Generic filters
Exact matches only
FS Logoi

Reiche fordert pragmatischen H2-Hochlauf und Lockerung der EU-Vorgaben

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat gestern (15. September) einen Monitoringbericht zur Energiewende veröffentlicht. Bundesministerin Katherina Reiche hat darauf aufbauend zehn Schlüsselmaßnahmen definiert und fordert einen pragmatischen Wasserstoff-Hochlauf. Marktmechanismen sollen im Fokus stehen, überkomplexe Vorgaben abgebaut werden. Dafür sollen Marktmechanismen im Fokus stehen und überkomplexe Vorgaben abgebaut werden.

von | 16.09.25

Seit dem 6. Mai 2025 ist Katherina Reiche Bundesministerin für Wirtschaft und Energie
© Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
Katherina Reiche fordert pragmatischen H2-Hochlauf und Lockerung der EU-Vorgaben Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat einen Monitoringbericht zur Energiewende mit zehn Schlüsselmaßnahmen veröffentlicht. 

Der veröffentlichte Monitoringbericht zur Energiewende ist ein Auftrag aus dem Koalitionsvertrag. Durchgeführt haben den Monitoringbericht die BET Consulting GmbH und das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) im Auftrag des BMWEs. Der Energiewende-Monitoringbericht trägt den Titel „Energiewende. Effizient. Machen.” und ist eine Bestandsaufnahme der deutschen Energiewende auf Basis bestehender Studien. Untersucht wurden dabei die sechs zentralen Themenfelder:

  1. Stromnachfrage
  2. Erneuerbare Energien
  3. Stromnetze
  4. Wasserstoff
  5. Versorgungssicherheit
  6. Digitalisierung

Die Analyse zeigt Handlungsfelder auf und betont die Notwendigkeit eines verbesserten Zusammenspiels von Angebot, Nachfrage und Infrastruktur für mehr Kosteneffizienz. Laut Bundesministerin Reiche steht die Energiewende an einem Scheideweg. Damit sie gelingt, müssten die Verlässlichkeit, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Kostentragfähigkeit des Energiesystems ins Zentrum rücken. Dafür brauche es die Bestandsaufnahme.

„Die Energiewende kann nur durch mehr Pragmatismus und Realismus gelingen. Energiepolitische Entscheidungen dürfen keine Fehlinvestitionen oder Überregulierung erzeugen, sondern müssen auf Markt, Technologievielfalt und Innovation setzen. So schaffen wir die Basis für eine Energiewende, die nicht nur klimaneutral macht, sondern auch krisenfest, wirtschaftlich tragfähig und für alle verlässlich bleibt”, betonte Reiche.

Erneuerbare Energien erreichen 60 Prozent Stromanteil

Der Monitoringbericht zeigt, dass Erneuerbare Energien mittlerweile fast 60 Prozent der deutschen Stromerzeugung abdecken. Reiche sieht den Ausbau als Erfolg. Die Volatilität der Erneuerbaren Energien bringt jedoch auch Schwierigkeiten mit sich. So reiche die installierte Leistung aus Solar und Wind phasenweise weit über den realen Bedarf hinaus, während zur Dunkelflaute die Versorgungslücke aktuell nur durch fossile Erzeuger oder Energieimporte geschlossen werden könne.

Dennoch warnt die Ministerin vor den Systemkosten der Energiewende. Die volatile Erzeugung erfordere hohe Investitionen in Infrastruktur, Speicher und Backup-Kapazitäten. Netzengpässe verursachen zusätzliche Kosten durch Abregelung und Redispatch. Diese Kosten belasten die Verbraucher und Unternehmen, schwächen die internationale Wettbewerbsfähigkeit und bedrohen die Versorgungssicherheit.

Hinzu kommen der Ausstieg aus der Kernenergie und das schrittweise Abschalten der Kohleverstromung bis 2038. Deutschland benötigt stabile und verlässliche Grundlastkraftwerke, die als Rückgrat der Versorgung neu aufgebaut werden müssen. Dies könnten beispielsweise moderne H₂-ready-Gaskraftwerke bieten.

Reiches zehn Schlüsselmaßnahmen

Für eine krisenfeste, wirtschaftlich tragfähige und verlässliche Energiewende hat die Bundesministerin zehn wirtschafts- und wettbewerbsfreundliche Schlüsselmaßnahmen vorgelegt:

  1. Ehrliche Bedarfsermittlung und Planungsrealismus
  2. Erneuerbare Energien markt- und systemdienlich fördern
  3. Netze, Erneuerbare Energien und dezentrale Flexibilität synchron ausbauen
  4. Technologieoffenen Kapazitätsmarkt schnell implementieren
  5. Flexibilität und Digitalisierung des Stromsystems voranbringen
  6. Einheitliche und liquide Energiemärkte erhalten und ausbauen
  7. Förderregime überprüfen, Subventionen systematisch senken
  8. Forschung zukunftsgerichtet vorantreiben, Innovationen fördern
  9. Wasserstoff-Hochlauf pragmatisch fördern, überkomplexe Vorgaben abbauen
  10. CCS/CCU als Klimaschutztechnologie etablieren

