Aus für grünen Stahl: Großkonzern trennt sich von Wasserstoff-Projekten

ArcelorMittal Europe hat den Stopp seiner Wasserstoff-basierten Stahlprojekte in Bremen und Eisenhüttenstadt bekannt gegeben. Das Unternehmen begründet die Entscheidung mit fehlender Wirtschaftlichkeit und mangelnder Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff. Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro Fördermittel für die Vorhaben zugesagt.

von | 24.06.25

Verladung einer heißen Stahlbramme
© StudioLaMagica - stock.adobe.com
ArcelorMittal

Das Aus für die Wasserstoffpläne des internationalen Stahlkonzerns kommt für viele überraschend: Erst im vergangenen Jahr waren dem Hersteller über eine Milliarde Euro für die Transformation zugesichert worden. ArcelorMittal wollte damit seine Hochöfen durch Direktreduktionsanlagen (DRI) und Elektrolichtbogenöfen (EAF) ersetzen und diese mit grünem Wasserstoff betreiben.

Grüner Wasserstoff ist noch keine tragfähige Energiequelle“, erklärte das Unternehmen aber am Donnerstag (19. Juni) zur Begründung des Projektstopps.  Der Vertrag mit der Bundesregierung sah einen Baubeginn bis Juni 2025 vor. Im Februar 2024 hatte die EU-Kommission grünes Licht für die Milliarden-Förderung gegeben, die der Konzern nun doch nicht abrufen wird.

Wasserstoff-Verfügbarkeit als Kernproblem

ArcelorMittal führt den Rückzug auf die unzureichende Wasserstoff-Infrastruktur zurück. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit erklärt, dass wettbewerbsfähige Strompreise und ausreichend verfügbarer Wasserstoff Voraussetzung für den Umbau der Stahlerzeugung seien. „Selbst mit der finanziellen Unterstützung ist die Wirtschaftlichkeit dieser Umstellung nicht ausreichend gegeben“, so Geert Van Poelvoorde, CEO von ArcelorMittal Europe, in der Meldung vom 19. Juni.

Stattdessen will sich der Konzern nun auf den Bau von EAF konzentrieren, die ohne Wasserstoff auskommen. Diese Technologie sei wirtschaftlich darstellbarer, sobald die entsprechenden Rahmenbedingungen vorlägen.

Grüne Transformation vor dem Aus?

Der Projektstopp stellt einen Rückschlag für die Nationale Wasserstoffstrategie dar. Die Transformation der Stahlindustrie war eines der Vorzeigeprojekte von Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck, der den Förderbescheid für das Bremer Werk Ende Mai 2024 persönlich überreicht hatte.

„Es wird immer deutlicher, dass die Energiewende in allen Bereichen langsamer als erwartet vorankommt“, konstatierte ArcelorMittal in seiner Mitteilung: „Dazu gehört auch, dass grüner Wasserstoff noch keine tragfähige Energiequelle ist und die DRI-Produktion auf Erdgasbasis als Übergangslösung nicht wettbewerbsfähig ist.“

Weiterhin stellte ArcelorMittal die Realisierbarkeit der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens generell in Frage. Demnach habe die Weltwirtschaft „noch nicht das erforderliche Tempo, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen.“ Zudem stehe der europäische Stahlmarkt unter einem „beispiellosen Druck“. Grund hierfür seien eine schwache Nachfrage und hohe Importe.

Andere Projekte laufen weiter

Das Bundeswirtschaftsministerium betonte gegenüber der ARD, dass noch keine staatlichen Gelder an ArcelorMittal geflossen seien. Drei vergleichbare Vorhaben der Hersteller Salzgitter Flachstahl, Thyssenkrupp Steel Europe und SHS hätten Förderbescheide über zusammen rund 5,6 Milliarden Euro erhalten und würden weiterverfolgt.

Die deutsche Stahlindustrie ist einer der größten CO2-Emittenten. Gleichzeitig befindet sich die Branche aufgrund hoher Energiekosten und billiger Importe aus Asien in der Krise. Wie ihre grüne Transformation auf Basis von Wasserstoff dennoch gelingen könnte, erklärte Alexander Redenius, ein Koordinatior der Wasserstoffprojekte der Salzgitter AG, gegenüber H2-News.de Das Interview finden Sie hier.

 

(Quellen: ArcelorMittal, Tagesschau/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

Wasserstoff-Importterminal Wilhelmshaven startet in die nächste Entwicklungsphase
Wasserstoff-Importterminal Wilhelmshaven startet in die nächste Entwicklungsphase

Uniper SE hat die erste Phase der Open Season für das geplante Wasserstoff-Importterminal Wilhelmshaven abgeschlossen. Im Rahmen der Expression-of-Interest-Phase (EoI) konnten sich Interessenten für die Kapazitätsvergabe anmelden. Nun liegen nach Angaben des Energieversorgungsunternehmens ausreichend Kapazitätsreservierungen vor, um die zweite Phase des Projekts zu beginnen. Das Terminal soll künftig Ammoniak importieren und per Cracker-Technologie Wasserstoff in das deutsche Kernnetz einspeisen.

mehr lesen
HIF Global stellt e-Fuels für Oldtimerrennen bereit
HIF Global stellt e-Fuels für Oldtimerrennen bereit

Das Unternehmen für Elektrotreibstoffe Highly Innovative Fuels Global (HIF Global) stellt beim Schweizer Oldtimerrennen Arosa ClassicCar erneut e-Fuels bereit. Rund 180 Fahrerinnen und Fahrer können die 7,3 Kilometer lange Bergstrecke somit kostenlos und ausschließlich mit synthetischem Kraftstoff fahren. Das Unternehmen will damit die Leistungsfähigkeit von e-Fuels unter realen Bedingungen demonstrieren.

mehr lesen
Konsortium plant Wasserstoff-Ökosystem für den Schwerlastverkehr
Konsortium plant Wasserstoff-Ökosystem für den Schwerlastverkehr

Unternehmen aus Transport, Energie und Industrie wollen gemeinsam ein Wasserstoff-Ökosystem für den schweren Straßengüterverkehr aufbauen. Das hat das Konsortium am 3. September angekündigt. Weitere Details sollen am 15. September auf der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation 2026 in Hannover vorgestellt werden.

mehr lesen

H2 Talk

„Der Mittelstand ist das Kraftwerk unserer Wirtschaft"
„Versorgungssicherheit und Klimaschutz sind keine Gegensätze“
„Das Engagement hat riesige Fortschritte für die Elektrolysetechnologie gebracht“

Publikationen