Die Unterzeichnung der Vereinbarung folgt auf eine unverbindliche Absichtserklärung, die die Partner Ende März unterzeichnet hatten. Mit dem Einstieg wollen die drei Partner die Position von Cellcentric als Brennstoffzellenhersteller und -entwickler für schwere Nutzfahrzeuge stärken. Toyota will dafür seine rund 30-jährige Erfahrung aus der eigenen Brennstoffzellenentwicklung einbringen.
Nach Vollzug der Transaktion wird der japanische Konzern gleichberechtigter Partner des Brennstoffzellenherstellers. Um die gleichberechtigte Anteilseignerstruktur zu erreichen und auf Augenhöhe mit den anderen beiden Automobilherstellern zusammenzuarbeiten, plant Toyota, sich durch eine Kapitalerhöhung an Cellcentric zu beteiligen und in das Unternehmen zu investieren.
Gemeinsame Entwicklung von Brennstoffzellen-Kerntechnologie
Gemeinsam wollen die drei Unternehmen den technologischen Vorsprung, die industrielle Skalierung und die Wettbewerbsfähigkeit von Cellcentric in der Brennstoffzellentechnologie für schwere Nutzfahrzeuge ausbauen. Martin Lundstedt, Präsident und CEO der Volvo Group, erklärte bereits im März, dass angesichts der Dringlichkeit, den Wandel hin zum klimaneutralen Transport voranzutreiben, die Zusammenarbeit großer Unternehmen wichtiger denn je sei.
Konkret sollen Toyota und der Brennstoffzellenhersteller künftig gemeinsam die Entwicklung und Produktion von Einzelzellen sowie der damit direkt verbundenen Systemarchitektur- und Steuerungselemente verantworten.
Die drei Partner wollen nicht nur die Technik selbst voranbringen. Dafür wollen sie künftig mit Branchenverbänden und weiteren Unternehmen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette zusammenarbeiten. So wollen sie die Entwicklung der Wasserstoffversorgung und -infrastruktur unterstützen und den Aufbau eines Wasserstoff-Ökosystems vorantreiben.
Signal für den Wasserstoff-Standort Deutschland
Mit dem Einstieg will das japanische Unternehmen seine Position in Europa stärken, wo regulatorische Rahmenbedingungen den Einsatz von Wasserstoff als Energieträger nach Angaben von Toyota begünstigen. Die Beteiligung sendet zugleich ein Signal an den Wasserstoff-Standort Deutschland, denn Cellcentric bleibt Kompetenzzentrum für Entwicklung und Fertigung in Baden-Württemberg. Während Deutschland bei Skalierung und Produktionskosten mit Ländern wie China nicht mithalten kann, hat sich der Standort im Bereich der Forschung und Entwicklung etabliert.
Cellcentric bleibt eigenständiges Unternehmen
Der Brennstoffzellenhersteller soll nach der Transaktion ein unabhängiges, eigenständig geführtes Unternehmen bleiben und weiterhin Kunden im schweren Straßengüterverkehr, im Offroad-Bereich sowie in Reisebussen, der stationären Energieerzeugung, bei Schienenfahrzeugen und schweren Arbeitsmaschinen beliefern.
In allen übrigen Geschäftsbereichen bleiben Daimler Truck, Volvo und Toyota unabhängige Wettbewerber. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen, bevor sie endgültig abgeschlossen werden kann.
Serienfertigung erst um 2030 erwartet
Die Serienfertigung der gemeinsamen Brennstoffzellensysteme wird laut Branchenschätzungen erst um das Jahr 2030 erwartet. Bis dahin steht die Zusammenarbeit vor allem für strategische Weichenstellungen zwischen den drei Konzernen.
Der Zusammenschluss zeigt, dass selbst große Wettbewerber die Kosten der Brennstoffzellenentwicklung allein nicht mehr stemmen wollen oder können. Aus Sicht von Branchenbeobachtern ist dies ein Hinweis darauf, dass sich der Markt ohne ausreichenden Skaleneffekt bislang nicht wirtschaftlich entwickeln lässt. Diese Kostenlage spiegelt sich auch in den aktuellen Zulassungszahlen wider: Batterieelektrische Fahrzeuge dominieren die Neuzulassungen bei schweren Nutzfahrzeugen deutlich gegenüber wasserstoffbetriebenen Modellen.








