Dillinger trennt Wasserstoff aus Hochofengas

Stahlproduzent Dillinger hat eine Versuchsanlage angeschlossen, die Wasserstoff und CO2 aus Industriegasen abtrennen kann. Dabei kommen neuartige Membranverfahren aus dem Helmholtz-Zentrum Hereon sowie dem Forschungszentrum Jülich zum Einsatz. 

von | 22.01.24

Übergeordnetes Ziel von MemKoWi ist "die Entwicklung innovativer Gastrennverfahren" im Sinne der Circular Economy
© Uwe Braun, SHS – Stahl-Holding-Saar
© Dillinger

22. Januar 2024 | Stahlproduzent Dillinger hat eine Versuchsanlage angeschlossen, die Wasserstoff und CO2 aus Industriegasen abtrennen kann. Dabei kommen neuartige Membranverfahren aus dem Helmholtz-Zentrum Hereon sowie dem Forschungszentrum Jülich zum Einsatz.

Anfang Dezember wurde die Anlage auf dem Gelände des Iqony-Gichtgaskraftwerkes in Dillingen in Betrieb genommen. Alle Funktionstests habe man anschließend wie geplant durchführen können, heißt es in einer Pressemitteilung von Dillinger. In den kommenden Monaten seien weitere Versuche zur Abtrennung von CO2 aus dem Rauchgas des Kraftwerkes und anschließend aus Hochofen-Gichtgas vorgesehen.

So wollen die Projektpartner herausfunden, was die optimalen Bedingungen für einen CO2-Abtrennung aus industriellen Großanlagen wie Stahlwerken sind. Das abgetrennte CO2 könne dann etwa als Rohstoff in anderen Industrien genutzt werden. In einer späteren Phase des Projektes soll eine Versuchsanlage des VDEh-Betriebsforschungsinstituts (BFI) zur Abtrennung von Wasserstoff aus Hochofengichtgas und Koksofengas bei Dillinger folgen.

Das Vorhaben ist Teil eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderten Projektes mit dem Namen „Membranverfahren für die Abtrennung von Kohlendioxid und Wasserstoff aus Industriegas“, kurz „MemKoWI“. Beteiligt sind insgesamt neun Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft: das Helmholtz-Zentrum Hereon, Aktien-Gesellschaft der Dillinger Hüttenwerke, atech innovations, Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches, Forschungszentrum Jülich, Iqony, Linde, thyssenkrupp Polysius, VDEh-Betriebsforschungsinstitut.

Abtrennung von Wasserstoff für eigene Prozesse

In den nun anstehenden Tests nutzt die Projektgruppe verschiedene Polymer- und keramische Membran-Werkstoffe in unterschiedlichen Konfigurationen. DIe dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen der weiteren Optimierung der Membran-Technologien dienen. Die Werkstoffe stammen aus den Laboren des Hereon-Insituts sowie dem Forschungszentrum Jülich.

Langfristig will der saarländische Stahlkonzern mit den Trennverfahren nicht nur seine Produktion dekarbonisieren, sondern die dabei gewonnenen Gase CO2 und Wasserstoff auch als Rohstoffe für seine Industrieprozesse nutzen. Auch außerhalb der Stahlindustrie könnten sie mittelfristig im Sinne von Sektorenkopplung und Kreislaufwirtschaft Anwendung finden.

Weitere Informationen zu den Dekarbonisierungsprojekt „Pure Steel“
(Quelle: Dillinger/2023)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

H2-Projekte in Ihrer Region

Mehr als 300 Wasserstoff-Projekte in Deutschland und Europa

Hier geht's zur interaktiven Karte

„Wir sehen in LH2 den Schlüssel zur Dekarbonisierung der Schifffahrt“
„Wir sehen in LH2 den Schlüssel zur Dekarbonisierung der Schifffahrt“

Raumfahrttechnik für die Schifffahrt: Im EU-geförderten Projekt NavHyS entwickelt ein Konsortium aus 14 europäischen Partnern unter der Koordination der ArianeGroup ein Speicher- und Treibstoffsystem für Flüssigwasserstoff (LH2), das unter Deck installiert werden soll. Als erster Anwendungsfall dienen Service Operation Vessels (SOVs), die für Offshore-Windparks eingesetzt werden. Im Interview erklären Lennart Seifert und Gustavo Moreno von der ArianeGroup GmbH, wie sich Raketentechnik für den Einsatz an Bord von Schiffen anpassen lässt und was politisch und wirtschaftlich passieren muss, damit Flüssigwasserstoff flächendeckend einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Schifffahrt leisten kann.

mehr lesen
Baustart in Dresden: Neues Prototypenzentrum für Elektrolysetechnologien
Baustart in Dresden: Neues Prototypenzentrum für Elektrolysetechnologien

Das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM hat Ende September mit dem Bau eines Prototypenzentrums für Elektrolysetechnologien begonnen. In dem Zentrum sollen großformatige Elektroden für die alkalische Wasserelektrolyse entwickelt und erprobt werden. Nach Institutsangaben handelt es sich um die deutschlandweit erste Forschungsinfrastruktur dieser Art. Die Fertigstellung des Zentrums ist für Sommer 2028 vorgesehen.

mehr lesen
Cytok beantragt Insolvenz und prüft Zukunft von PtG-Technologie
Cytok beantragt Insolvenz und prüft Zukunft von PtG-Technologie

Das GreenTech-Unternehmen Cytok GmbH hat am 15. September beim Amtsgericht Rostock einen Insolvenzantrag gestellt. Trotz erprobter PtG-Technologie (Power-to-Gas) und bestehender Projekte fehlte die Finanzierungsbasis für die Skalierung. Nun sucht das Unternehmen nach Investoren und strategischen Partnern.

mehr lesen

H2 Talk

„Wir sehen in LH₂ den Schlüssel zur Dekarbonisierung der Schifffahrt“
„Die technische Machbarkeit ist nachgewiesen, die größte Herausforderung liegt im Markthochlauf“
„Wir wollen e-Fuels vom teuren Nischenprodukt zu einer wettbewerbsfähigen Lösung entwickeln“

Publikationen

Power-to-Gas

Power-to-Gas

Erscheinungsjahr: 2020

Das Fachbuch fasst aktuelles Wissen zu Power-to-Gas zusammen und bereitet es für Ingenieure der Energie- und Gasversorgung auf. Es wird die gesamte Wertschöpfungskette vom bereitgestellten Strom über die Erzeugung von Wasserstoff und die Integration ...

Zum Produkt

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Erneuerbarer Wasserstoff mit Solar-Wind-Hybridkraftwerken

Autor: Raphael Niepelt, Rolf Brendel

Grüner Wasserstoff ist ein Schlüsselelement für die Transformation und Defossilierung des Energiesystems. Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie hat sich die Politik klar zu grünem Wasserstoff bekannt, wobei der Bedarf vor allem über Importe aus ...

Zum Produkt