Grüner Wasserstoff aus Gülle und Mist: Verbund um BtX energy GmbH nimmt Pilotanlage in Betrieb

Die Biogasroute bietet großes Potential für regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit. Der Verbund um die frisch gegründete BtX energy GmbH aus Hof hat die erste in Betrieb genommene Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff aus nachhaltig erzeugtem Biogas aus dem BMWK-geförderten Projekt „BioH2Ref“ präsentiert.

von | 02.11.22

02. November 2022 | Die Biogasroute bietet großes Potential für regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit. Der Verbund um die frisch gegründete BtX energy GmbH aus Hof hat die erste in Betrieb genommene Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff aus nachhaltig erzeugtem Biogas aus dem BMWK-geförderten Projekt „BioH2Ref“ präsentiert.

Am 28.10. wurde die Anlage auf einem Zwischenstandort bei der Naturenergie Glemstal in Hemmingen eingeweiht.

Die eingesetzte Technologie der Dampfreformierung ist bekannt aus dem Erdgassektor, nutzt hier aber erneuerbares Biogas – vornehmlich aus Reststoffen – und ist zugeschnitten auf landwirtschaftliche Betriebe. Die Anlage erzeugt hochreinen Wasserstoff direkt auf dem landwirtschaftlichen Hof.

Lokale Wasserstoffinfrastruktur auf Biogasbasis

Für die Landwirtschaft eröffnet sich eine neue und vielversprechende Option, einen wichtigen Beitrag zur Transformation hin zur CO2-negativen Mobilität zu leisten. Das gilt ganz besonders beim Einsatz von organischen Reststoffen wie Gülle, Mist oder Bioabfall.

Rund 80 % der fermentierbaren Reststoffe wie Gülle und Mist in Deutschland sind bisher ungenutzt – dieses Potenzial wird durch die Wasserstofferzeugung lukrativ und könnte schon heute fast ein Drittel des inländischen Schwerlastverkehrs nachhaltig versorgen. Der Einsatz senkt Methan- sowie Geruchsemissionen, während der Gärrest nach wie vor als Dünger dient.

Biogas als einzige kontinuierlich anfallende erneuerbare Energiequelle kann daher kurzfristig als Kristallisationskeim für den Aufbau einer nachhaltigen, lokalen H2-Infrastruktur dienen, die mittel- und langfristig in ein globales System der Wasserstoffwirtschaft integriert wird.

Die Wirtschaftlichkeitsrechnung zeigt, dass kurzfristig und bereits bei Kleinserienfertigung von wenigen Stück pro Jahr, grüner Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Kosten erzeugt und für alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette tragfähige Geschäftsmodelle entwickelt werden können.

Schlüsselfertige Containeranlage

Umweltpreisträger Dr.-Ing. J.G. Wünning, Initiator des Konzeptes und Investor der Demonstrationsanlage, erläutert Motivation und Zielrichtung:

„Ich bin der Überzeugung, dass regionale, dezentrale Infrastrukturlösungen das Merkmal von erneuerbaren Energien sind und zur Energiesicherheit entscheidend beitragen. Kernelemente unseres Ansatzes sind die Nutzung organischer Reststoffe, die Schließung der CO2-Bilanz, und eine faire Verteilung der Gewinne auf alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette. Ich glaube, das lässt sich auf regionaler Ebene am besten realisieren.“

Bevor die Anlage ihren finalen Zielort – einen Milchviehbetrieb in Krefeld, NRW – erreicht, erfolgte die öffentliche Vorstellung auf der Biogasanlage der Naturenergie Glemstal (Hemmingen, Baden-Württemberg). Der Betrieb stellt dem Projekt Stellplatz und Gas zur ersten Inbetriebnahme zur Verfügung.

Die schlüsselfertige Containeranlage wurde vom Spezialisten für Kleinserienanlagenbau aus dem Verbund, der e-flox GmbH aus Renningen, entwickelt und gebaut. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf einfache und klar definierte Schnittstellen für die Nachrüstung von Bestandsanlagen gelegt. Zum Einsatz kommt die ausgereifte Reformertechnologie des Schwesterunternehmens WS Reformer GmbH. Für den Einsatz mit Biogas fließen Neuentwicklungen sowohl im Prozess- als auch im Katalysatordesign ein.

Projektdetails

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Begrüßungsreden von Steffen Bilger MdB und Ministerialdirigent Martin Eggstein vom Baden-Württembergischen Umweltministerium sowie einer Videobotschaft von Staatssekretär Roland Weigert des Bayerischen Wirtschaftsministeriums.

Nach einer kurzen Vorstellung von Projekt und Technologie überraschte Dr. Wünning dann die Besucher sowie die Belegschaft der BtX mit der Verkündung der Beschaffung eines eigenen Wasserstoffbusses. Am Nachmittag begrüßte der Verbund ca. 100 interessierte Gäste aus Industrie, Wissenschaft und Forschung zur Besichtigung mit anschließender Netzwerk- und Abendveranstaltung. Transportiert wurden die Gäste stilecht mit einem emissionsfreien Wasserstoffbus der Stuttgarter Straßenbahnen AG, gesponsert durch die freundschaftliche Zusammenarbeit mit der H2Swiss Energy.

Im Rahmen des öffentlich geförderten Projektes „BioH2Ref“ wird die BtX-energy GmbH die Anlage betreiben, Wasserstoff für den Verkehrssektor aus reiner Gülle im Alltagsbetrieb erzeugen und in Begleitung der RWTH Aachen wissenschaftlich fundierte Daten zur Effizienz, und Umweltbilanz dieses Verfahrens liefern.

 

(WS Wärmeprozesstechnik GmbH/2022)

 

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Die Inbetriebnahme und Präsentation der Pilotanlage erfolgte am 28.10.2022 (Quelle: WS Wärmeprozesstechnik GmbH)

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