Generic filters
Exact matches only
FS Logoi

30.000 Tonnen pro Jahr: Raffinerie Leuna schließt Wasserstoff-Vertrag mit RWE

TotalEnergies und RWE haben den Bezug von grünem Wasserstoff für die Raffinerie Leuna über einen Zeitraum von 15 Jahren geeinigt. Dies meldete der Essener Energiekonzern am Mittwoch (12. März). Demnach soll TotalEnergies ab 2030 rund 30.000 Tonnen Wasserstoff aus der geplanten RWE-Elektrolyseanlage in Lingen erhalten. Nach Angaben der Unternehmen ist dies die größte Menge an grünem Wasserstoff, die je von einer Elektrolyse-Anlage in Deutschland bestellt wurde.

von | 14.03.25

Luftbild der Raffinerie in Leuna
© RWE
Raffinerie Leuna

Die Vereinbarung über den Wasserstoffbezug der Raffinerie Leuna hat laut RWE „Signalcharakter“ für den deutschen Markt. Durch den Einsatz von 30.000 Tonnen grünen Wasserstoffs in der sachsen-anhaltinischen Raffinerie sollen jährlich 300.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Dies entspreche dem durchschnittlichen Jahresausstoß von etwa 140.000 Pkw.

„Wir sind stolz darauf, mit TotalEnergies in Deutschland den ersten langfristigen Abnahmevertrag für grünen Wasserstoff in dieser Größenordnung abgeschlossen zu haben“, erklärte Markus Krebber, CEO der RWE AG. „Sechs Monate nach der Investitionsentscheidung für den Bau unserer 300-Megawatt-Elektrolyse in Lingen haben wir mit TotalEnergies einen wichtigen Ankerkunden gesichert. Das zeigt, dass Wasserstoff mit den richtigen Anreizen für Abnehmer funktioniert.“

Grüner Wasserstoff für die Raffinerie Leuna

Die vereinbarten 30.000 Tonnen grünen Wasserstoffs werden in der 300-Megawatt-Elektrolyseanlage von RWE in Lingen (GET H2 Nucleus) produziert, die bis 2027 in Betrieb gehen soll. Zwei der drei dafür geplanten Elektrolyseure mit je 100 MW Leistung hatte RWE Ende 2022 bei Linde Engineering und dem Elektrolyse-Hersteller ITM Power bestellt. Im September hatte Sunfire den Auftrag für den Bau der restlichen 100 MW erhalten.

Um eine zuverlässige Lieferung zu gewährleisten, will RWE zudem seinen unterirdischen Wasserstoffspeicher in Gronau-Epe in die Lieferkette implementieren. Die Inbetriebnahme des Speichers hat die Konzerntochter RWE Gas Storage West ebenfalls für 2027 anvisiert. Gemäß den Vorgaben der EU (RED II und III) dürfen die Elektrolyseure nur mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen betrieben werden, der in derselben Stunde wie der Wasserstoff erzeugt wurde.

RWE betont, dass die Lieferbeziehung mit TotalEnergies erst durch das Wasserstoff-Kernnetz ermöglicht werde. Seine Umsetzung hatte die Bundesnetzagentur im Oktober 2024 genehmigt. Es soll Wasserstoff-Produktionsstandorte wie Lingen über Hochdruckpipelines mit Verbrauchszentren wie Leuna miteinander verbinden, rund 9.700 Kilometer umfassen und zwischen 2025 und 2032 schrittweise durch Umwidmung bestehender Gasleitungen sowie teilweisen Neubau in Betrieb gehen. Am 12. März hatte der Gasnetzbetreiber Gascade die Erstbefüllung eines Kernnetz-Abschnitts mit Wasserstoff gemeldet.

Politische Unterstützung aus zwei Bundesländern

Sowohl Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil als auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff begrüßten die Vereinbarung. Weil betonte die Vorreiterrolle Niedersachsens bei der Produktion von grünem Wasserstoff: „50 Prozent der von der EU genehmigten Produktion von grünem Wasserstoff in Deutschland kommen aus Niedersachsen, und 20 Prozent des Wasserstoff-Kernnetzes werden in Niedersachsen realisiert.“

Haseloff unterstrich die Bedeutung für den Chemiestandort Sachsen-Anhalt: „Für den Erhalt und die Modernisierung unserer Chemischen Industrie ist die Wasserstoffnutzung ein zentraler Baustein.“ Die Vertragsunterzeichnung sei ein Beleg für „die herausragende Stellung Sachsen-Anhalts“ beim Wasserstoffhochlauf.