Themenfeld Wasserstoff

Der Wasserstoffsektor steht vor erheblichen Entwicklungsherausforderungen. Während in vielen Szenarien ein Wasserstoffbedarf von 95-130 TWh bis 2030 (und 360-500 TWh bis 2045) in Deutschland prognostiziert wird, konzentriert sich die tatsächliche Nachfrage aktuell hauptsächlich auf den Industriesektor. Dieser verwendet derzeit zwischen 37-60 TWh fossilen Wasserstoff und es existiert praktisch keine Nachfrage nach erneuerbarem Wasserstoff. Dies liegt vor allem an den hohen Kosten. Die Produktionskosten von grünem Wasserstoff übersteigen mit 147-357 €/MWh die Zahlungsbereitschaft von etwa 50-100 €/MWh bei weitem.

Das BMWE will auf einen pragmatischeren Ansatz setzen. Anstelle komplexer EU-Vorgaben mit strengen RFNBO-Kriterien will sich das Bundesministerium für vereinfachte, technologieoffene Definitionen einsetzen. Kohlenstoffarmer Wasserstoff soll gleichberechtigt behandelt werden, was zu Bereitstellungskosten von 70-180 €/MWh führen könnte. Der Fokus soll auf Märkten mit bereits vorhandener Zahlungsbereitschaft, wie Raffinerien, liegen, wo erneuerbarer Wasserstoff über die THG-Quote angerechnet werden kann.

Die starren Elektrolyseur-Ausbauziele von 10 GW bis 2030 will das BMWE durch flexible, projektbezogene Ziele ersetzen. H₂-Valleys und Projektclusterfinanzierungen sollen unmittelbar nach Bedarf gestartet werden. Dies soll das Problem lösen, dass viele Projekte aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit und regulatorischer Unsicherheiten keine Investitionsentscheidung erreichen.

Heimische Elektrolyseure können Flexibilität bereitstellen und die Importabhängigkeit reduzieren, benötigen aber koordinierte Netz- und Speicherplanung. Der Wasserstoffhochlauf erfordert eine gesamtsystemische Betrachtung, da starke Interdependenzen mit dem Stromsektor bestehen. Die Wasserstoffspeicherkapazität von 15 TWh bis 2035 und 80-100 TWh bis 2045 ist dabei essentiell für die Systemintegration.

Die gesamte Neuausrichtung zielt darauf ab, den Wasserstoffhochlauf realistischer und kosteneffizienter zu gestalten, indem komplexe Regulierung vereinfacht und der Fokus auf konkrete, wirtschaftlich tragfähige Projekte gelegt wird.

(Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

100 Prozent Wasserstoff im Flugtriebwerk: Testlauf erfolgreich abgeschlossen
100 Prozent Wasserstoff im Flugtriebwerk: Testlauf erfolgreich abgeschlossen

Die Fluggesellschaft EasyJet Airline Company Ltd. und der Triebwerke-Hersteller Rolls-Royce Holdings plc haben den Betrieb eines Flugzeugtriebwerks mit Wasserstoff erfolgreich getestet. Ausgelegt ist das Strahltriebwerk auf den Einsatz in Schmalrumpfflugzeugen. Der Bodentest ist das Ergebnis eines mehrjährigen Entwicklungsprogramms, das auf die Reduzierung von CO₂-Emissionen im Luftverkehr abzielt.

mehr lesen
Uber investiert in Ausbau von Wasserstoff-Taxis in Paris
Uber investiert in Ausbau von Wasserstoff-Taxis in Paris

Die Mobilitätsunternehmen Uber und Hysetco haben Ende April eine Partnerschaft zur Dekarbonisierung städtischer Mobilität geschlossen. Die Kooperation zielt darauf ab, das Angebot von Wasserstoff-Taxis in Paris auszubauen. Uber will in diesem Rahmen Hysetco finanziell unterstützen.

mehr lesen
Uniper startet Kapazitätsvergabe für Wasserstoff-Importterminal Wilhelmshaven
Uniper startet Kapazitätsvergabe für Wasserstoff-Importterminal Wilhelmshaven

Die Uniper Hydrogen GmbH hat die Kapazitätsvergabe für das geplante Wasserstoff-Importterminal in Wilhelmshaven geöffnet. Das Terminal soll Ammoniak importieren und per Cracker-Technologie Wasserstoff ins deutsche Kernnetz einspeisen. Interessierte Marktteilnehmer können ab sofort Kapazitäten reservieren. Bewerbungen sind bis zum 15. Juni 2026 möglich.

mehr lesen

H2 Talk

„Wer jetzt zweifelt, verhindert Milliarden-Investitionen“ Cluster Erneuerbare Energien Hamburg (EEHH)
„Ab 2026 könnten wir über den THG-Quotenhandel 15 Euro pro Kilogramm Wasserstoff erzielen“
„Wasserstoff ist in der industriellen Prozesswärme eine ‚No-Regret-Option‘“

Publikationen