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Bundestagswahl 2025: Die Parteien im Interview

In 10 Tagen findet die Bundestagswahl 2025 statt. Dazu haben wir bereits eine Übersicht der wasserstoffpolitischen Positionen aller im Bundestag vertretenen Parteien aus den Wahlprogrammen erstellt. Doch was genau sagen die Parteien zum Thema Wasserstoff? Wir haben nachgefragt. Leider haben die Grünen und das BSW unsere Fragen nicht beantwortet, die AfD und die Linke haben gar nicht auf unsere Anfrage reagiert.

von | 13.02.25

Die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag findet am 23. Februar 2025 statt
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Bundestagswahl 2025: Die Parteien im Interview

Unsere Zusammenfassung der wasserstoffpolitischen Positionen der Parteien aus den Wahlprogrammen für die Bundestagswahl 2025 finden Sie hier.

Welche Bedeutung hat Wasserstoff für die Energie- und Wirtschaftspolitik der ihrer Partei?

CDU: Wasserstoff ist zentral für eine klimaneutrale Wirtschaft. Deshalb brauchen wir einen schnellen, pragmatischen und technologieoffenen Hochlauf. Nur mit Wasserstoff oder ähnlichen synthetischen Energieträgern werden wir unseren Energiebedarf hinreichend bedienen und unsere Klimaschutzziele erreichen. Wir arbeiten daran, dass Deutschland die Wasserstoffdrehscheibe Europas wird. Bis grüner Wasserstoff Mitte des Jahrhunderts ausreichend zur Verfügung steht, nutzen wir für den Wasserstoff-Hochlauf auch die Potentiale von anderen kohlenstoffarmen Wasserstoffarten. In der Industrie werden Treibhausgase bei einigen Prozessen aber auch dann noch anfallen. Die Lösung dafür lautet Kohlenstoffmanagement, wobei wir CO₂ abscheiden, als Rohstoff nutzen oder dauerhaft einlagern.

SPD: Wasserstoff hat höchste Relevanz für die Energieversorgungssicherheit, die Integration der Erneuerbaren Energien, für die Sektorkopplung und damit für die gesamte Transformation unserer Wirtschaft. Das macht ihn zu einem maßgeblichen Baustein der Energiewende. Wir werden Wasserstoff einerseits als Substitut für Kohle, Erdöl und Erdgas in der Stahl- und der Chemieindustrie. Gleichzeitig brauchen wir Wasserstoff, um in Kombination mit weiteren Nutzungsformen Erneuerbarer Energien unsere Strom- und Wärmeerzeugung wie auch unsere Mobilität zu defossilisieren. In Zeiten von einem hohen Anteil Erneuerbarer Energien im Strommix wird auch seine Rolle als Energiespeicher von Bedeutung sein. Wasserstoff kann damit einen wichtigen Beitrag zur industriellen Wertschöpfung leisten, Arbeitsplätze sichern und neu schaffen. Damit trägt er nicht nur zur Klimaneutralität, sondern auch zur wirtschaftlichen Stabilität Deutschlands bei.

FDP: Wasserstoff und eine leistungsfähige Wasserstoffinfrastruktur sind zentraler Baustein für eine klimaneutrale Energieversorgung und eine wettbewerbsfähige deutsche Industrie. Wasserstoff kann eine Schlüsselrolle in der energieintensiven und schwer zu dekarbonisierenden Industrie spielen sowie als Speicher erneuerbarer Energien. Die Wasserstoffwirtschaft hat großes Potenzial für Innovation, Wertschöpfung und zukunftsfähige Arbeitsplätze. Wir setzen technologieoffen und pragmatisch auf marktwirtschaftliche Anreize, um Deutschland als führenden Standort für Wasserstofftechnologien zu etablieren.

Mit welchen konkreten Maßnahmen will ihre Partei den Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft beschleunigen?

CDU: Für den Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft müssen wir pragmatisch vorgehen. Wir müssen Synergien heben. Dafür legen wir ein besonderes Augenmerk auf den integrierten und grenzüberschreitenden Netzausbau sowie auf eine effiziente Verknüpfung des Ausbaus von Erneuerbaren Energien, Netzen und Speichern. Bei Strom-, Wärme-, Gas-, Wasserstoff und CO₂-Infrastruktur setzen wir auf Standardisierung und gemeinsamen Ausbau. Bei der Wasserstoffproduktion müssen wir sämtliche „Wasserstofffarben“, also sämtliche Erzeugungsarten, in den Blick nehmen, die emissionsarm und perspektivisch emissionsfrei sind. Daher entwerfen wir ein größeres, „bunteres“ Bild. Auch die Wasserstoff-Infrastruktur muss entschlossen ausgebaut und europäisch vernetzt werden. Kurzum: Breite Anwendungsfelder für Wasserstoff eröffnen Chancen für einen dynamischen Markthochlauf.

