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Glasherstellung mit 100 Prozent H2 erhält Innovationspreis der Gasbranche

Der Mainzer Glasproduzent Schott hat den „Innovationspreis Neue Gase 2024" von BDEW, Zukunft Gas und DVGW für die weltweit ersten erfolgreichen Versuche einer industriellen Glasherstellung mit reinem Wasserstoff erhalten. In der Kategorie Anwendungstechnologie setzte sich das Projekt gegen mehr als 100 eingereichte Vorschläge durch. Die Jury würdigte damit einen wichtigen Durchbruch für die energieintensive Glasindustrie: „Eine Umstellung von Erdgas auf Wasserstoff in der energieintensiven Glasproduktion ist tatsächlich ohne Kompromisse bei der Glasqualität möglich“, erklärten die Projektleitenden Dr. Lenka Deneke und Dr. Matthias Kaffenberger.

von | 22.11.24

Dr. Lenka Deneke und Dr. Matthias Kaffenberger (Mitte) nahmen den Innovationspreis Neue Gase in Berlin im Bereich Anwendungstechnologie entgegen. Links Dr. Stefan Knoche und rechts Jonas Spitra (beide Schott)
© Pflug-Fotografie
Glasherstellung

Schotts Glasherstellung markiere einen wichtigen Meilenstein für die energieintensive Glasindustrie. In mehreren Versuchsreihen war es dem Mainzer Unternehmen im April dieses Jahres gelungen, eine Glasschmelzwanne im laufenden 24/7-Betrieb von Erdgas auf 100 Prozent Wasserstoff umzustellen.

„Die komplexen technischen Herausforderungen konnte unser Projektteam lösen und so erstmals erfolgreich optisches Glas mit Wasserstoff schmelzen“, erklären die Projektleitenden Dr. Lenka Deneke und Dr. Matthias Kaffenberger. „Damit steht fest: Eine Umstellung von Erdgas auf Wasserstoff ist tatsächlich ohne Kompromisse bei der Glasqualität möglich.“

Die erfolgreichen Versuche zeigen das Potenzial von Wasserstoff für die Dekarbonisierung der energieintensiven Industrie. Gleichzeitig verwies Frank Heinricht, Vorstandsvorsitzender von Schott, auf die bestehenden Hürden: die Experten

Glasherstellung

Die Experten testen, wie die aktuellen Brenner, welche die Schmelzwannen beheizen, mit Wasserstoff anstatt Erdgas funktionieren. Foto: SCHOTT/ J. Schembs

auf bestehende Hürden: „Wir sind beim Wasserstoff in Vorleistung gegangen. Im Moment gibt es aber weder eine tragfähige Infrastruktur noch wettbewerbsfähige Preise für grünen Wasserstoff.“  Das Unternehmen will seine Produktion bis 2030 klimaneutral gestalten. Dafür verfolgt es neben Wasserstoff auch die Elektrifizierung seiner Schmelzwannen mit Grünstrom als zweiten Technologiepfad.

Glasherstellung als Dekarbonisierungshebel

Der Preis, der unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung steht, würdigt unter dem Motto „Wege zur Klimaneutralität“ zukunftsweisende Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette für neue Gase. Die Jury aus Branchenvertretern und Wissenschaftlern bewertete dabei besonders die Kriterien Effizienz, Umsetzungsgeschwindigkeit, Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit. „Qualität und Quantität der Bewerbungen waren außergewöhnlich“, betonte Prof. Dr. Frank Behrendt, Vorsitzender der Jury und Dekan der Fakultät Prozesswissenschaften der TU Berlin, bei der Preisverleihung am 13. November in Berlin.

Der seit 1980 von den Verbänden der Gas- und Wasserstoffwirtschaft – BDEW, DVGW und Zukunft Gas – vergebene Preis wurde in diesem Jahr erstmals unter dem Namen „Innovationspreis Neue Gase“ verliehen. Die Umbenennung spiegelt die Transformation vom fossilen Energieträger Erdgas hin zu emissionsärmeren Alternativen wie Wasserstoff, Biogas und synthetischem Gas wider. Die Glasherstellung mit Wasserstoff stellt in diesem Kontext einen wichtigen Hebel zur Dekarbonisierung dar. Neben der Kategorie „Anwendungstechnologie“ wurden auch Preise in den Bereichen „Erzeugung“ sowie „Transport & Infrastruktur“ vergeben. Weitere Informationen finden Sie hier.

(Quelle: Schott/2024)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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