Deutschland, Belgien, Dänemark, Frankreich, Irland, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Großbritannien vereinbarten die koordinierte Planung von Offshore-Windparks mit Elektrolyse-Anlagen auf See und entsprechenden Transportleitungen. Die Infrastruktur für Offshore-Wasserstoff soll dort entstehen, wo sie kosteneffizient ist und dem Energiesystem Mehrwert bietet. Die Staaten sehen darin einen Baustein für die europäischen Dekarbonisierungsziele und die Energiesicherheit. Unter bestimmten Bedingungen ergeben sich Synergien zwischen direkter Stromnutzung und Wasserstoff-Produktion auf See.
Die deutsche Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, sagte zu dem Vorhaben: „Die Nordsee ist heute mehr denn je ein strategischer Schlüsselraum Europas. Gemeinsam stärken wir in der Nordsee unsere wirtschaftlichen, sicherheits- und energiepolitischen Interessen.“
Die Minister wollen die Forschung, Entwicklung und Demonstration von Offshore-Elektrolyse verstärken. Sie streben an, die Wasserstoff-Abnahme in schwer dekarbonisierbaren Sektoren zu fördern. Die Zusammenarbeit soll einen technologischen Fortschritt ermöglichen und das Potenzial für Offshore-Wasserstoff in der Nordsee erschließen.
Grenzüberschreitende Vernetzung geplant
Die beteiligten Länder beauftragten die Offshore-Netzbetreiber-Kooperation (OTC) und das Hydrogen Networks for the Northern Seas (HyNOS), die Schnittstellen für ein integriertes Offshore-System zu identifizieren. Ziel ist eine koordinierte Planung, die Windenergie, die Produktion von Offshore-Wasserstoff, Infrastruktur und Energietransport verknüpft.
Die europäischen Netzwerkbetreiber ENTSO-E, ENNOH und ENTSOG sollen eng mit HyNOS und OTC zusammenarbeiten. Die Kooperation soll in die künftigen Offshore-Netzentwicklungspläne einfließen. Bis zum nächsten Nordsee-Gipfel sollen HyNOS und OTC eine Roadmap für die gemeinsame Planung vorlegen.

Der Nordsee-Gipfel hat erstmalig 2022 in Esbjerg, Dänemark, und zuletzt 2023 in Ostende, Belgien stattgefunden.
Bis 2050 wollen die Nordsee-Anrainer 300 GW Offshore-Windleistung installieren. Ein Drittel davon, bis zu 100 GW, soll durch grenzüberschreitende Kooperationsprojekte entstehen. Als ersten Meilenstein peilen die Betreiber bis 2030 Projekte mit 20 GW an.
Offshore-Finanzierungsrahmen für Kooperationsprojekte
Die Staaten vereinbarten einen gemeinsamen Investitionspakt mit der Offshore-Windindustrie und den Übertragungsnetzbetreibern. Die Branche verpflichtete sich, bis 2040 die Stromgestehungskosten um 30 Prozent zu senken. Bis 2030 sollen 9,5 Milliarden Euro in neue Produktionskapazitäten fließen.
Die Staaten wollen einen Offshore-Finanzierungsrahmen (OFF) für Kooperationsprojekte etablieren. Dieser soll faire Kosten-Nutzen-Teilungsvereinbarungen zwischen gastgebenden und nicht gastgebenden Ländern ermöglichen. Der Rahmen baut auf bestehenden Instrumenten wie TEN-E auf.
Die EU-Mitgliedstaaten fordern die Europäische Kommission auf, die Finanzierung von Kooperationsprojekten zu verbessern. Die Europäische Investitionsbank soll Offshore-Netzanlagen finanzieren können. Mechanismen wie Special Purpose Vehicles sollen regulierte Netzanlagen fördern.
Genehmigungsverfahren werden beschleunigt
Die beteiligten Länder wollen Genehmigungsverfahren vereinfachen und beschleunigen. Die EU-Mitgliedstaaten verpflichteten sich zur zeitnahen Umsetzung der EU-Maßnahmen in nationales Recht. Großbritannien reformiert sein Planungssystem für die Energiewende bis 2030.

Auf Einladung von Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche fand am 26. Januar der Nordsee-Gipfel 2026 in Hamburg statt (© BMWE)
Die koordinierte Planung und Genehmigung von Offshore-Projekten soll vorangetrieben werden. Dies umfasst die Zusammenarbeit bei Umweltverträglichkeitsprüfungen. Die Staaten erkennen den Bedarf an ausreichend Personal und Ressourcen für die Genehmigungsbehörden an.
Schutz kritischer Infrastruktur verstärkt
Die Minister betonten die Notwendigkeit, Offshore-Energieinfrastruktur gegen Angriffe zu schützen. Die Staaten wollen die Zusammenarbeit zwischen nationalen Behörden und Betreibern verstärken. Der Austausch sicherheitsrelevanter Daten soll die Lagewahrnehmung in der Nordsee verbessern.
Die Industrie soll Sicherheitsstandards erhöhen und innovative Systeme installieren. Radaranlagen auf Offshore-Windparks und Kabeln können Bedrohungen erkennen und die Überwachung des maritimen Raums verbessern. Die Staaten fordern klare Meldestrukturen für Vorfälle.
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