SPD: Die Transformation kann nur mit einer leistungsstarken und modernen Infrastruktur gelingen. Mit dem Startschuss für das Wasserstoff-Kernnetz ist ein zentraler Schritt erfolgt, aber natürlich dürfen wir hier nicht stehen bleiben. Eine leistungsfähige Infrastruktur ist gleichzeitig Voraussetzung für das Entstehen von Vertrauen am Markt. Das brauchen wir, um die dringend benötigten Investitionen in den Hochlauf zum Laufen zu bringen und den Wasserstoff in die Wirtschaftlichkeit zu führen. Wir müssen deshalb in den kommenden Jahren entschieden in den Infrastrukturaufbau investieren, um die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts zu sichern. Zur Finanzierung möchten wir einen Deutschlandfonds schaffen, um sowohl öffentliche als auch private Gelder zu mobilisieren. Auch der Aufbau ausreichender Speicherkapazitäten wird von herausragender Bedeutung sein. Darüber hinaus braucht es eine Weiterführung und Stärkung von Instrumenten zur Angebots- und Nachfrageförderung. Die Einführung von Leitmärkten für grünen Stahl halten wir für ein zielführendes Instrument, um eine stabile Nachfrage für Wasserstoff zu schaffen. Europäische Initiativen wie der vom Bundeskanzler vorangetriebene „Klimaklub“ helfen außerdem bei der internationalen Harmonisierung von Standards und Zertifizierungssystemen.

FDP: Mit der Durchsetzung eines privaten Finanzierungsmodells für das Wasserstoffkernnetz haben wir Freie Demokraten bereits Weichen für einen schnellen Auf- und Ausbau der Infrastruktur von Wasserstoff gestellt – hier ist aber weiterhin Luft nach oben. Wir setzen auf schnellere Genehmigungsverfahren für Elektrolyseure, marktwirtschaftliche Anreize für Investitionen und klare regulatorische Rahmenbedingungen. Zudem wollen wir internationale Energiepartnerschaften und Forschungskooperationen stärken mit Ländern wie Israel, Australien und Namibia, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die Kosten zu senken.

Der Wasserstoffbedarf der deutschen Wirtschaft wird auf 90-110 TWh im Jahr 2030 geschätzt. Wie will ihre Partei eine verlässliche Versorgung sicherstellen, und wie sehen Sie in diesem Zusammenhang das Verhältnis von inländischer Produktion zu Importen?

CDU: Wasserstoff ist der Dekarbonisierungshebel für nicht elektrifizierbare Bereiche. Es wird zunehmend darum gehen, die Elektrolysekapazitäten bei uns im Land auszuweiten und so die Wasserstoffproduktion im Land weiter hochzufahren. Gleichermaßen gilt, dass der Wasserstoffbedarf nicht nur heimisch gedeckt werden kann. Aufgrund des steigenden Importbedarfs braucht Deutschland diversifizierte und verlässliche Lieferstrukturen. Gemeinsam mit den Partnerländern der Europäischen Union vereinbaren wir als Wasserstoffunion global diversifizierte Lieferverträge mit verlässlichen Ländern. Mit Entwicklungs- und Schwellenländern vereinbaren wir breit aufgestellte internationale Wasserstoffpartnerschaften, die wir mit Technologietransfer initiieren und als Entwicklungspartnerschaften auf- und ausbauen. Damit sich Handelsplätze und geografische Lieferzonen für Wasserstoff schnell etablieren können, braucht es einen schnellen Hochlauf der internationalen Wasserstoffproduktion und -nutzung/anwendung sowie einer funktionierenden Infrastruktur. Dafür bedarf es einer pragmatischen und den weltweiten Wasserstoffmärkten angepassten Regulierung. Die Infrastrukturen für den Wasserstoffimport und seine Verteilung im EU-Binnenmarkt müssen entsprechend ausgebaut werden. Klar ist für uns in Deutschland: Alle Wirtschaftsregionen müssen vom Wasserstoffkernnetz erreicht werden, es darf keine Benachteiligung einzelner Regionen geben. Uns ist auch hier – wie in anderen Bereichen der Energiepolitik – die europäische Perspektive sehr wichtig: Der Wasserstoffhochlauf wird nur im europäischen Kontext erfolgreich sein und eine verlässliche Versorgung sicherstellen.

SPD: Um den Wasserstoff-Bedarf der deutschen Wirtschaft zu decken, wird auch auf Importe gesetzt – zunächst schiffsbasiert, perspektivisch insbesondere leitungsgebunden über die im Aufbau befindlichen europäischen Importkorridore. In der Importstrategie ist hierbei richtigerweise das Ziel einer breiten Diversifizierung von Energiepartnerschaften angelegt. Es darf allerdings nicht zu einer maßgeblichen Fokussierung auf den Import kommen, die zu einer Vernachlässigung des nationalen Potenzials führen würde. Denn es wäre fahrlässig, vermeidbare Importabhängigkeiten einzugehen und heimische Elektrolysekapazitäten zu vernachlässigen. Weitere heimische Mengen lassen sich durch entsprechende Rahmenbedingungen generieren, auch durch entsprechende Investitionsanreize – und Investitionssicherheiten, sowie die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren.

