Dezentrale Stromversorgung: Stadtwerke Bamberg und Bosch setzen Brenstoffzelle ein

Die Stadtwerke Bamberg und Bosch produzieren erstmalig Strom und Wärme mit einer stationären Brennstoffzelle. Am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) wurde ein Kleinkraftwerk auf Basis einer Festoxid-Brennstoffzelle (Solid Oxide Fuel Cell, kurz SOFC) in Betrieb genommen. Die zwei Meter hohe kühlschrankgroße Anlage erzeugt so viel Strom, dass damit der Strombedarf von mehr als 20 Vier-Personen-Haushalten im Stadtquartier […]

von | 30.03.21

Die stationäre Brennstoffzelle am ZOB Bamberg erzeugt rund 10 Kilowatt Strom
Foto: Bosch

Die Stadtwerke Bamberg und Bosch produzieren erstmalig Strom und Wärme mit einer stationären Brennstoffzelle. Am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) wurde ein Kleinkraftwerk auf Basis einer Festoxid-Brennstoffzelle (Solid Oxide Fuel Cell, kurz SOFC) in Betrieb genommen. Die zwei Meter hohe kühlschrankgroße Anlage erzeugt so viel Strom, dass damit der Strombedarf von mehr als 20 Vier-Personen-Haushalten im Stadtquartier um den Busbahnhof gedeckt werden kann. Diese stationäre Brennstoffzelle hat einen Wirkungsgrad von 60 Prozent für die Stromerzeugung und mehr als 85 Prozent bei zusätzlicher Wärmenutzung. Die produzierte Wärme nutzt eine Bäckerei am Busbahnhof zum Heizen und zur Warmwasseraufbereitung.

Dezentrale und bedarfsgerechte Stromproduktion

Der Einsatz der stationären Brennstoffzelle in einem Stadtquartier ist nicht nur für Bosch ein wichtiges Anwendungsfeld, auch die Stadtwerke Bamberg sehen in der Technologie eine nachhaltige Lösung für die Energieversorgung im Bestand und bei der Entwicklung neuer Quartiere. „Mit der Brennstoffzelle werden wir Erfahrungen sammeln, die künftig bei der Energieversorgung bestehender Gebäude und neuer Quartiere einen nachhaltigen Nutzen schaffen sollen“, ist sich Dr. Michael Fiedeldey, Geschäftsführer der Stadtwerke Bamberg, sicher. „Zugleich wollen wir die neue Technik für alle Bürger erlebbar machen. Deshalb stellen wir sie nicht in irgendeinen Keller, sondern mitten auf den ZOB als Verkehrsdrehscheibe für über 20.000 Menschen am Tag“. Sobald es die Situation wieder zulässt, wird das InnoLab am Busbahnhof regelmäßig für interessierte Gäste geöffnet sein. Experten der Unternehmen stehen dann Rede und Antwort.

Noch mit Erdgas betrieben, aber Wasserstoff-ready

Die SOFC-Anlage wird von den Stadtwerken Bamberg mit Erdgas betrieben, ist sehr leise und heute schon geeignet für Wasserstoff. Im Vergleich zum Strom-Mix in Deutschland spart ein SOFC-System selbst beim Betrieb mit Erdgas fast bis zu 40 Prozent an klimaschädlichen CO2-Emissionen. Wird die Brennstoffzelle mit Wasserstoff betrieben, fallen keine direkten CO2-Emissionen mehr an. Für Städte und Ballungszentren mit hohem Energiebedarf können SOFC-Anlagen daher die Energieversorgung nachhaltig sicherstellen, indem die Leistung der stationären Brennstoffzelle bedarfsgerecht geregelt werden kann. Außerdem kann die vorhandene Gas-Infrastruktur in Kombination mit vielen vernetzten Brennstoffzellen zur Entlastung des Stromnetzes genutzt werden. So lassen sich weitere Strombedarfe durch Erzeugung vor Ort decken. Die SOFC-Anlage in Bamberg ist zudem über die Bosch IoT-Cloud vernetzt: 20 Sensoren innerhalb der Brennstoffzelle liefern kontinuierlich Daten zu Stromproduktion und Betriebsstatus. Diese Daten helfen auch, um die Technologie weiterzuentwickeln. Zukünftig können über die Cloud-Lösung verschiedene stationäre Brennstoffzellen miteinander zu virtuellen Kraftwerken vernetzt und durch intelligente, selbstlernende Software digital gesteuert werden – dies schont Umwelt und Ressourcen. Bis Ende 2024 will Bosch einen dreistelligen Millionenbetrag in die stationäre Brennstoffzelle investieren und SOFC-Anlagen unter Real-Bedingungen erproben.

 

(Quelle: Stadtwerke Bamberg)

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