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EU aktualisiert PCI-Liste: 100 Wasserstoffprojekte erhalten Sonderstatus

Die Europäische Kommission hat am 1. Dezember 2025 die aktualisierte Liste der Projects of Common Interest (PCI) und Projects of Mutual Interest (PMI) veröffentlicht. Insgesamt 235 grenzüberschreitende Energieprojekte erhalten dadurch beschleunigte Genehmigungsverfahren und den Zugang zu EU-Fördermitteln. Unter den ausgewählten Energieprojekten sind 100 Wasserstoffprojekte.

von | 03.12.25

Mit der Überarbeitung der TEN‑E‑Verordnung 2022 wurden Wasserstoff- und Elektrolyseurprojekte erst als förderfähige Kategorien für PCI zugelassen.
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PCI

Die EU-Kommission überarbeitet die Liste der PCI und PMI alle zwei Jahre. Die aktualisiert Liste löst nun die bisherige sechste Liste ab, die im April 2024 in Kraft trat. Seit der Einführung der neuen TEN-E-Verordnung von 2022 ist sie die zweite ihrer Art.

Unter den 235 ausgewählten grenzüberschreitenden Energieprojekten befinden sich 113 Strom-, Offshore- und intelligente Stromnetzprojekte, 100 Wasserstoff- und Elektrolyseurprojekte, 17 CO₂-Transportinfrastrukturprojekte sowie drei Projekte für intelligente Gasnetze. Hinzu kommen zwei Projekte, die Malta und Zypern mit dem europäischen Festlandgasnetz verbinden.

41 Projekte mit Deutschland-Bezug

Mit Bezug zu Deutschland sind in der neuen Liste 22 PCI- und PMI-Wasserstoff-Vorhaben. Die Wasserstoffprojekte umfassen 15 Pipelines, drei Terminals, zwei Speicher und zwei Elektrolyseure.

Der PCI-Status bringt den Projekten beschleunigte Genehmigungs- und Planungsverfahren sowie Zugang zu Fördermitteln aus der Connecting Europe Facility (CEF). Seit 2014 wurden über die CEF-Energie acht Milliarden Euro für Leitprojekte bereitgestellt. Für den mehrjährigen Finanzrahmen 2028-2034 schlug die Kommission eine Aufstockung des CEF-Haushalts für Energie von 5,84 Milliarden Euro auf 29,91 Milliarden Euro vor.

Drei EWE-Speicher erhalten PCI-Status

Zu den aufgenommenen deutschen Projekten gehören drei geplante Wasserstoffspeicher des Energieversorgers EWE an den Standorten Huntorf, Jemgum und Rüdersdorf bei Berlin. In den Vorhaben will der Konzern bestehende Gaskavernen für die Speicherung von Wasserstoff umrüsten. EWE-CEO Stefan Dohler betont die Bedeutung der Speicher für das Wasserstoffsystem. Nur mit Wasserstoffkavernen könne das grüne Gas künftig bedarfsgerecht zwischengespeichert werden – unerlässlich für die Überbrückung von Zeiten mit geringer Erzeugung von erneuerbarer Energie. Peter Schmidt, Geschäftsführer der EWE Gasspeicher GmbH, erklärt, dass ein klarer Förder- und Finanzierungsrahmen notwendig sei, damit Speicher nicht zum fehlenden Glied des Wasserstoffsystems werden.

Die drei Standorte befinden sich in einer frühen Projektphase. Eine Investitionsentscheidung ist mit dem PCI-Status nicht verbunden. Aktuell bereite der Energieversorger die Vorhaben vor, um zentrale Planungsschritte anzustoßen. Die Kavernen in Huntorf und Jemgum gehören bereits zu den größten Energiespeicherstandorten in Deutschland. Rüdersdorf liegt nahe Berlin und soll die Versorgung urban-industrieller Cluster sichern.

Die Projekte sind Teil des EWE-Programms „Clean Hydrogen Coastline”, das Erzeugung, Speicherung und Transport in Nordwestdeutschland vernetzt. Neben den Speichern gehören eine 320-MW-Elektrolyseanlage in Emden und eine Pipeline-Infrastruktur als Teil des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes dazu.

