Generic filters
Exact matches only
FS Logoi

Offshore-Elektrolyse: Verbände fordern „intelligente Sektorkopplung” in der Nordsee

Führende Energieverbände haben von der Bundesregierung ein kombiniertes Anschlusskonzept für Offshore-Windparks in der Nordsee gefordert. Sie wollen, dass im Flächenentwicklungsplan (FEP) Seekabel und H₂-Pipelines gemeinsam berücksichtigt werden. In einem Positionspapier haben die Verbände darauf hingewiesen, dass es aktuell eine Diskrepanz zwischen dem aktuellen FEP-Zeitplan und den im Koalitionsvertrag vorgesehenen Änderungen des Windenergie-auf-See-Gesetzes gibt. Falls die Flächenplanung nicht angepasst wird, könnte es laut den Verbänden zu rechtlichen Unsicherheiten und milliardenschweren Folgekosten kommen. 

von | 22.05.25

Hybride Anschlusskonzepte ermöglichen eine kosteneffiziente Kombination von Offshore-Windkraft und Wasserstoffproduktion auf See.
© Unsplash/ Nicholas Doherty
Offshore-Windpark Offshore-Windparks Offshore-Elektrolyse, Nordsee

Ein Zusammenschluss aus mehreren Verbänden, der sogenannte „Wasserstoffachter“, hat am 13. Mai 2025 ein Positionspapier zum aktuellen FEP veröffentlicht. Darin weisen die Verbände auf die Kollision zwischen dem aktuellen FEP-Zeitplan und den im Koalitionsvertrag vorgesehenen Änderungen des Windenergie-auf-See-Gesetzes hin.

In den aktuellen Planungen des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sind die Zonen 4 und 5 der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in der Nordsee ausschließlich für strombasierte Offshore-Netzanbindungen vorgesehen. Der Koalitionsvertrag hingegen zielt darauf ab, einen Teil der Offshore-Windenergie als Wasserstoff per Pipeline über das Wasserstoff-Kernnetz ans Land zu transportieren. 

Durch eine optimierte Kombination von Strom- und Wasserstoffinfrastruktur können Kosten gesenkt, Netzengpässe reduziert und die Effizienz der Offshore-Windenergie maximiert werden, betont das Bündnis. „Der beste Business Case für Windkraft ist Wasserstoff – und umgekehrt”, erklärt Robert Seehawer, Geschäftsführer von AquaVentus. „Wasserstoff aus den weitentfernten Gebieten der Nordsee ist der Schlüssel für die Vollendung der Energiewende.”

Alternative zu Überbauung und Spitzenkappung

Die im Februar 2025 vom BSH konsultierte pauschale Überbauung und Spitzenkappung von Windparks birgt laut dem Wasserstoffachter betriebs- und volkswirtschaftliche Risiken. Die Verbände argumentieren, dass die Integration der Offshore-Elektrolyse Ertragsverluste bei Erzeugungsspitzen reduzieren kann – im Gegensatz zur Spitzenkappung.

Hybride Anschlusskonzepte ermöglichen eine kosteneffiziente Kombination von Offshore-Windkraft und Wasserstoffproduktion auf See. Die intelligente Sektorenkopplung erlaubt die flexible Nutzung der Stromproduktion, reduziert Redispatch-Maßnahmen und ermöglicht die Wasserstoffproduktion bei niedrigen Strompreisen.

Forderung nach europäischer Harmonisierung

Der Wasserstoffachter empfiehlt einheitliche europäische Standards für die Offshore-Wasserstoffproduktion und deren Transport. Die koordinierte Offshore-Netzplanung müsse Strom- und Wasserstoffnetze miteinander verzahnen und effizient aufeinander abstimmen – inklusive grenzüberschreitender Investitionsmechanismen.

Die regulatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen für Pilotprojekte zur Offshore-Elektrolyse sollten unter den Nordsee-Anrainerstaaten koordiniert werden. Diese Koordination zielt darauf ab, bestmögliche Erkenntnisse für die Skalierung der Technologie zu liefern.

Konkrete Maßnahmen für optimierte Offshore-Nutzung

Die Verbände fordern konkret:

  • Die zeitnahe Ermöglichung kombinierter Anschlusskonzepte aus Seekabel und Pipeline im Windenergie-auf-See-Gesetz
  • Die Festlegung von Flächen in den Zonen 4 und 5 der AWZ für Strom- und Wasserstoffproduktion in räumlicher Nähe zur Offshore-Pipeline AquaDuctus
  • Die Schaffung regulatorischer Rahmenbedingungen für Offshore-Wasserstoff-Hubs zur Senkung der Infrastrukturkosten

„Wir müssen ideologische Scheuklappen ablegen. Die Energieträger dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden”, mahnt Jörg Singer, Vorstandsvorsitzender von AquaVentus. Weder durch vorschnelle Gesetzgebung noch durch einseitige Planungsprämissen dürften Vorfestlegungen getroffen werden, die eine kosteneffiziente Umsetzung der Energiewende gefährden.

