In ihrem aktuellen Global Hydrogen Review 2025 wirft die IEA einen Blick auf die Entwicklungen des Wasserstoffmarkts im Jahr 2024. Die Bilanz zeigt ein gemischtes Bild der weltweiten Wasserstoffwirtschaft.
Die globale Nachfrage stieg 2024 auf knapp 100 Mio. Tonnen – ein Plus von 2 % gegenüber 2023. Getrieben wird sie weiterhin vor allem von klassischen Anwendungen in Raffinerien und Chemie. Neue Einsatzfelder wie Stahl, Transport und Energie machen noch unter 1 % aus.
Doch es gibt auch Rückschläge: Die bis 2030 angekündigte Produktion von Niedrigemissions-Wasserstoff liegt mit 37 Mio. Tonnen pro Jahr deutlich unter den 49 Mio. Tonnen des Vorjahres. Grund sind Verzögerungen und Stornierungen, vor allem bei Elektrolyseprojekten. Trotzdem bleibe die Dynamik laut der IEA hoch: Bereits genehmigte Projekte (bei denen eine FID getroffen wurde) könnten die Produktion bis 2030 auf 4,2 Mio. Tonnen verfünffachen – ein starkes Signal für Investoren.
Noch ist grüner Wasserstoff teurer als die fossile Konkurrenz. In China könnte sich das Kostenverhältnis jedoch dank niedriger Strompreise und Kapitalkosten bis Ende des Jahrzehnts drehen. In Europa tragen CO₂-Preise und erneuerbare Energien zur Angleichung bei, während in den USA und im Nahen Osten fossiler Wasserstoff mit CO₂-Abscheidung (CCUS) konkurrenzfähiger bleibt.
Entwicklungen in Asien
Mit 65 % der weltweit installierten Elektrolyse-Kapazität und fast 60 % der Fertigungskapazitäten dominiert China die Branche. Hersteller außerhalb des Landes geraten zunehmend unter Druck. Erste Insolvenzen und mögliche Konsolidierungen sind bereits sichtbar.
Besonderes Augenmerk legt die IEA diesmal auf Südostasien: Die Region verbrauchte 2024 4 Mio. Tonnen Wasserstoff. Diese waren zu 80 % aus Erdgas. Bis 2030 könnten dort 480 kt emissionsarmer Wasserstoff entstehen – vor allem in Indonesien, Malaysia und Vietnam. Potenziale liegen vor allem in Ammoniak, Stahl und dem maritimen Sektor. Dabei könnte Singapur als möglicher Knotenpunkt dienen.
Damit die Schifffahrt klimaneutral werden kann, müssen Häfen wie der in Singapur, Rotterdam oder Ain Sokhna (Ägypten) schnell entsprechende Bunkerinfrastruktur aufbauen. 2024 waren bereits mehr als 60 Methanol-Schiffe in Betrieb, rund 300 weitere bestellt.
Politik soll Nachfrage schaffen
Laut dem Global Hydrogen Review gewinnen nachfrageseitige Maßnahmen an Bedeutung. Weltweit gibt es dafür verschiedene politische Ansätze:
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EU: Quoten für Industrie und Verkehr im Rahmen der RED.
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Indien: Ausschreibungen für Raffinerien und Düngemittel.
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Japan und Korea: Programme im Stromsektor.
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IMO (International Maritime Organization – eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die weltweit Standards für die Schifffahrt setzt): Net-Zero-Rahmen könnte H₂-basierte Schiffskraftstoffe pushen.
Die IEA fordert Regierungen auf, „shovel-ready“-Projekte zu fördern. Der Begriff bezeichnet Vorhaben, die so weit vorbereitet sind, dass sie sofort starten könnten. Projekte, bei denen die Pläne fertig sind, Genehmigungen vorliegen und die Finanzierung weitgehend geklärt ist. Es fehlt also nur noch die letzte Unterstützung oder ein politisches Signal, damit sprichwörtlich „der erste Spatenstich“ (shovel = Schaufel) erfolgen kann.
Außerdem empfiehlt die IEA, die Nachfrage nach Wasserstoff durch Quoten und öffentliche Beschaffung zu stimulieren, Infrastruktur an Industrie- und Hafenclustern zu beschleunigen und Schwellenländer beim Aufbau lokaler Wertschöpfung zu unterstützen. So könnten die Voraussetzungen für eine stabilere und positivere Entwicklung der weltweiten Wasserstoffwirtschaft geschaffen werden.
Der Global Hydrogen Review 2025 zum Download







