H2ercules: Wasserstoffschnellweg in Deutschland vorgestellt

OGE und RWE haben das nationale Infrastrukturkonzept "H2ercules" vorgestellt. Mit dem Wasserstoff-Schnellweg soll der im Norden Deutschlands produzierte Wasserstoff in den Süden und Westen transportiert werden.

von | 15.04.22

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15. April 2022 | OGE und RWE haben das nationale Infrastrukturkonzept „H2ercules“ vorgestellt. Mit dem Wasserstoff-Schnellweg soll der im Norden Deutschlands produzierte Wasserstoff in den Süden und Westen transportiert werden.

Deutschland steht bei der Dekarbonisierung und der Diversifizierung seiner Energieversorgung vor großen Herausforderungen. Es braucht schnelle Lösungen, die die Versorgungssicherheit und den Weg zur Klimaneutralität gleichermaßen unterstützen. Ein zügiger Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ist dafür essenziell.

Um den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland deutlich zu beschleunigen, haben OGE und RWE das nationale Infrastrukturkonzept „H2ercules“ entwickelt. Damit wollen die beiden Unternehmen den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur vorantreiben. Diese soll Elektrolyseure sowie Speicher- und Importmöglichkeiten für grünen Wasserstoff im Norden mit industriellen Endverbrauchern im Westen und Süden Deutschlands verbinden. Weitere in Entwicklung befindliche Importrouten aus dem Süden und Osten sollen bis 2030 angeschlossen werden. So kann H2ercules das Rückgrat einer Wasserstoffinfrastruktur von der Nordseeküste bis nach Süddeutschland werden. Erste Großunternehmen, wie zum Beispiel thyssenkrupp, haben ihr Interesse signalisiert, an ein solches Netz angeschlossen zu werden.

Investitionen in Milliardenhöhe werden benötigt

Die Umsetzung des Vorhabens erfordert voraussichtlich Investitionen in einer Größenordnung von 3,5 Milliarden (Mrd.) Euro. Da der größte Teil von H2ercules auf der Umstellung bereits bestehender Erdgasleitungen beruht, ist der Vorschlag in Summe kostengünstiger und deutlich schneller zu realisieren als ein kompletter Neubau.

„Um ihre Klimaziele erreichen zu können, braucht die Industrie große Mengen an grünem Wasserstoff – und das so schnell wie möglich. RWE will deshalb bis 2030 an küstennahen Standorten im Nordwesten Deutschlands zusätzliche Elektrolysekapazitäten errichten und betreiben. Der erzeugte grüne Wasserstoff soll dann vom Norden dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird, etwa zu Stahlerzeugern, Chemieunternehmen und Raffinerien im Ruhrgebiet und in Süddeutschland. Diese Herausforderung gehen wir mit OGE an. Gemeinsam wollen wir den ersten Wasserstoff-Schnellweg in Deutschland schaffen“, erklärt Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender der RWE AG.

Hercules-Aufgaben Dekarbonisierung und Diversifizierung

Dr. Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsführung der OGE, ergänzt: „Das Konzept ist als umsetzbarer Vorschlag zu verstehen, um die Hercules-Aufgaben Dekarbonisierung und Diversifizierung der Energieversorgung zu lösen. Diese Aufgabe ist nur durch eine intensive wertschöpfungsstufen­übergreifende Zusammenarbeit der Unternehmen mit Unterstützung der Politik durch kurzfristige Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen zu meistern. RWE als führendes Unternehmen in der Stromerzeugung und OGE als führendes Unternehmen im Transport gasförmiger Energie bringen die notwendigen Voraussetzungen und den Willen zur Gestaltung zusammen. Wir überwinden das Henne-Ei-Problem im XXL-Format und bieten damit anderen Wasserstoff-Akteuren eine verlässliche Basis für ihre Projekte.“

Die Rollen bei H2ercules sind klar verteilt: RWE will bis zu 1 Gigawatt an neuen Elektrolyse-Anlagen bis 2030 realisieren und damit grünen Wasserstoff erzeugen. Zudem plant RWE, große Mengen Wasserstoff zu importieren. Auch beabsichtigt RWE wasserstofffähige Gaskraftwerke mit einer Leistung von mindestens 2 Gigawatt in Anschlussnähe zur geplanten H2ercules-Trasse zu errichten und ihre Gasspeicher nahe der niederländischen Grenze an die Wasserstoffleitung anbinden zu lassen. Beides ist wichtig, um grüne flexible Backup-Kapazität zu schaffen. OGE will dafür sorgen, dass der grüne Wasserstoff zum Kunden kommt, indem bestehende Erdgasleitungen für den Wasserstofftransport umgestellt und ergänzend neue Leitungen gebaut werden. So kann ein Leitungsnetz von circa 1.500 Kilometern entstehen, das sich in die deutschlandweite Wasserstoff-Netzplanung einfügt. Über den Abstimmungsprozess für den Netzentwicklungsplan Gas (NEP Gas) ist das Zusammenspiel mit den Wasserstoff-Aktivitäten der anderen Marktakteure sichergestellt.

Neue Importrouten erschließen

H2ercules eröffnet neue Möglichkeiten, um Deutschland an wesentliche Importrouten anzuschließen – zunächst über Pipelines aus Belgien und den Niederlanden, später über Norwegen sowie aus Süd- und Osteuropa; perspektivisch auch über Importterminals für grüne Moleküle im Norden Deutschlands. Damit trägt das Projekt zum Entstehen eines europäischen Wasserstoffmarktes bei.

Das Projekt ist offen für weitere Partner entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Mit diesem integrierten Ansatz und einem auf Wachstum ausgelegten Umsetzungspfad wird H2ercules bis 2030 überregional zwei Drittel des für Deutschland bekannten Wasserstoffbedarfs in den Verbrauchszentren entlang des empfohlenen Korridors erreichen können. So kann zügig der Schritt in eine großskalige Wasserstoffwirtschaft gelingen. Neben großen industriellen Abnehmern könnten dabei auch kleinere Unternehmen profitieren.

Die Umsetzung des Vorhabens bedarf passender Rahmenbedingungen, die RWE und OGE in Kürze mit der Politik erörtern wollen.

 

(Quelle: RWE)

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