternehmen jetzt ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet. Geplant ist, grünen Wasserstoff auf Basis von importiertem Ammoniak zu erzeugen. Anschließend soll er zur weiteren Verwendung in den Bayer-Industriepark Bergkamen weitergeleitet werden. Hierfür ist auch der Bau einer neuen Pipeline vorgesehen. Bis Ende Juni 2024 sollen erste Ergebnisse einer geplanten Machbarkeitsstudie vorliegen.

Sollte sich das Projekt nach der Prüfung als machbar erweisen, wollen die Partner hier laut einer gemeinsamen Presseerklärung die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette inklusive Vermarktung abdecken. Bis Ende Juni 2024 soll und dann gemeinsam zu entscheiden, wie es mit dem Vorhaben insgesamt weitergehen wird.

Bereitstellung und Logistik des Ammoniaks werde dabei der Energiekonzern E.on mit SItz in Essen übernehmen. Auch der Vertrieb des Wasserstoffs fiele in seinen Aufgabenbereich. Nach eigenen Angaben will E.on zudem über den Industriepark hinausgehende Nutzungs- und Vermarktungsoptionen prüfen.

Die erst Ende 2022 gegründete Iqony Solutions werde unter anderem die Speicherung des Ammoniaks übernehmen sowie die Anlage zur Aufspaltung in grünen Wasserstoff (einen so genannten “Ammoniak-Cracker”) bauen und betreiben. Dazu betreue das Unternehmen auch die Maßnahmen zur Vorbereitung des nahegelgenen Bayer-Standorts.

Ammoniak-Infrastruktur vorhanden

Teil des Projekts sei auch der Bau einer Pipeline, die den gewonnenen Wasserstoff vom geplanten Ammoniak-Cracker am Iqony-Standort zum Bayer-Industriepark transportiert. Netzbetreiber und E.on-Tochter Westenergie soll den Bau dieser Pipeline prüfen, wobei der Fokus auf der technischen Machbarkeit und genehmigungsrechtlichen Fragen liege.

Als Vorzug des Wasserstoff-Clusters nennen die Unternehmen das Potenzial zur Dekarbonisierung der umliegenden Industrie. Der geplante Projektstandort befindet sich zudem strategisch günstig am Datteln-Hamm-Kanal. Hier verfügt Projektpartner Iqony bereits über die technische Infrastruktur zur Anlieferung und Speicherung von Ammoniak inklusive eines Tankschiffs für den Betrieb seines direkt am Kanal gelegenen Kraftwerks.

Iqony-CEO Andreas Reichel unterstrich, dass die mittelfristig benötigten Wasserstoffmengen nicht ausschließlich im Inland erzeugt werden könnten:

„Vielmehr braucht es Importe und eine funktionierende Importinfrastruktur, damit der benötigte Wasserstoff in Zukunft sicher und verlässlich bereitgestellt werden kann. Das Wasserstoff-Cluster Bergkamen ist ein Beitrag, eine solche Importinfrastruktur zu realisieren.“

Wasserstoff-Cluster: Abnahme und Verwertung inbegriffen

Eine Besonderheit des Vorhabens: Über den Projektpartner Bayer wären auch die Abnahme- und Verwertung des Wasserstoffs von Beginn an abgebildet. Hierzu erklärt Dr. Dieter Heinz, Leiter Site Management & Infrastructure Services in der Bayer-Division Pharmaceuticals:

Grüner Wasserstoff aus Ammoniak kann für uns zu einem weiteren wichtigen Baustein werden, um bis 2030 ein klimaneutraler Standort zu sein und unserem langfristigen Ziel von Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2050 näherzukommen. Wir bringen die Sicht eines künftigen Anwenders im Industriepark Bergkamen in das Gemeinschaftsprojekt ein.“

Die Pläne für ein Wasserstoff-Cluster decken sich außerdem mit dem Ziel kommunaler Akteure, am östlichen Rand des Ruhrgebiets eine regionale Wasserstoffwirtschaft aufzubauen. So lasse sich die Wirtschaft der Region „mittel- und langfristig sichern und zukunftsfest machen”, so Mario Löhr, Landrat des Kreises Unna. Pläne für die Errichtung eines Wasserstoff Zentrums in Hamm existieren seit über einem Jahr.

Modellprojekt für ammoniakbasierte Wasserstoffversorgung

Auch Katherina Reiche, Vorstandsvorsitzende von Westenergie und Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats der Bundesregierung, hob die “günstigen Rahmenbedingungen” des Standortes hervor. Aufgrund seiner Nähe zu Chemieindustrie und Transportinfrastruktur sei er „nahezu ideal, um die Chancen und Herausforderungen einer ammoniakbasierten Wasserstoffversorgung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu analysieren.“

Für E.on besitze das Projekt im Hinblick auf die künftige Versorgung der heimischen Industrie mit Wasserstoff Vorbildcharakter. Dr. Gabriël Clemens, Geschäftsführer der E.ON-Tochter E.ON Hydrogen, erklärte, dass das Projekt den Aufbau einer funktionierenden Wasserstoffwirtschaft entscheidend vorantreiben könne:

„Unser Ziel ist es, unsere Kunden möglichst zeitnah und unkompliziert mit Wasserstoff zu beliefern, um sie bei ihrer grünen Transformation zu unterstützen. Insbesondere für die Chemieindustrie ist dies von großem Interesse, da die Unternehmen den Wasserstoff stofflich verwerten können. Insgesamt planen wir, unseren Kunden in diesem Cluster mehrere Tausend Tonnen Wasserstoff pro Jahr zur Verfügung zu stellen.”

 

(Quelle: Iqony/2023)

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