H2-Bilanz von E.ON: „Deutschland ist nicht Wasserstoff-ready“

Deutschland ist nicht ausreichend auf den Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft vorbereitet. So lautet das Ergebnis der H2-Bilanz, einer Analyse von E.ON, die auf Daten des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) basiert.

von | 11.11.22

11. November 2022 | Deutschland ist nicht ausreichend auf den Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft vorbereitet. So lautet das Ergebnis der H2-Bilanz, einer Analyse von E.ON, die auf Daten des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) basiert.

Mit Blick auf das Jahr 2030 stellt sich heraus, dass weder die inländische Erzeugungskapazität von grünem Wasserstoff ausreicht, noch der deutsche Importbedarf gedeckt werden kann. Außerdem mangelt es an der Infrastruktur, um Wasserstoff zu den Kunden zu bringen.

Das Ziel ist klar: den aktuellen Status Quo des Wasserstoffhochlaufs in Deutschland aufzuzeigen. In die Analyse fließen außerdem die konkreten Projektvorhaben bis 2030 und darüber hinaus ein. Indikatoren sind unter anderem die Erzeugungskapazität von grünem Wasserstoff, Importmengen, Infrastruktur und Kosten. Die Analyse der Daten ergibt: Deutschland ist nicht Wasserstoff-ready.

50,5 TWh Importlücke

Unter Berücksichtigung aller bis zum Jahr 2030 geplanten Projekte zum Aufbau von Elektrolysekapazität ergibt sich eine Erzeugungsleistung von 5,6 Gigawatt – das ist nur etwas mehr als die Hälfte der nationalen Erzeugungskapazität, die laut Bundesregierung bis 2030 erreicht werden soll. Wenn der Aufbau von nationaler Wasserstoffproduktion nicht schneller voranschreitet, erhöht sich der vorhandene Importbedarf noch weiter.

Auch hier zeigt die H2-Bilanz eine große Lücke: Ausgehend von der dena-Leitstudie, die einen Wasserstoffbedarf von 66 TWh bis 2030 zugrunde legt, beträgt die Importlücke Stand heute 50,5 TWh. Das entspricht etwa dem monatlichen Erdgasverbrauch in Deutschland im September 2022.

Darüber hinaus fehlt die Infrastruktur, um den Wasserstoff von den Grenzen des Landes – insbesondere den Häfen – zu den Kunden zu transportieren, die für ihre Umstellung auf grüne Technologien darauf angewiesen sind. Aktuell gibt es 417 Kilometer Wasserstoff-Netze – weniger als 0,1 Prozent des deutschen Gasnetzes.

E.ON Vorstand Patrick Lammers:

„Wir brauchen einen Markt für grünen Wasserstoff – für eine nachhaltige Dekarbonisierung, aber auch für die Diversifizierung von Energiequellen. Der globale Wettbewerb um Investitionen in die Wasserstoffindustrie hat nun begonnen.

 

Wir stehen in Deutschland und Europa an einem Scheideweg: Jetzt wird sich zeigen, ob der Aufbau dieses neuen Marktes bis 2030 gelingt. Unsere Wettbewerbsfähigkeit und das Gelingen des Wasserstoff-Hochlaufs sind davon abhängig, ob nun zügig die richtigen Weichen in Politik und Regulierung gestellt werden.“

So weist E.ON darauf hin, dass es auf EU-Ebene immer noch keine Definition von grünem Wasserstoff gibt. Das hemmt Investitionsentscheidungen, weil Anlagenbetreiber nicht wissen, ob ihre heutige Planung die Kriterien erfüllen wird.

Risikofaktor Unbundling

Unsicherheit bremst auch den Aufbau eines Wasserstoff-Netzes. Der Vorschlag der EU-Kommission zur Entflechtung, das sogenannte Unbundling, würde es langfristig nicht erlauben, Erdgas- und Wasserstoff-Netze innerhalb eines Unternehmens zu führen. Damit würde den Gasnetzbetreibern der Anreiz fehlen, ihre Netze auf H2 umzurüsten.

Darüber hinaus ist das Förderumfeld in Deutschland noch nicht ausgereift genug, damit bis zum Jahr 2030 eine vollständig neue Industrie entstehen kann. Der Markthochlauf erfordert einen pragmatischen Finanzierungsrahmen für Investitionen in Wasserstoffprojekte. Um Unternehmen zur Umstellung auf grüne Alternativen zu bewegen, bedarf es einer Unterstützung bei den Betriebskosten.

Die Genehmigungsverfahren für Produktion und Import von Wasserstoff benötigen eine massive Beschleunigung. Die für Windenergie und Photovoltaik geplante gesetzliche Einstufung als „von überragendem öffentlichem Interesse” muss auch für Wasserstoffprojekte gelten. Für den Bau neuer Wasserstoffleitungen ist diese Regelung in der aktuellen Gesetzgebung bereits aufgenommen worden, allerdings nur befristet bis Ende 2025. Die große Investitionsphase wird wahrscheinlich aber erst danach eintreten. Nur, wenn diese Befristung aufgehoben wird, gibt es langfristige Planungssicherheit.

Die H2-Bilanz wird von sofort an alle sechs Monate veröffentlicht. Die wissenschaftliche, datenbasierte Herangehensweise soll einen Beitrag dazu leisten, dass an den richtigen Stellschrauben für einen erfolgreichen Wasserstoff-Hochlauf gedreht wird.

Die Daten der H2-Bilanz und weitere Informationen finden Sie hier.

 

(E.ON/2022)

 

 

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Noch fehlt die für den Wasserstoffhochlauf notwendige Infrastruktur weitestgehend (Quelle: Pexels)

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