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H2med: 170 Unternehmen bekunden Interesse an Süd-Nord-Pipeline

Fast 170 Unternehmen mit über 500 Projekten bekunden Interesse am geplanten Wasserstoffkorridor H2med, der ab Anfang der 2030er Jahre Portugal, Spanien, Frankreich und Deutschland verbinden soll. Das gaben die fünf beteiligten Netzbetreiber Enagás, NaTran, OGE, REN und Teréga am 10. Februar in einem gemeinsamen Webinar bekannt. Die Betreiber sehen in den Ergebnissen ihrer Marktsondierung eine Bestätigung der strategischen Bedeutung ihrer Pipeline-Route für Europas Wasserstoffstrategie.

von | 25.02.25

Die beteiligten FNB wollen ihre nationalen Wasserstoffnetze und -speicher miteinander verbinden
© H2med
H2med

Die Resonanz auf die Marktsondierung zeigt: Das Interesse an der Wasserstoff-Pipeline ist groß.  Daher soll die im Dezember 2024 gegründete H2med-Allianz soll erweitert werden. Der Zusammenschluss aus den Netzbetreibern REN, Enagás, Teréga, NaTran und OGE sowie Regierungsvertretern und Unternehmen will den Korridor durch regelmäßige Treffen langfristig unterstützen.

Eine wichtige Aufgabe sei die Harmonisierung der Umsetzung des Maßnahmenpakets für Wasserstoff in den beteiligten Mitgliedstaaten. Der Prozess soll dazu beitragen, das Risiko von Infrastrukturprojekten zu verringern und der Industrie Planungssicherheit zu geben.

Zudem wollen die Betreiber eine digitale Matchmaking-Plattform weiterentwickeln. Sie soll die Eintragung neuer Projekte entlang der Pipeline ermöglichen und so die weitere Marktentwicklung sowie den Aufbau neuer Geschäftsbeziehungen erleichtern.

H2-Exporte von der iberischen Halbinsel

Die rund 2,5 Milliarden Euro teure Leitung soll ab 2030 bis zu zwei Millionen Tonnen Wasserstoff jährlich von Portugal über Spanien und Frankreich bis nach Deutschland transportieren – etwa zehn Prozent des geschätzten europäischen Gesamtbedarfs. Für einzelne Teilabschnitte hat die Europäische Union bereits Fördermittel bewilligt.

Nach Angaben der beteiligten Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) plant Portugal ab 2030 Wasserstoff-Exporte von 0,4 Millionen Tonnen jährlich. Spanien will im selben Zeitraum 1,22 Millionen Tonnen liefern können. 2032 soll die volle BarMar-Kapazität erreicht werden.

Für 2035 prognostiziert Spanien eine Gesamtproduktion von 4,6 Millionen Tonnen, wovon 2,6 Millionen Tonnen für den heimischen Verbrauch vorgesehen sind. Die Marktsondierung zeigt zudem Interesse nordafrikanischer Länder, ab 2040 ihre Wasserstoffproduktion über diese Route nach Europa zu transportieren.

Spanien könnte dank seiner günstigen Bedingungen für erneuerbare Energien zu einem wichtigen Wasserstoff-Exporteur werden. Die Produktionskosten für Solarstrom liegen dort bei rund einem Cent pro kWh, was die Herstellung von grünem Wasserstoff besonders wirtschaftlich macht. Die spanische Regierung investiert daher mehrere Milliarden Euro in den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft. In ihrer aktualisierten Wasserstoffstrategie vom September 2024 plant die spanische Regierung, bis 2030 Elektrolysekapazitäten in Höhe von 12 GW aufzubauen.

Wachsende Nachfrage in Frankreich und Deutschland

In der Pressemitteilung der beteiligten FNB ist auch zu lesen, dass Frankreichs Wasserstoffbedarf bis 2050 auf 0,9 Millionen Tonnen jährlich steigen könnte. Hauptabnehmer dürften die chemische Industrie und die Produktion von E-Fuels für den Mobilitätssektor sein. Ein Teil der französischen Produktion soll über den Leitungsabschnitt HY-FEN nach Deutschland gelangen.

In Westdeutschland wird die Nachfrage bis 2035 voraussichtlich die Hälfte der H2med-Kapazität beanspruchen. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet mit einem deutschen Gesamtbedarf von 17 bis 21 Millionen Tonnen jährlich bis 2040. Nach Angaben der Bundesregierung wird der nationale Wasserstoffbedarf im Jahr 2030 bereits bei bis zu 110 TWh liegen. Davon kann nur ein kleiner Teil durch heimische Produktion gedeckt werden; zwischen 50 und 80 Prozent seines grünen Wasserstoffbedarfs wird Deutschland importieren müssen.

H2med: Geschichte einer Pipeline

Die Entstehungsgeschichte des H2med-Projekts reicht zurück bis ins Jahr 2013, als mit dem Bau der Erdgas-Pipeline „MidCat“ (Midi Catalogne) zwischen Barcelona und Carcassonne begonnen wurde. Die französische Regierung stoppte das Projekt jedoch 2019, da es als zu teuer und unzeitgemäß eingestuft wurde.

Mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs und den ausbleibenden Erdgaslieferungen aus Russland gewann die Idee einer spanisch-französischen Pipeline neue Bedeutung. Im Oktober 2022 kündigten Paris und Madrid an, das Vorhaben unter dem Namen „BarMar“ fortzusetzen. Anders als beim ursprünglichen Plan sollte die neue Pipeline nicht die Pyrenäen überqueren, sondern als Untersee-Pipeline durch das Mittelmeer Barcelona mit Marseille verbinden.

Im Dezember 2022 wurde das Projekt von den Regierungschefs Spaniens und Frankreichs in „H2med“ umbenannt, um zu verdeutlichen, dass hauptsächlich Wasserstoff durch die bis zu 476 km lange Pipeline fließen soll. Die geplanten Bauarbeiten sollen 2026 beginnen. Im Januar 2023 wurde bei den Feierlichkeiten zum Jubiläum des Élysée-Vertrags in Paris bekannt gegeben, dass auch Deutschland von dem Wasserstoff des „grünen Korridors“ profitieren soll. Diese Entwicklung führte schließlich zur Beteiligung des deutschen FNB OGE am Projekt.

 

(Quelle: H2med/2025)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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