Der Hochlauf der deutschen Wasserstoffwirtschaft kommt nicht so voran wie letztes Jahr gedacht. Das zeigt die Gasbilanz 2025, die der Branchenverband Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft am 11. Februar auf der Energiemesse E-world in Essen vorgestellt hat.
Der Rückschritt beim Wasserstoffausbau fällt umso deutlicher auf, weil die Bilanz des Vorjahres noch Aufbruchsstimmung zeigte. Die Gasbilanz 2024 hatte dokumentiert, dass die geplante Elektrolyseleistung mit 11,3 GW erstmals die 10-GW-Grenze der Nationalen Wasserstoffstrategie übertraf. Aktuell belaufen sich die geplanten Elektrolysekapazitäten nur noch auf rund 7,2 GW. Dafür befinden sich aktuell rund 1,3 GW Projekte, die sich bereits im Bau befinden oder bei denen zumindest die FID getroffen wurde.

Leistung von Elektrolyseuren in Deutschland (© Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln (EWI), Power-to-X Projektdatenbank/ DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT e.V.)
Hemmend auf den Wasserstoffhochlauf wirken dabei mehrere Faktoren gleichzeitig: Hohe Strompreise und fehlende Mechanismen zur Senkung der Produktionskosten erschweren den wirtschaftlichen Betrieb von Elektrolyseuren. Unklare Regulierungen verunsichern Investoren. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen keine langfristigen Abnahmeverträge für Wasserstoff abschließen, weil fossile Energieträger deutlich günstiger bleiben.
Trotz des Rückgangs bei den Elektrolyseplänen verzeichnet der Aufbau der Infrastruktur Fortschritte. Im Jahr 2025 wurden rund 525 Kilometer Wasserstoffleitungen realisiert und markierten dadurch den Start des Wasserstoff-Kernnetzes. Verbandschef Dr. Timm Kehler sieht damit die technische Basis als gelegt.
Gas ist und bleibt wichtiger Energieträger
Er betonte: „Die Zahlen zeigen sehr deutlich: Gas ist kein Auslaufmodell, sondern systemrelevant heute für Versorgungssicherheit und morgen als Träger klimaneutraler Moleküle. Wer Stromerzeugung, Wärme und Industrie dekarbonisieren will, muss Moleküle und Elektronen gemeinsam denken und einheitlich für Investitionssicherheit sorgen.“
Parallel zum stockenden Wasserstoffhochlauf wächst der Gasverbrauch wieder. Nach den Rückgängen der Krisenjahre 2022 und 2023 stieg der Verbrauch 2025 gegenüber dem Vorjahr um rund drei Prozent auf 835 TWh (2024: 813 TWh). Der Anteil am Primärenergieverbrauch legte von 25,9 auf 26,9 Prozent zu.
Der Anstieg verteilt sich auf alle Sektoren. Den größten absoluten Anteil hält die Industrie mit 305 TWh – ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders deutlich fiel der Zuwachs in der Stromerzeugung, im Gewerbe und in der Wärmeversorgung aus. Kehler wertet dies als Signal, dass Unternehmen und Verbraucher nach dem Preisschock der Krisenjahre wieder verstärkt auf Erdgas setzen.
Gaskraftwerke füllen die Lücke in Dunkelflauten
Die Notwendigkeit steuerbarer Kraftwerkskapazitäten zeigt sich an konkreten Versorgungsdaten. In Kalenderwoche 3 des Jahres 2025 mussten rund 72 Prozent der Stromerzeugung durch regelbare Kraftwerke – vor allem Gas- und Kohlekraftwerke – gedeckt werden. Doch auch in Kalenderwoche 38, in der der Anteil erneuerbarer Energien am höchsten war, konnten diese nur rund 74 Prozent des Verbrauchs decken.

Gasbilanz Vergleich Nettostromerzeugung 2025 mit einzelnen Kalenderwochen (© Energy Charts/ DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT e.V.)
Gaskraftwerke emittieren dabei rund 392 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde – deutlich weniger als Steinkohlekraftwerke (860 g CO₂/kWh) oder Braunkohlekraftwerke (1.120 g CO₂/kWh). Die CO₂-Intensität des deutschen Strommixes liegt mit 344 g CO₂/kWh dennoch über Ländern ohne Kohleanteil wie Großbritannien (rund 180 g CO₂/kWh).
Mit dem Kohleausstieg fallen in den kommenden Jahren über 30 GW gesicherte Leistung weg. Kehler fordert deshalb eine zügige Umsetzung der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung und einen verlässlichen Kapazitätsmechanismus: „Ohne neue, steuerbare Kraftwerkskapazitäten lässt sich die Stromversorgung nicht absichern. Andernfalls drohen steigende Strompreise und reale Versorgungsrisiken.“
Biomethan: Potenzial genutzt, Regulierung hinkt nach
Neben Wasserstoff rückt Biomethan als zweites erneuerbares Gas in den Fokus. Im Jahr 2025 wurden rund 11,5 TWh Biomethan in das deutsche Gasnetz eingespeist – vor allem für den Wärmemarkt, zunehmend aber auch für Industrie, Stromerzeugung und Verkehr. In Deutschland sind rund 260 Biomethanaufbereitungsanlagen in Betrieb.
Der Verband sieht ungenutzte Potenziale: Im Rahmen des EU-Gas- und Wasserstoffbinnenmarktpakets spiele Biomethan in der nationalen Umsetzung bislang kaum eine Rolle. Unklare Regelungen zu Netzzugang, Massenbilanzierung und Nachweisen gefährden Investitionen in den weiteren Ausbau.
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