Hintergrund

TotalEnergies hat europaweit einen Bedarf von 500.000 Tonnen grünen Wasserstoffs pro Jahr ausgeschrieben, um ihre Raffinerien in Europa zu dekarbonisieren. Raffinerien nutzen bereits heute große Mengen Wasserstoff, der jedoch überwiegend aus fossilem Erdgas stammt und damit hohe CO2-Emissionen verursacht.

In Deutschland soll die Treibhausgasquote (THG-Quote) Kraftstofflieferanten dazu motivieren, die Emissionen ihrer Kraftstoffe schrittweise zu reduzieren. Der Einsatz von erneuerbarem Wasserstoff bietet Raffinerien dabei eine Möglichkeit, Emissionen zu senken und ihre THG-Quote zu verbessern.

 

(Quelle: RWE/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

„Wer jetzt zweifelt, verhindert Milliarden-Investitionen“
„Wer jetzt zweifelt, verhindert Milliarden-Investitionen“

Hamburg gilt als eine der vielversprechendsten Wasserstoff-Modellregionen Deutschlands, denn die Stadt vereint auf engem Raum die gesamte H₂-Wertschöpfungskette. Dabei entsteht keine Insellösung, sondern eine offene Infrastruktur, in die zunächst der Hamburger Green Hydrogen Hub und später potenziell auch über Terminals und das Kernnetz Wasserstoff einspeisen und so ein breites Ökosystem an Abnehmern versorgen kann. Jan Rispens, Geschäftsführer des Clusters Erneuerbare Energien Hamburg, erklärt im exklusiven Interview mit H2News, wie sein Netzwerk den Wasserstoffhochlauf in der Metropolregion aktiv mitgestaltet und warum der Rückgang des Hypes kein Rückschlag ist.

mehr lesen
EU fördert H2-Infrastruktur: 600 Millionen Euro für grenzüberschreitende Energieprojekte
EU fördert H2-Infrastruktur: 600 Millionen Euro für grenzüberschreitende Energieprojekte

Die Europäische Kommission hat am 30. April einen neuen Förderaufruf für grenzüberschreitende Energieinfrastrukturprojekte gestartet. Über das Programm CEF (Connecting Europe Facility) stehen insgesamt 600 Millionen Euro für Studien und Bauarbeiten zur Verfügung. Der Aufruf richtet sich an Vorhaben der aktualisierten Liste der Projekte von gemeinsamem Interesse (PCI) und der Projekte von gegenseitigem Interesse (PMI). Diese umfasst unter anderem 100 Wasserstoffprojekte.

mehr lesen
350 Millionen Euro Bundesmittel treiben Deutschlands größte eSAF-Anlage in Schwedt an
350 Millionen Euro Bundesmittel treiben Deutschlands größte eSAF-Anlage in Schwedt an

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke haben den Förderbescheid für das Projekt „Brandenburg eSAF“ übergeben. Dabei soll in Schwedt die größte deutsche Produktionsanlage für elektrische nachhaltige Flugkraftstoffe (eSAF) entstehen. Die Anlage soll ab 2030 jährlich mehr als 30.000 Tonnen eSAF produzieren. Die Menge entspricht rund einem Viertel der deutschen eSAF-Beimischungspflichten. Bund und Land Brandenburg fördern das Projekt mit 350 Millionen Euro. 

mehr lesen

H2 Talk

„Wer jetzt zweifelt, verhindert Milliarden-Investitionen“ Cluster Erneuerbare Energien Hamburg (EEHH)
„Ab 2026 könnten wir über den THG-Quotenhandel 15 Euro pro Kilogramm Wasserstoff erzielen“
„Wasserstoff ist in der industriellen Prozesswärme eine ‚No-Regret-Option‘“

Publikationen