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Kunststoff-Rohrleitungssysteme für die Wasserstoffwirtschaft. Interview mit Rachel Bros de Puechredon, GF Piping Systems

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Autor: Magnus Schwarz

Rachel Bros de Puechredon ist seit September 2022 bei GF Piping Systems
© GF Piping Systems
Bros de Puechredon

5. Juni 2024 | Rachel Bros de Puechredon ist Senior Business Development Manager Hydrogen beim schweizerischen Hersteller von Rohrleitungssystemen GF Piping Systems. Markenzeichen der Wasserstoffprodukte des Unternehmens ist die konsequente Verwendung von Kunststoff anstelle von Stahl. Welche Vorteile dies für Transport und Speicherung von Wasserstoff bietet und in welchen Segmenten der Wasserstoff-Wertschöpfungskette GF Piping aktiv ist, verrät die Wasserstoff-Expertin im Interview mit H2News.

H₂News: Welche Rolle spielt Wasserstoff für die Energieversorgung der Zukunft?

Rachel Bros de Puechredon: Zunächst ist wichtig hervorzuheben, dass Wasserstoff grundsätzlich nicht „neu“ ist, sondern 1766 entdeckt wurde. Heute kommen jährlich bereits 100 Megatonnen in diversen Industrien zum Einsatz. Es gibt jedoch ein zentrales Problem: Über 90% des verfügbaren Wasserstoffs werden immer noch mit fossilen Brennstoffen erzeugt. Um das echte Potenzial zu entfesseln, müssen wir den Fokus auf grünen Wasserstoff legen. Das grüne H2 Molekül wird eine signifikante Rolle in der zukünftigen Energieversorgung spielen, denn es kann fast alle Sektoren dekarbonisieren und die Energiesicherheit sowie die Integration erneuerbarer Energien verbessern, indem es als Speicher für periodische Energiequellen fungiert. Die Wirkung hängt jedoch von kontinuierlichen technischen Fortschritten und insbesondere der politischen Förderung sowie Investitionen in die Infrastruktur ab. Unser Ziel bei GF Piping Systems ist, Wasserstoff auf der technischen Seite zu unterstützen, also in den Bereichen Produktion, Anwendung und Verteilung.

H₂News: Was sind die größten Herausforderungen für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft?

Bros de Puechredon: Die Skalierung der grünen Wasserstoffwirtschaft (sowie der Energiewende im Allgemeinen) sieht sich mit einigen bekannten Herausforderungen konfrontiert, wie z.B. die Kosten der Produktion, technische Reife, Langlebigkeit, der Einsatz erneuerbarer Energien, Infrastruktur, Sicherheit und gesellschaftliche Akzeptanz, Wasserknappheit, der politische und gesetzliche Rahmen, usw. Ich persönlich bin der Überzeugung, dass keine dieser Herausforderungen unlösbar ist. Ich widme mich seit 10 Jahren der Wasserstoffwirtschaft und habe in allen Bereichen große Erfolge erlebt, insbesondere technische Fortschritte und politisches Engagement. Für mich besteht das größte Hindernis darin, diese Herausforderungen auf einer globalen Ebene anzugehen und zu koordinieren. Synchronizität ist der Schlüssel, um Wasserstoff als einen Grundpfeiler unseres zukünftigen Energiemixes zu entfesseln. Ohne diese gemeinsamen Anstrengungen sind wir in einer nie endenden Diskussion zu Themen wie der Wirtschaftlichkeit gefangen.

In Elektrolyseuren kommen aggressive Chemikalien wie Kalilauge zum Einsatz, weshalb die verkauten Komponenten ein hohes Maß an Korrosionsbeständigkeit aufweisen müssen (© GF Piping Systems)

H₂News: Welche Wasserstoffprojekte finden Sie persönlich besonders spannend? 

