H2-Projektierer sichert sich Fläche für 180-MW-Wasserstoffwerk in Pasewalk

Enertrag hat den Kaufvertrag für ein 6,5 Hektar großes Grundstück in Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern) unterzeichnet. Der Projektierer will hier eine Elektrolyseanlage mit 60 MW Kapazität in der ersten Ausbaustufe errichten. Langfristig ist eine Verdreifachung der Leistung auf 180 MW geplant. Die IPCEI-geförderte Anlage soll direkten Anschluss an das deutsche Wasserstoffkernnetz erhalten und ist Teil von Enertrags "Elektrolysekorridor Ostdeutschland".

von | 01.07.25

Vertragsunterzeichnung in Pasewalk (weitere Informationen im Text)
Foto: © Tom Schweers
Pasewalk

Pasewalk soll ein Wasserstoffwerk erhalten. Der brandenburgische Projektierer Enertrag hat dafür am Dienstag (24. Juni) den Kaufvertrag für ein Grundstück im Industriepark Berlin-Szczecin notariell unterzeichnet, wie das Unternehmen am Freitag (27. Juni) mitteilte. Auf der 6,5 Hektar großen Fläche soll eines der ersten großtechnischen Wasserstoffwerke in Mecklenburg-Vorpommern entstehen.

Das Projekt ist Teil des europäischen IPCEI-Programms (Important Projects of Common European Interest) und soll an das Wasserstoffkernnetz angeschlossen werden. In der ersten Ausbaustufe ist eine Elektrolyseleistung von 60 MW geplant, die eine jährliche Produktion von rund 6.000 Tonnen grünem Wasserstoff ermöglichen soll. In einer zweiten Ausbaustufe kann die Anlage auf 180 MW erweitert werden.

Teil des „Elektrolysekorridors Ostdeutschland“

Noch 2025 will Enertrag das Engineering zur technischen Ausarbeitung beauftragen. Bereits im August beginnen dann nach Unternehmensangaben erste naturschutzrechtliche Maßnahmen auf dem Gelände, unter anderem mit dem Aufbau eines Reptilienschutzzauns. Die Genehmigungsunterlagen werden voraussichtlich in der ersten Hälfte 2026 eingereicht, der Baustart ist für 2027 vorgesehen. Die Inbetriebnahme ist bis 2029 geplant. „Damit setzen wir einen Meilenstein zur Errichtung eines Wasserstoffwerks in Pasewalk, das eines der ersten in Mecklenburg-Vorpommern sein wird“, so Michael Westphal, Geschäftsführer der Enertrag Landgesellschaft. Das Projekt werde nicht nur neue Arbeitsplätze schaffen, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort stärken.

Die Pasewalker Anlage ist Bestandteil des von der EU-Kommission im Februar 2024 genehmigten „Elektrolysekorridors Ostdeutschland“, einem der 24 deutschen Projekte der im Juli 2024 final genehmigten IPCEI-Welle „Hy2Infra“. Enertrag plant im Rahmen dieses Korridors den Aufbau von insgesamt 185 MW Elektrolysekapazität an zwei Standorten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Kumuliert sollen sie bis zu 17.000 Tonnen Wasserstoff jährlich in das Wasserstoffnetz einspeisen.

„Mit unseren Elektrolyseurkapazitäten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern kommen wir auf einen Marktanteil in Deutschland von rund 12 % und tragen dazu bei, dringend benötigten Wasserstoff an industrielle Abnehmer liefern zu können“, hatte Dr. Tobias Bischof-Niemz, Bereichsleiter Neue Energielösungen bei Enertrag, im März 2024 erklärt.

„Impulsgeber für die Region Pasewalk“

An der Vertragsunterzeichnung nahmen neben Bürgermeister Danny Rodewald und dem stellvertretenden Bürgermeister Marko Schmidt auch die Sachgebietsleiterin für Liegenschaften, Elgin Knop, teil. Seitens Enertrag waren Michael Westphal und Branko Swierczek, Geschäftsführer der Enertrag Landgesellschaft, sowie Projektleiter Tim Pawlowski anwesend.

Bürgermeister Rodewald bezeichnete die Vertragsunterzeichnung als „weiteren Meilenstein für die Entwicklung des Industrieparks Berlin-Szczecin“. Das geplante Wasserstoffwerk sei „nicht nur ein starkes Bekenntnis zum Standort Pasewalk, sondern auch ein Impulsgeber für die gesamte Region“.

Enertrag entwickelt nach eigenen Angaben Energieprojekte mit über 30 GW Leistung in neun Ländern auf vier Kontinenten und erzeugt jährlich rund 2.000 GWh Strom aus Wind und Sonne sowie seit 2011 grünen Wasserstoff. Im März hatte Anne Bendzulla, die seit Januar 2025 als COO für den Anlagenbetrieb des Unternehmens verantwortlich ist, gegenüber H2News erklärt, das Wasserstoffgeschäft spiele „umsatztechnisch noch eine untergeordnete Rolle“. Die Projekt-Pipeline sei „gut gefüllt“, aufgrund politischer Umwälzungen mangele es jedoch „sowohl an Planungssicherheit als auch an Abnehmern mit klaren Abnahmezusagen“.

 

(Quelle: Enertrag/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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