Weitere deutsche Speicherprojekte auf der Liste

Neben den EWE-Speichern enthält die Liste weitere deutsche Wasserstoffprojekte. Der Speicher SaltHy Harsefeld von Storengy Deutschland erweitert einen bestehenden Erdgasspeicher um Salzkavernen für etwa 14.000 Tonnen Wasserstoff. Das Speichervolumen einer Kaverne reiche aus, um den Bedarf eines regionalen Stahlwerks von 140 Tonnen Wasserstoff pro Tag für rund zwei Monate abzudecken.

RWE Gas Storage West plant in Gronau-Epe die Erweiterung einer Wasserstoffspeicheranlage um 43,5 Millionen Kubikmeter Nutzungskapazität. Das Projekt ist als zweite Baustufe einer bereits im Bau befindlichen Anlage konzipiert und umfasst zwei zusätzliche Kavernen sowie eine weitere obertägige Anlage.

Deutsche Pipelineprojekte mit PCI-Status

Als eines der Pipelineprojekte wurde der „Baltic Sea Hydrogen Collector ausgewählt. Dieser soll künftig Schweden und Finnland mit Deutschland über eine 1.250 Kilometer lange Offshore-Wasserstoffleitung verbinden. Die Transportkapazität wird laut Erbauer bei bis zu 17 Gigawatt oder 4,5 bis 5 Megatonnen Wasserstoff pro Jahr liegen.

Auch das Projekt „H2 Backbone WAG + Penta-West” von Gas Connect Austria hat die EU-Kommission ausgewählt. Die Wasserstoffpipeline soll künftig den bidirektionalen Transport von rund 150 Gigawattstunden Wasserstoff pro Tag zwischen Österreich, der Slowakei und Deutschland ermöglichen.

Darüber hinaus wurden auch die Einzelprojekte des SoutH2 Corridor erneut von der Kommission in die PCI-Liste aufgenommen. Der rund 3.300 Kilometer lange Korridor bildet eine Importachse für erneuerbaren Wasserstoff aus Nordafrika und dem südlichen Mittelmeerraum. Der SoutH2 Corridor besteht aus vier koordinierten Projekten der Fernleitungsnetzbetreiber Bayernets, Gas Connect Austria, TAG und Snam Rete Gas.

Außerdem wurde der nordafrikanische H₂-Backbone als PMI in die Liste aufgenommen. Der Offshore-Abschnitt von Cap Bon in Tunesien nach Mazara del Vallo in Italien, entwickelt von SeaCorridor, bildet eine Verbindung zwischen den Wasserstoffproduktionszentren in Nordafrika und dem Netzwerk des SoutH2 Corridors.

Auch das Projekt HyPipe Bavaria – The Hydrogen Hub von Bayernets ist als PCI ausgezeichnet worden. Das Vorhaben soll ein integraler Knotenpunkt des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes und des European Hydrogen Backbones werden. Es verbindet Wasserstoff-Produktionsregionen mit industriellen Abnahmezentren in Süddeutschland. Der geplante etwa 300 Kilometer lange Leitungsverlauf besteht zu rund 95 Prozent aus umgerüsteten Gasleitungen. Matthias Jenn, Geschäftsführer der Bayernets GmbH, betont die Rolle des Projekts für Wasserstoffimporte aus dem Süden Europas und Nordafrika. Die Aufnahme in die PCI-Liste unterstreiche die Bedeutung des Vorhabens für die europäische Energiewende.

Investitionsbedarf von 1,5 Billionen Euro

Der Investitionsbedarf für die europäische Energieinfrastruktur beläuft sich von 2024 bis 2040 auf rund 1,5 Billionen Euro. Die Kommission unterstützt die Durchführung durch verstärkte politische Koordinierung mit den Mitgliedstaaten. Die Liste wird dem Europäischen Parlament und dem Rat zur Kontrolle vorgelegt. Beide Organe haben zwei Monate Zeit, die Liste anzunehmen oder abzulehnen. Eine Änderung ist nicht möglich.

Die Kommission veranstaltet diese Woche die PCI Energy Days in Brüssel, die sich der praktischen Umsetzung von PCI und PMI widmen. Der für Energie und Wohnungswesen zuständige EU-Kommissar Dan Jørgensen nimmt an der Veranstaltung teil.

 

(Quelle: Bundesnetzagentur/ Europäische Kommission/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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