H2-Produktion mit Aluminium: Siemens skaliert neuartiges Verfahren

Siemens und das britische Unternehmen Paragon Resources wollen eine neuartige Art der Wasserstoffproduktion zur Marktreife bringen. Das Verfahren nutzt recyceltes Aluminium und soll neben Wasserstoff auch verwertbare Nebenprodukte erzeugen - und das ohne externe Energiezufuhr.

von | 04.08.25

Siemens entwickelt Simuöationsmodelle für Wasserstoffanlagen
© Siemens
Siemens

Siemens und Paragon Resources Limited haben eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Skalierung eines neuartigen Verfahrens zur Wasserstoffproduktion unterzeichnet. Dies teilte Siemens am Mittwoch (30. Juli) mit.

Das in Aylesbury bei Oxford ansässige Chemieunternehmen Paragon Resources hat ein Verfahren entwickelt, das Wasserstoff ohne gängige Prozesse wie Elektrolyse oder Dampfreformierung erzeugen soll. Es basiert auf der Reaktion von behandeltem Aluminium mit Wasser in Gegenwart eines Katalysators. Dabei entstehen Wasserstoffgas, Aluminiumhydroxid sowie Wärme, die in Elektrizität umgewandelt werden kann. Nach Angaben von Paragon Resources werden dabei weder fossile Brennstoffe noch externe Stromquellen benötigt.

Das britische Unternehmen hat laut Siemens bereits mehrere Patente für das Verfahren angemeldet, einschließlich Reaktordesign und einem KI-basierten Steuerungssystem.

Kreislaufwirtschaft als zusätzlicher Nutzen

Das Verfahren ermöglicht nach Unternehmensangaben auch das Recycling von Aluminium, das andernfalls auf Deponien landen könnte. Das entstehende Aluminiumhydroxid werde zudem emissionsfrei und mit minimaler Umweltbelastung produziert. Es könne dann in der Kosmetik- und Pharmaindustrie zum Einsatz kommen sowie bei der Wasserreinigung, Brandschutz, Keramik- und Glasherstellung.

Die Kooperation zielt laut den Unternehmen darauf, energieintensive Industrien bei der Dekarbonisierung zu unterstützen und gleichzeitig Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft zu fördern. Beide Unternehmen sehen in der Partnerschaft einen wichtigen Schritt zur Schaffung eines robusten Wasserstoffmarkts.

Siemens bringt Digitalisierungsexpertise ein

Als bevorzugter Technologiepartner will Siemens nach eigenen Angaben den Weg von der Pilotphase zur industriellen Skalierung beschleunigen. Über die digitale Geschäftsplattform Siemens Xcelerator sollen Automatisierung, Digital-Twin-Technologie und KI-gesteuerte Prozesssteuerung die Reaktoreffizienz steigern und den thermischen Wirkungsgrad optimieren.

„Die Herausforderung der Hochskalierung der Wasserstoffproduktion lässt sich nur durch Kooperationsbereitschaft bewältigen“, so Andy Lane, Senior Commercial Manager bei Siemens. Der Konzern spiele eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Unternehmen wie Paragon Resources bei der Entwicklung, Skalierung und Kommerzialisierung innovativer Verfahren.

Die Kooperation mit Paragon fügt sich in Siemens‘ umfassende H2-Strategie ein. „Wir wollen die Basis des Wasserstoff-Ökosystems bereitstellen“, erklärte H2-Experte Philipp Glaser Ende Mai gegenüber H2-News.de. Das Unternehmen verfolgt dabei den Ansatz der „digitalen Wasserstoffanlage“ – einer vollständigen digitalen Repräsentation mit vorgefertigten Engineering-Bausteinen und intelligenter Prozessoptimierung.

Mehr erfahren Sie im Interview mit dem Wasserstoffexperten Philipp Glaser
(Quelle: Siemens/2025)

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