Der Flächenentwicklungsplan, der 2026 in die weitere Konsultationsphase geht, müsse zwingend technologieoffen gestaltet werden, so die Forderung der im Wasserstoffachter zusammengeschlossenen Verbände. Mit dem Bau der Pipeline AquaDuctus sei bereits der erste Schritt getan. Nun müsse die Festlegung von Flächen in Pipelinenähe sowie Offshore-Wasserstoff-Hubs folgen.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

„Kommunen spielen eine Schlüsselrolle beim Wasserstoffhochlauf“
„Kommunen spielen eine Schlüsselrolle beim Wasserstoffhochlauf“

Im Interview mit dem Fachinformationsportal gwf Gas + Energie erklärt Dr. rer. pol. Dipl.-Ing. Désirée Schulte, wie das H₂-Netzwerk Ruhr e.V. den Wissenstransfer rund um Wasserstoff organisiert und welche Formate sich speziell an junge Menschen, insbesondere an Frauen und Mädchen, richten. Außerdem spricht sie über die Rolle der Kommunen beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft, die Erwartungen der Mitglieder an die Politik und kommende Veranstaltungen im Jahr 2026.

mehr lesen
Wasserstoff-Kernnetz: Kapazitätsreservierung startet am 19. März
Wasserstoff-Kernnetz: Kapazitätsreservierung startet am 19. März

Die Betreiber des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes starten am 19. März um 13:00 Uhr einen koordinierten Kapazitätsreservierungsprozess. Ab diesem Zeitpunkt können Marktteilnehmer bei dem jeweils zuständigen Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) erstmals Einspeise- und Ausspeisekapazitäten im deutschen Kernnetz reservieren – für bis zu sieben Jahre im Voraus. Die Reservierungsanfragen können über ein standardisiertes Anfrageformular eingereicht werden. Die reservierbaren Kapazitäten sollen von rund 2.859 MWh/h Entry im Jahr 2026 auf über 15.000 MWh/h Entry bis 2030 wachsen.

mehr lesen
Shell feiert Richtfest für 100-MW-PEM-Elektrolyseur in Wesseling
Shell feiert Richtfest für 100-MW-PEM-Elektrolyseur in Wesseling

Am 5. März hat Shell gemeinsam mit den Projektpartnern das Richtfest für den neuen 100-MW-Elektrolyseur in Wesseling gefeiert. Die Inbetriebnahme der Anlage im Shell Energy and Chemicals Park Rheinland ist für das Jahr 2027 geplant. Dann soll der Elektrolyseur jährlich bis zu 16.000 Tonnen erneuerbaren Wasserstoff produzieren – abhängig von der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien.

mehr lesen

H2 Talk

„Kommunen spielen eine Schlüsselrolle beim Wasserstoffhochlauf“
„Unsere Kunden sind Vorreiter“
„Wasserstoff ist im Grunde Erdgas ohne Kohlenstoff und entsprechend vielseitig einsetzbar“

Publikationen

Netzmeister 2023

Netzmeister 2023

Erscheinungsjahr: 2023

Für die Instandhaltung der Gas-, Wasser- und Fernwärmerohrnetze, die den mit Abstand größten Teil des Anlagevermögens von Versorgungsunternehmen ausmachen, trägt der Netzmeister die Verantwortung. Um den täglichen Anforderungen gerecht werden zu ...

Zum Produkt

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 2: Gebäude- und Messtechnik

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 2: Gebäude- und Messtechnik

Erscheinungsjahr: 2022

Das Buchreihe „Wasserstoff in der Praxis“ vermittelt Praktikern wichtige Informationen über den Stand der Technik und zukünftige Entwicklungen. Im 2. Band stehen die Themen „Gebäudetechnik“ und „Messtechnik“ im Fokus. Das ...

Zum Produkt

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 1: Infrastruktur

Wasserstoff in der Praxis, Bd. 1: Infrastruktur

Erscheinungsjahr: 2021

Das Buchreihe „Wasserstoff in der Praxis“ vermittelt Praktikern wichtige Informationen über den Stand der Technik und zukünftige Entwicklungen. Im 1. Band werden die Herausforderungen dargestellt, die Wasserstoff an die Gasinfrastruktur und den ...

Zum Produkt