Bros de Puechredon: Ich finde Projekte spannend, die von engagierten Vereinigungen initiiert und angeführt werden wie z.B. „Hydrogen Valleys and Hubs”, bei denen Stakeholder gemeinsam Dinge umsetzen. Daher ist GF Piping Systems Mitglied in Organisationen wie Hydrogen Europe, NWBA in den Niederlanden und DVGW in Deutschland. Ich freue mich jedes Mal, wenn konkrete Projekte Meilensteine publizieren. Ich glaube, sie spielen eine essenzielle Rolle, um die Umsetzbarkeit zu demonstrieren – ungeachtet der Wirtschaftlichkeit. In meiner Position bei GF Piping Systems verfolge ich viele globale Projekte, vor allem aber NEOM, Holland Hydrogen, H2Energy, HH2H, ARCH2, SKREI, Lingen, Bilbao, vHyGo etc. Mich beeindrucken außerdem Länder wie Australien, Argentinien, Chile oder Japan, die unerwartet die Chance genutzt haben, sich zu globalen Playern und Spitzenreitern beim grünen Wasserstoff zu entwickeln.

H₂News: Wieso setzen Sie auf Rohrleitungen aus Kunststoff statt aus Stahl?

Bros de Puechredon: Ganz einfach! Wie bei vielen anderen industriellen Rohrleitungssystemen spielt die Reinheit eine wichtige Rolle. Jegliche Verunreinigungen innerhalb der Rohre führen zu einer beschleunigten Abnutzung und damit auch zu längeren Ausfallzeiten und höheren Wartungskosten. Stahlrohre leiden besonders an Korrosion durch gelöste Ionen. Polymer-Rohre können hingegen die Lebensdauer von Wasserstoffanwendungen (z.B. Stacks) aufgrund ihrer hohen Korrosions- und Chemikalienbeständigkeit verbessern. Dies ist besonders wichtig, denn eine bessere Lebensdauer hat einen direkten Einfluss auf die Betriebskosten. Durch unsere Erfahrung in Sektoren wie der Mikroelektronik, der chemischen Prozessindustrie und Wasseraufbereitung können wir ein breites Spektrum an Produkten und Dienstleistungen anbieten, welche die Gesamtkosten der Wasserstoffproduktion senken. Etablierte Systeme wie ELGEF Plus und MULTI/JOINT® 3000 Plus wurden bereits vom DBI und von der KIWA für die 100%ige Nutzung von Wasserstoff zertifiziert.

H₂News: Ihre Rohrleitungen lassen sich in Produktion, Nutzung und Verteilung von Wasserstoff einsetzen. Welche Projekte würden Sie hervorheben, und in welchem Bereich gibt es die größte Nachfrage? 

Rohrleitungen sind eine Schlüsselkomponente von Elektrolyseanlagen (© GF Piping Systems)

Bros de Puechredon: Rohrleitungssysteme werden in allen Anwendungen entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette benötigt. Unsere Lösungen, die Rohre, Fittings und Ventile bis hin zu Mess- und Regeltechnik umfassen, sind also ein Teil der gesamten Reise. Über alle diese Bereiche hinweg transportieren Rohrleitungssysteme diverse Medien mit unterschiedlichsten Temperaturen, Drücken und Durchflussraten. Die Materialauswahl bei Rohren ist daher eine oft unterschätzte Angelegenheit. Im Bereich der Produktion decken wir Entsalzungsanlagen, Wasseraufbereitung und Elektrolyseure ab, und wir bieten Lösungen für Brennstoffzellen, Transportleitungen und Wasserstoffspeicher. Aktuell kommt die stärkste Nachfrage von Unternehmen, die Elektrolyseure herstellen, denn sie wollen die Langlebigkeit und Effizienz ihrer Anlagen verbessern, um die Gesamtbetriebskosten zu senken. Sie haben erkannt, dass Kunststoffrohrleitungssysteme dafür eine effektive Lösung sind, und wir haben daher alle Hände voll zu tun.

Zum Wasserstoff-Portfolio von GF Piping Systems

Auf der ACHEMA 2024 können Sie sich in Halle 8.0, Stand E64 ein Bild vom Produktportfolio von GF Piping Systems machen.

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