Hamburger Flughafen testet Wasserstoff-Gepäckschlepper im Realbetrieb

Der Hamburger Flughafen erprobt erstmals einen auf Wasserstoffantrieb umgerüsteten Gepäckschlepper unter Realbedingungen. Der sechsmonatige Test soll zeigen, ob sich bestehende Bodenfahrzeuge wirtschaftlich auf H₂-Betrieb umrüsten lassen. Das Projekt ist Teil der EU-Initiative BSR HyAirport zur Dekarbonisierung von Flughäfen.

von | 20.08.25

Der Wasserstoff-Praxistest auf dem Hamburger Flughafen läuft seit Anfang Juli
© Hamburg Airport
Flughafen

Der Hamburger Flughafen Hamburg Airport hat den Testbetrieb eines wasserstoffbetriebenen Gepäckschleppers gestartet. Wie das Unternehmen Anfang Juli mitteilte, basiert das Fahrzeug auf einem Erdgas-Modell (Mulag 4CNG) und wurde von der Firma HTM Hydro Technology Motors aus Bingen auf Wasserstoff umgerüstet. Die bewusst in den besucherreichen Sommermonaten stattfindende Testphase soll sechs bis neun Monate dauern.

„Mit diesem Test schließen wir die Lücke zwischen Theorie und Praxis“, kommentierte Julian Klaaßen, Projektleiter NET ZERO 2035 am Hamburg Airport. „Die Umrüstung bestehender Fahrzeuge bietet einen realistischen und skalierbaren Weg, unsere Bodendienste weiter Schritt für Schritt CO₂-frei aufzustellen.“

Hybrides Antriebskonzept mit H₂-Verbrennungsmotor

Das umgerüstete Fahrzeug nutzt laut Pressemeldung eine Hybridkombination aus Wasserstoff-Verbrennungsmotor und elektrischem Antriebssystem. Getankt wird der Wasserstoff über eine mobile Tankeinheit des Berliner Herstellers Ryze Power. Von den rund 60 Gepäckschleppern am Hamburger Flughafen ist es der erste, der Wasserstoff statt Erdgas nutzt.

Flughafen

Ein Ziel des Tests ist es, die Umrüstbarkeit bestehender Fahrzeugflotten auf klimafreundliche Alternativen zu prüfen (© Hamburg Airport)

„Der Test ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer fossilfreien Bodenabfertigung“, so Silas Hofmann, CTO und Mitgründer von HTM. „Durch die Umrüstung eines vorhandenen Fahrzeugs zeigen wir, wie sich nachhaltige Lösungen konkret in bestehende Flughafenprozesse integrieren lassen.“

EU-Projekt untersucht H₂-Potenzial systematisch

Der Test ist Teil des Anfang 2024 gestarteten EU-geförderten Projekts BSR HyAirport, das Hamburg Airport als Leadpartner koordiniert. Das Interreg-Projekt vernetzt Flughäfen in der Ostseeregion zur Entwicklung wasserstoffbasierter Anwendungen. Zwei kürzlich veröffentlichte Studien des Projekts belegen laut Pressemeldung das Potenzial von Wasserstoff im Bodenbetrieb. Demnach eigne sich das gas besonders für energieintensive Fahrzeuge wie Gepäckschlepper oder Winterdienstmaschinen.

Die technische und wirtschaftliche Begleitung des Tests erfolgt unter anderem durch das Energiewende-Verbundprojekt Norddeutsches Reallabor (NRL). Bereits 2019 hatte der Flughafen gemeinsam mit Mulag einen ersten Brennstoffzellen-Schlepper entwickelt, der später an internationalen Standorten wie Bristol und Riga zum Testeinsatz kam.

Der aktuelle Test geht nach Angaben des Flughafens jedoch einen entscheidenden Schritt weiter. Erstmals habe man einen Wasserstoff-Verbrennungsmotor in ein Serienfahrzeug im Praxiseinsatz integriert. Die Ergebnisse sollen europaweit anderen Flughäfen als Entscheidungsbasis für eigene Umrüstungen dienen.

 

(Quelle: Hamburg Airport/2025)

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