Erste Ammoniak-Cracking-Anlage im industriellen Maßstab gestartet

Der französische Industriegasekonzern Air Liquide hat die erste Ammoniak-Cracking-Anlage im industriellen Maßstab in Betrieb genommen. Die Pilotanlage steht im Hafen von Antwerpen-Brügge in Belgien. Laut Angaben des Unternehmens kann die Cracking-Anlage täglich 30 Tonnen Ammoniak in Wasserstoff umwandeln.

von | 01.12.25

Die Ammoniak-Cracking-Anlage im Hafen von Antwerpen-Brügge
© Air Liquide
Air Liquide nimmt erste Ammoniak-Cracking-Anlage im industriellen Maßstab in Betrieb

Ammoniak dient als Trägermedium für Wasserstoff. Der Transport von reinem Wasserstoff über große Entfernungen bleibt eine Herausforderung für die Wasserstoffwirtschaft. Ammoniak kann dagegen mit bestehenden Mitteln verschifft werden.

Das aus Wasserstoff und Stickstoff gebildete Molekül lässt sich in Regionen mit hohem Angebot an erneuerbaren Energien wie Solar-, Wind- oder Wasserkraft produzieren. Eine etablierte globale Infrastruktur für Produktion, Transport und Nutzung von Ammoniak existiert bereits. Am Zielort wandelt die Technologie das Ammoniak durch einen thermischen Cracking-Prozess zurück in Wasserstoff um. Dieser Prozess ermöglicht den Export von kohlenstoffarmem oder erneuerbarem Wasserstoff aus energiereichen Regionen zu Endverbrauchern weltweit.

Von der Laborforschung bis zur industriellen Anwendung

Die Pilotanlage im Hafen von Antwerpen-Brügge testet nun die Technologie unter industriellen Bedingungen. Air Liquide will damit die Grundlage für Ammoniak-Cracking-Anlagen im kommerziellen Maßstab schaffen. Armelle Levieux, Mitglied des Executive Committee und verantwortlich für Innovation, Technologie und Wasserstoffenergie, bezeichnet die Inbetriebnahme als Meilenstein für neue kohlenstoffarme Wasserstoff-Lieferketten.

Air Liquide habe dafür eigene Lösungen in den Bereichen Prozesssicherheit, Materialprüfung, Katalyse, Ammoniakverbrennung und Molekültrennung entwickelt. Die Anlage demonstriere nach Angaben des Konzerns eine Schlüsseltechnologie für den Transport von Wasserstoff über große Distanzen.

Der Gasproduzent hat vom Europäischen Innovationsfonds einen Zuschuss in Höhe von 110 Millionen Euro für das Enhance-Projekt im Hafen von Antwerpen-Brügge erhalten.

Unternehmensportfolio für Wasserstoff-Technologien

Das französische Unternehmen erweitert mit dem Verfahren sein Portfolio für die Produktion von kohlenstoffarmem und erneuerbarem Wasserstoff. Das Unternehmen entwickelte die Anlage von der Laborforschung bis zur industriellen Anwendung.

Neben Ammoniak-Crackern produziert das Unternehmen auch Elektrolyseure. Dafür hat Air Liquide mit Siemens Energy Ende 2023 eine GW-Fabrik in Berlin eröffnet.

In Oberhausen betreibt der Industriegasekonzern zudem seit August 2024 einen 20-MW-Elektrolyseur zur Produktion von grünem Wasserstoff. Air Liquide hat dafür als erstes Unternehmen in Deutschland die offizielle RFNBO-Zertifizierung erhalten. Mit der Kennzeichnung kann der Hersteller den dort produzierten Wasserstoff als erneuerbaren Kraftstoff deklarieren.

 

(Quelle: Air Liquide/2025)

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