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Erster Unimog mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor

Mercedes-Benz Special Trucks hat einen Unimog Geräteträger Prototypen mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor im Realbetrieb getestet. Auf einem stillgelegten Autobahnabschnitt zwischen Bayreuth und Bamberg mähte er den Grünstreifen am Autobahnrand. Mit dem Versuchsfahrzeug soll untersucht werden, unter welchen Bedingungen die Wasserstoffverbrennung eine sinnvolle Ergänzung ist.

von | 22.01.24

Der Unimog Prototyp basiert auf dem dieselbetrieben Unimog Geräteträger U 430
© Mercedes-Benz Special Trucks/Foto: Frederik Feulner
Mercedes-Benz Special Trucks Wasserstoff-Unimog

22. Januar 2024 | Mercedes-Benz Special Trucks hat einen Unimog-Prototypen mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor im Realbetrieb getestet. Auf einem stillgelegten Autobahnabschnitt zwischen Bayreuth und Bamberg mähte er den Grünstreifen am Autobahnrand. Mit dem Versuchsfahrzeug soll untersucht werden, unter welchen Bedingungen die Wasserstoffverbrennung eine sinnvolle Ergänzung ist.

Mercedes-Benz Special Trucks Wasserstoff-Unimog

Der WaVe Unimog Prototyp im Testeinsatz auf einem stillgelegten Autobahnabschnitt  (© Daimler Truck AG)

Bei der Fahrt des Prototypen, dem Mähen des Grünstreifens sowie Beschleunigungsfahrten und beim Tanken an einer öffentlichen Zapfsäule erhoben die beteiligten Ingenieure diverse Messdaten. Diese will Mercedes nun für die weitere Fahrzeugentwicklung nutzen.

Die praktische Erprobung bei niedrigen Temperaturen und abwechslungsreicher Topografie sei ein wichtiger Schritt für das laufende Entwicklungsprojekt. Insgesamt 18 Partner arbeiten dabei gemeinsam am Antriebskonzept des von Mercedes konzipierten „WaVe“ (Wasserstoff-Verbrennungsmotor).

Ausbau der Reichweite notwendig

Das Mercedes-Benz Unimog Versuchsfahrzeug basiert auf dem Unimog Geräteträger U 430. Für den alternativen Antrieb durch Wasserstofftechnologie ist ein speziell umgerüsteter Gasmotor mit Tank-, Sicherheits- und Überwachungssystemen und Messtechnik eingebaut.

Bei der Wasserstoffverbrennung im Motorraum entsteht Wasser, das als heißer Wasserdampf über den Auspuff entlassen wird. Der Radstand und die Pritschenlänge sind so bemessen, dass die Wasserstofftankbehälter hinter der Fahrerkabine montiert werden konnten. Die vier TÜV-geprüften 700-Bar-Hochdrucktanks fassen insgesamt etwa 14 kg gasförmigen Wasserstoff. Sie sind zu zwei Doppeltanks zusammengefasst, die mit jeweils einem Tanksteuergerät unabhängig voneinander betrieben werden.

In einer nächsten Entwicklungsstufe soll das Volumen erhöht werden, um einen regulären Arbeitstag abdecken zu können. Der Motor leistet etwa 290 PS / 1000 Nm und ist dabei wahrnehmbar leiser als das Dieselpendant. Der Prototyp wurde mit einem Frontmähgerät mit zwei Mähköpfen ausgestattet, um im Arbeitsbetrieb weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

„Antriebskonzept kann als Blaupause genutzt werden“

Die Entwicklung des Versuchsfahrzeugs mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor findet im Rahmen des öffentlich geförderten Projekts „WaVe“ statt. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Vorhaben begann im Juli 2021. Ziel des WaVe-Projekts ist es, zu prüfen, inwiefern der konventionelle Dieselmotor als Multienergieverteiler für den Fahrantrieb und alle Nebenabtriebe durch einen wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotor ersetzt werden kann. Erste Ergebnisse zeigen, dass für spezielle Anwendungen der Wasserstoff-Verbrennungsmotor eine sinnvolle, komplementäre Lösung sein könnte.

Gerade für den Unimog könnte sich diese Variante aufgrund des limitierten Bauraums und der erforderlichen hohen Leistung im Arbeitseinsatz als zukunftsfähige Antriebsart erweisen. Nach dem ersten erfolgreichen Praxiseinsatz bleibt dem Entwicklungsteam eine restliche Projektlaufzeit von sechs Monaten, um weitere Anpassungen und Verbesserungen vorzunehmen.

Eine Weiterführung des Projekts hält Dr. Günter Pitz, Leiter der Powertrain-Entwicklung bei Mercedes-Benz Special Trucks, für sinnvoll: „Das Antriebskonzept der Wasserstoffverbrennung kann als Blaupause für leistungsintensive Anwendungen im Sonderfahrzeugbereich dienen. Auf Baustellen, im kommunalen oder im landwirtschaftlichen Bereich könnte damit sehr schadstoffarm gefahren und gearbeitet werden. Um bei solchen Fahrzeugen die Serienreife zu erreichen, braucht es auch weiterhin finanzielle Planbarkeit durch gezielte Förderung.“

Neben dem Unimog setzt Daimler auch bei Lkw auf Wasserstoff als Kraftstoff. Der GenH2 Wasserstoff-Lkw wird aber, anders als der Unimog, mit einer Brennstoffzelle betriebe und nutzt Flüssigwasserstoff. Vor einigen Woche kündete das Unternehmen an, dass es nach einigen Probefahrten nun eine Erprobungsflotte aufbauen will.

(Quelle: Daimler Truck AG/2024)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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