FDP: Deutschland wird langfristig auf Importe angewiesen sein, da der Eigenbedarf auch bei voller Ausschöpfung unserer Potenziale nicht vollständig gedeckt werden kann. Wir treiben daher den Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur voran, inklusive Pipelines nach Norwegen, Portugal, Spanien und Frankreich sowie Importterminals an unseren Küsten. Zudem müssen wir internationale Energiepartnerschaften und Forschungskooperationen stärken mit Ländern wie Israel, Australien und Namibia. Gleichzeitig setzen wir uns für eine technologieoffene Nutzung verschiedener Wasserstoffarten ein, um eine sichere und wirtschaftliche Versorgung zu gewährleisten und im Rahmen des europäischen Zertifikatehandels die Klimaziele 2050 effizient zu erreichen. Für einen schnellen Aufbau und Hochlauf des Wasserstoffmarktes ist es vorerst notwendig, pragmatisch auch andere Farben von Wasserstoff zu nutzen.

Welche wasserstoffbezogenen Initiativen hat ihre Partei bereits gestartet bzw. unterstützt?

CDU: Bereits 2020 hat die unionsgeführte Bundesregierung die Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet und den Nationalen Wasserstoffrat eingerichtet. Leider wurde beides von der Ampelregierung nicht so weitergeführt, wie wir uns dies erhofft hatten. Vorhandene Expertise blieb die letzten drei Jahre nahezu ungenutzt. Wie in vielen anderen Politikfeldern legte die Ampel auch im Bereich Wasserstoff lieber eine Fortschreibung der Strategie vor, als bei der Umsetzung in der Breite voranzukommen. Die Ampel agierte halbherzig und dirigistisch, hat den dringend notwendigen Wasserstoff-Hochlauf mit Ideologie und Überregulierung belastet und verlangsamt. Als CDU/CSU-Bundestagsfraktion haben wir mit Nachdruck für ein breites Wasserstoffkernnetz mobilisiert, da die Ampel-Regierung hier die Dekarbonisierung der Wirtschafts- und Industrieregionen scheinbar aus dem Blick verloren hatte. Anders lässt sich nicht erklären, weshalb bei der Planung des Wasserstoffkernnetz ganze Bundesländer umgangen wurden.

SPD: Neben dem in der Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie erweiterten Ausbauziel von 10 GW heimischer Elektrolysekapazität bis 2030 haben wir in der laufenden Legislaturperiode im Parlament mit dem „Antrag zu maritimer Souveränität in der Zeitenwende“ die Ausweisung weiterer Flächen für die Offshore-Wasserstoffproduktion auf Basis des Ausbauziels von mindestens 10 GW auf See verankert. Mit einer Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes haben wir die Details zur Finanzierung des Kernnetzes geregelt und darüber hinaus eine ordentliche, regulierte Wasserstoffnetzplanung implementiert sowie einen integrierten Netzentwicklungsplan für Erdgas und Wasserstoff eingeführt.

Mit den 37. BImschV-Novelle wurden einheitliche Vorgaben für die Herstellung und Zertifizierung von grünem Wasserstoff und E-Fuels festlegt. Die Zertifizierung schafft eine höhere Transparenz und finanzielle Sicherheit für Wasserstoffprojekte und reizt dadurch Investitionen in die Produktion erneuerbarer Gase an. Mit dem Windenergie-auf-See-Gesetz wurden Anlagen zur Wasserstofferzeugung auf See in das „überragende öffentliche Interesse“ gestellt. Auch der vor gut einem Jahr neu geschaffene § 13 k EnWG, der sektorkoppelnde Wasserstoffgewinnung durch andernfalls abgeregelte Strommengen anreizt, zählt zu einem wertvollen neuen Instrument zur Wasserstoffgewinnung. Allerdings kommt es bislang noch nicht hinreichend zur Anwendung. Gesetzlich sind (abweichend von auf zwei Jahre befristeten pauschalierten Ausschreibungen) zeitlich unbefristet Ausschreibungen vorgesehen. Aus der Abweichens-Regel wurde aber leider entgegen der gesetzlichen Maßgabe eine befristete Umsetzung – mit der anzunehmenden Folge geschmälerter Investitionsanreize. Und auch die massiven Ausbauerleichterungen für Erneuerbare Energien müssen erwähnt werden: Je mehr Strom aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden kann, desto mehr Ermöglichung liegt darin auch für grünen Wasserstoff.

FDP: Wir haben mit dem privat finanzierten Wasserstoffkernnetz entscheidende Weichen für eine schnelle Skalierung gestellt. Wir haben konkrete Vorschläge, wie das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz noch ambitionierter gestaltet werden kann, um so den Hochlauf weiter zu beschleunigen und Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich zu verkürzen. In der Bundesregierung setzten wir uns zuletzt für technologieoffene Förderung und internationale Wasserstoffpartnerschaften ein.

 

Zusammenfassung Wahlprogramme

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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